5. Juni 2026, 17:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wer glaubt, Pandas seien gemütliche Bambus-Fresser, hat eine ihrer erstaunlichsten Eigenheiten noch nicht gesehen: Männliche Große Pandas machen beim Pinkeln tatsächlich einen Handstand. Das wirkt wie eine skurrile Zirkusnummer, hat aber einen ganz bestimmten Zweck. Forscher vermuten sogar, dass die ungewöhnliche Pose wichtige Botschaften an andere Pandas sendet.
Mit Urin senden Pandas wichtige Botschaften
Pandas gehören zu den eher einzelgängerischen Tieren. In den Bergwäldern Chinas begegnen sie sich deswegen nur selten. Umso wichtiger ist es für sie, Informationen über ihren Aufenthaltsort, ihr Geschlecht oder ihre Paarungsbereitschaft zu hinterlassen.
Dafür nutzen sie Duftmarken. Neben Sekreten aus speziellen Duftdrüsen setzen Pandas auch Urin ein. Andere Tiere können daraus zahlreiche Informationen über den Verursacher herauslesen. Doch die schwarz-weißen Bären verteilen ihre Duftbotschaften nicht wahllos.
Pandas wählen ihre „Toilette“ sorgfältig aus
Forscher beobachteten wilde Große Pandas im chinesischen Qinling-Gebirge und stellten fest, dass die Tiere bestimmte Bäume bevorzugen. Besonders beliebt sind breite Stämme mit rauer Rinde.1
Das hat einen einfachen Grund: In den Vertiefungen der Rinde bleiben Geruchsstoffe länger erhalten. Außerdem werden die Duftmarken dort von vorbeiziehenden Artgenossen leichter wahrgenommen. Die Tiere scheinen ihre Duftmarken also möglichst effizient platzieren zu wollen. Und genau dabei kommt der ungewöhnliche Handstand ins Spiel.
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Warum die Tiere dafür kopfüber an Bäumen hängen
Indem sich ein männlicher Panda an einem Baum hochstemmt und kopfüber uriniert, kann er seine Duftmarke deutlich höher platzieren als in normaler Haltung. Lange gingen Forscher davon aus, dass die erhöhte Position vor allem dazu dient, den Geruch über eine größere Distanz wahrnehmbar zu machen. Doch inzwischen gibt es Hinweise darauf, dass hinter dem Verhalten noch mehr steckt.
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Hohe Duftmarken könnten Stärke signalisieren
In einer weiteren Studie untersuchten Wissenschaftler, wie Pandas auf Duftmarken in unterschiedlichen Höhen reagieren. Dabei zeigte sich: Die Tiere interessierten sich deutlich stärker für hoch platzierte Geruchsspuren als für solche in Bodennähe. Besonders jüngerer Männchen hielten sich häufiger von Bereichen fern, in denen hoch platzierte Urinspuren erwachsener Männchen zu finden waren.2
Die Forscher vermuten deshalb, dass die Höhe einer Duftmarke mehr verrät als nur den Aufenthaltsort eines Pandas. Möglicherweise signalisiert sie auch Größe, Stärke oder Konkurrenzfähigkeit des Tieres. Für Rivalen könnte eine hoch angebrachte Duftspur damit die Botschaft senden: hier lebt ein durchsetzungsfähiges Männchen. Der Handstand beim Pinkeln wäre dann weit mehr als eine kuriose Angewohnheit – sondern Teil eines ausgeklügelten Kommunikationssystems.
Nicht das einzige skurrile Pinkel-Verhalten im Tierreich
Pandas sind allerdings längst nicht die einzigen Tiere mit ungewöhnlichen Toilettengewohnheiten.
Männliche Amazonas-Flussdelfine etwa drehen sich auf den Rücken und spritzen ihren Urin in einem Bogen durch die Luft. Wissenschaftler vermuten, dass auch dabei chemische Informationen an andere Delfine weitergegeben werden.2
Auch sibirische Streifenhörnchen gehen erstaunlich kreativ mit Urin um. Zumindest mit Schlangenurin. Treffen die Nagetiere darauf, reiben sie sich die Schlangenausscheidung ins Fell und verteilen sie anschließend sogar an Ästen oder Baumstümpfen. Forscher vermuten, dass die Tiere ihre Artgenossen so vor möglichen Schlangen in der Umgebung warnen könnten.3
Noch kurioser wird es bei Reptilien. Anders als Säugetiere scheiden viele Schlangen, Echsen und Vögel keinen flüssigen Urin aus. Stattdessen produzieren sie sogenannte Urate – eine feste oder pastenartige Ausscheidung aus Harnsäure. Forscher fanden 2025 heraus, dass diese aus winzigen Kristallkügelchen bestehen, die den Tieren helfen, Stickstoffabfälle und Salze aus dem Körper zu entfernen.5
Die ungewöhnliche Form hat einen entscheidenden Vorteil: Sie spart Wasser und dürfte sich deshalb besonders für das Leben in trockenen Lebensräumen entwickelt haben. Einige Wissenschaftler vermuten sogar, dass die raffinierten Mechanismen der Reptilien eines Tages dabei helfen könnten, Krankheiten wie Gicht oder bestimmte Nierensteine beim Menschen besser zu verstehen.