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Größte Katze der Welt

Der Sibirische Tiger macht sogar Jagd auf Bären

Junges Tigerweibchen liegt auf dem Rücken
Der Sibirische Tiger braucht große, ungestörte Lebensräume und eine hohe Beutedichte – beides ist für die größte Katze der Welt immer seltener zu finden Foto: Getty Images
Porträtbild Marike Stucke
Freie Autorin

2. Juni 2026, 12:50 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Nur noch rund 500 Sibirische Tiger durchstreifen den äußersten Osten Russlands sowie kleine Teile Nordkoreas und Chinas. Mit rund zwei Metern Körperlänge und einem mehr als einen Meter langen Schwanz gilt der Sibirische Tiger als größte wild lebende Katze der Welt. Entsprechend groß kann seine Beute ausfallen: Neben Elchen, Rothirschen und Wildschweinen macht er sogar Jagd auf kleinere Bären. Doch die Zerstörung seines Lebensraums und Wilderei haben dem mächtigen Jäger stark zugesetzt. Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft ihn deshalb als stark gefährdet ein.

Lebensraum des Sibirischen Tigers

Der Sibirische Tiger ist auch als Amurtiger bekannt, denn sein Verbreitungsgebiet ist durch den russisch-chinesischen Fluss Amur Richtung Westen beschränkt. Andere Tigerarten, wie etwa der Bengalische Tiger oder der Sumatratiger, bevorzugen warme bis tropische Lebensräume. Nur der Sibirische Tiger hält sich hauptsächlich in Gebieten auf, die zweistellige Minusgrade erreichen.

Hierbei bewohnt er sowohl Wälder als auch bergige Regionen. Wichtig scheint nur ein dichtes Unterholz zu sein, damit sich die Raubkatze besser anschleichen kann. Dabei beansprucht der Amurtiger große Reviere für sich. Bis zu 3000 Quadratkilometer kann das Revier der männlichen Tiere umfassen. Meist überlappen sich die Reviere von einem Kater und zwei Katzen miteinander.

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Beutetiere des Sibirischen Tigers

Wichtiger als der Lebensraum selbst ist für den Sibirischen Tiger die Dichte seiner Beutetiere. Aufgrund seiner Größe und seines hohen Energiebedarfs benötigt er bis zu zehn Kilogramm Fleisch am Tag. Auf seinem Speiseplan stehen vor allem Elche, Rothirsche und Wildschweine.

Doch selbst Bären können dem mächtigen Jäger zum Opfer fallen: In seinem Verbreitungsgebiet macht der Sibirische Tiger Jagd auf Asiatische Schwarzbären und Braunbären. Diese Begegnungen sind zwar vergleichsweise selten, zeigen aber, zu welchen Leistungen die größte wild lebende Katze der Welt fähig ist.

Sibirischer Tiger kämpg gegen Bär
Tiger können in ihrem Lebensraum häufiger mit Bären aneinandergeraten (Symbolbild eines Königstigers) Foto: Getty Images

Meist ist die Raubkatze nachts aktiv. Aber auch tagsüber pirscht sie sich lautlos an ihre Beute heran, um sie mit einem gezielten Sprung zu fassen. Mit einem Biss ins Genick hält der Tiger das Beutetier fest und erlegt es. Doch nur etwa jeder zehnte Jagdversuch gelingt. Daher verbringt der Sibirische Tiger einen großen Teil des Tages damit, neue Beute aufzuspüren, und legt auf der Suche bis zu 20 Kilometer zurück.

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Fortpflanzung und Aufzucht der Jungen

Weibchen markieren Bäume mit Urin und hinterlassen deutliche Kratzspuren, um Männchen aus umliegenden Revieren anzuzeigen, dass sie paarungsbereit sind. Findet sich ein Paar, bleibt es während der Paarungszeit zusammen und geht anschließend wieder getrennte Wege. Das Weibchen zieht die Jungen allein groß und diese bleiben bei ihr, bis die Jungtiger mit vier Jahren selbst geschlechtsreif sind und eigene Wege gehen. Bereits mit einem Jahr gehen die Tigerwelpen aber selbst auf die Jagd, um das Handwerk möglichst früh zu erlernen.

Gefährdung des Sibirischen Tigers

Durch seine großen Revieransprüche braucht der Sibirische Tiger nahezu endlose Landschaften, die er ungestört durchstreifen kann. Landwirtschaftlich genutzte Flächen bedrohen diese unberührten Lebensräume. Darüber hinaus ist der Tiger stark abhängig von einer hohen Beutedichte in seinem Revier. Nicht nur sein Lebensraum, sondern auch der seiner Beutetiere wird durch den Menschen immer stärker eingegrenzt. Zudem wildern auch viele ärmere Bevölkerungsschichten selbst in den Wäldern, um ihren Fleischbedarf über Wildtiere zu decken und machen den Tigern so ihre Beute streitig.

Auch der Tiger selbst wird immer wieder von Wilderern gejagt. Sowohl sein Fell als auch seine Knochen sind beliebte Jagdtrophäen. In China werden Tigerknochen und -Zähne traditionell in der chinesischen Medizin eingesetzt und seit 2018 ist der Handel mit diesen auch wieder offiziell erlaubt. Die Knochen des Sibirischen Tigers sind also für Wilderer eine lukrative Einnahmequelle und gefährden den Bestand der Großkatzen.

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Schließlich ist der Sibirische Tiger noch durch Waldbrände bedroht. Um Flächen landwirtschaftlich nutzbar zu machen, werden vorsätzlich Feuer gelegt. Diese gefährden wiederum sowohl den Sibirischen Tiger selbst als auch seine bevorzugten Beutetiere.

Auch der Klimawandel sorgt dafür, dass es der Sibirische Tiger in seinem Verbreitungsgebiet schwerer hat. Wetterextreme wie extrem kalte und schneereiche Winter erschweren die Jagd der Großkatze und dezimieren den Bestand der Beutetiere weiter. Verschiedene Schutzprogramm versuchen seit Jahrzehnten, den Bestand des Tigers zu erfassen und gleichzeitig auf einem höheren Niveau zu halten. Die Möglichkeiten zur Bekämpfung der Wilderei sind aber begrenzt, zumal die weitläufigen Lebensräume des Sibirischen Tigers kaum zu überwachen sind.

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