Zum Inhalt springen
logo Das Magazin für alle Tierbesitzer und -liebhaber
Insekten Alle Themen
Biologin verrät

Warum Wespen so schnell zustechen

Wespe an einem Glas
Wespen sind nicht nur lästig, sie stechen auch schnell zu – und das hat einen Grund. Foto: Getty Images/JimmyR
Artikel teilen
Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

22. August 2025, 16:46 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Wespen stechen erst zu und stellen dann Fragen – so scheint es zumindest. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, warum das so ist.

Wenn wir von Wespen sprechen, meinen wir damit vor allem die Deutsche Wespe, Vespula germanica, und die Gemeine Wespe, Vespula vulgaris. Denn diese beiden Arten gelten als sogenannte Lästlinge. Damit ist gemeint, dass sie Menschen etwa am Frühstückstisch belästigen, wenn sie versuchen, den Schinken vom Brot zu klauen oder von der Marmelade zu naschen. Und noch eine Eigenart macht sie unbeliebt: Im Gegensatz zu Honigbienen oder Hummeln sind Wespen schnell dabei, ihren Stachel einzusetzen – und das hat tatsächlich einen bestimmten Grund.

Warum Wespen so schnell zustechen

Auch Honigbienen stechen. Allerdings tun sie das meist bei akuter Gefahr ihres eigenen Lebens, etwa, wenn man barfuß auf die Tiere tritt, oder bei der Verteidigung ihres Volkes. Letztere Situation betrifft also fast ausschließlich Imker. Zudem wägt eine Honigbiene meistens genau ab, ob sie wirklich zustechen soll. Denn sobald sie den Stachel in der Haut von Menschen versenkt, bleibt dieser dank Widerhaken stecken und wird samt Giftblase und Stachelapparat herausgerissen. Das führt dazu, dass sich der Stachel eigenständig weiter in die Haut des Opfers gräbt, auch wenn die Biene längst weitergeflogen ist. Eine effektive Verteidigungsmethode, die aber auch ihren Preis hat: Die Biene verliert ihr Leben.

Wespen hingegen können mehrfach zustechen. Ihr Stachel ist glatt und lässt sich ohne Schäden wieder herausziehen. Sie riskieren also höchstens, dass man sie während des Stechens erschlägt. Ihre Taktik: Schnell und dafür mehrfach. Ist eine Wespe richtig in Rage, ist es nicht unüblich, dass sie mehrfach auf ihr „Opfer“ einsticht. Aber warum geraten Wespen so schnell in Stechwut?

Mehr zum Thema

Hektische Bewegungen machen Wespen wild

Wespen haben viele Feinde. Vögel, Hornissen, aber auch Mäuse oder Dachse nutzen die Insekten als proteinreichen Snack. Angriff ist in diesem Fall die beste Verteidigung. Und bevor die Wespe prüft, ob es sich bei einem sich schnell nähernden Objekt um einen Feind handeln könnte, sticht sie lieber schnell zu. Daher sollte man hektische Bewegungen in der Nähe von Wespen vermeiden. Schon gar nicht sollte man nach den Tieren schlagen. Das signalisiert der Wespe: „Ich werde angegriffen“ und sie wird bei der nächstbesten Gelegenheit zustechen.

Auch bestimmte Gerüche können dazu führen, dass Wespen schneller zustechen. In manchen Kosmetika sowie in bestimmten Lebensmitteln oder Wein können Duftstoffe vorhanden sein, die dem sogenannten Alarmpheromon der Wespen ähneln. Dieses wird beim Stechen freigesetzt und signalisiert Artgenossen: „Hier ist der Feind“. Mehr dazu erkläre ich Ihnen in diesem Artikel: Warum Wespen manche Menschen regelrecht verfolgen – und stechen.

Übrigens: Hummeln können – entgegen der weitläufigen Annahme – sehr wohl stechen und das auch mehrmals. Im Gegensatz zu Wespen haben Hummeln aber andere Verteidigungsstrategien entwickelt. So heben sie beispielsweise ein Bein an als Drohung oder drehen sich auf den Rücken und präsentieren dem Gegner ihren Stachel.

Können alle Wespen stechen?

Nein. Generell stechen bei Wespen – ebenso wie bei Bienen und Hummeln – nur die Weibchen. Denn der Giftstachel ist evolutionär aus dem Legestachel entstanden und existiert dadurch nur bei weiblichen Tieren. Dabei können neben den sozial lebenden Wespen auch Arten stechen, die nicht in großen Staaten, sondern solitär – also einzeln – leben. Allerdings geschieht dies eher selten. In der Regel kommen Menschen vor allem mit sozial lebenden Wespenarten in Kontakt, wie:

  • Deutsche Wespe (Vespula germanica)
  • Gemeine Wespe (Vespula vulgaris)
  • Europäische Hornisse (Vespa crabro)
  • Sächsische Wespe (Dolichovespula saxonica)
  • Mittlere Wespe (Dolichovespula media)
  • Haus-Feldwespe (Polistes dominula)

Wie Sie sich richtig verhalten, wenn Sie Besuch von Wespen im Garten oder beim Essen erhalten, und wie Sie die Insekten wieder loswerden, erklären die Kollegen von MyHOMEBOOK.

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Zur Autorin

Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren.

Sie haben erfolgreich Ihre Einwilligung in die Nutzung unseres Angebots mit Tracking und Cookies widerrufen. Damit entfallen alle Einwilligungen, die Sie zuvor über den (Cookie-) Einwilligungsbanner bzw. über den Privacy-Manager erteilt haben. Sie können sich jetzt erneut zwischen dem Pur-Abo und der Nutzung mit Tracking und Cookies entscheiden.

Bitte beachten Sie, dass dieser Widerruf aus technischen Gründen keine Wirksamkeit für sonstige Einwilligungen (z.B. in den Empfang von Newslettern) entfalten kann. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an datenschutz@axelspringer.de.