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Zwischen Ostsee und Peene

Seeadler auf Usedom – warum sich der majestätische Vogel hier wohlfühlt

Immer öfter kann man auf Usedom die majestätischen Tiere sehen.
Immer öfter kann man auf Usedom die majestätischen Tiere sehen. Foto: picture alliance / imageBROKER / wunderbare Erde Gordana & Ralf K
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PETBOOK Redaktion

16. November 2025, 16:19 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Sie sind selten, scheu – und plötzlich gar nicht mehr so schwer zu finden: Auf Usedom lassen sich Seeadler immer häufiger blicken. Doch wo stehen die Chancen am besten? Und warum zieht es den König der Lüfte ausgerechnet dorthin?

Majestätisch, scheu – und inzwischen immer häufiger zu sehen: Der Seeadler hat auf Usedom beste Bedingungen gefunden. Doch wo ist die Wahrscheinlichkeit am größten, den König der Lüfte tatsächlich zu Gesicht zu bekommen? Und warum gilt der Naturpark Insel Usedom mittlerweile als einer der Hotspots für Seeadler-Beobachtungen? Wer sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort aufhält, kann mit etwas Glück ein beeindruckendes Naturerlebnis genießen.

Naturpark Usedom: Ein Paradies für den größten Greifvogel Europas

„Eine der meistgestellten Fragen bei uns im Besucherinformationszentrum ist: Wo kann man Seeadler beobachten?“, sagt Ulf Wigger, Leiter des Naturparks Insel Usedom. Seine Antwort lautet: Besonders gute Chancen bestehen an den beiden Klappbrücken zur Insel – der Wolgaster Brücke und der Zecheriner Brücke – sowie an der stillgelegten Hubbrücke von Karnin. Diese Orte seien theoretisch ideal, aber letztlich sei jede Sichtung auch eine Glückssache: „Natur ist Natur, ich kann nichts garantieren.“

Dass die Chancen dennoch steigen, belegen die Zahlen. Während 2006 noch zwölf Brutpaare auf Usedom lebten, lag der Durchschnitt der vergangenen Jahre bereits bei 28. 2024 wurden sogar 40 Horst-Standorte erfasst, von denen 31 aktiv belegt waren. Damit ist die Sichtung eines Seeadlers auf Usedom so wahrscheinlich wie selten zuvor.

Seeadler im Peenetal
Auf den Touren kann man einige Seeadler sehen. Foto: Wolfgang Stelljes/dpa-tmn

Ein wesentlicher Grund für die wachsende Population: die außergewöhnlich günstige Lage zwischen Ostsee, Peenestrom und Achterwasser. Usedom sei umgeben von fischreichen Gewässern. Neben dem Naturpark Müritz und dem Anklamer Stadtbruch gehört die Insel damit zu den bedeutendsten Lebensräumen des Greifvogels in Deutschland.

Diskretion beim Neststandort – bessere Alternativen für Beobachtungen

Die genauen Standorte der Horste bleiben geheim – zum Beobachten gebe es bessere Orte. Auch das gegenüberliegende Festland, das vom Fluss Peene durchzogen wird, zählt dazu. Denn Seeadler verfügen über einen Aktionsradius von bis zu zwanzig Kilometern.

Aussichtsturm Lassan: Zwischen Hoffnung und Fernblick

Ein Beobachtungsversuch führt zum Aussichtsturm von Lassan, einer kleinen Stadt am Westufer des Peenestroms. Schwalben kreisen, das Schilf raschelt – doch der Blick durch Wiggers treues Fernglas aus DDR-Zeiten bleibt erfolglos. Kein Seeadler in Sicht, nur Mäusebussard und Rotmilan. Als Trost bleibt der weite Blick auf den Lieper Winkel, eine abgeschiedene Halbinsel auf der gegenüberliegenden Seite.

Karnin: Ein rostiges Brückenrelikt mit Adlergarantie?

Anderer Versuch, neues Glück: Die Reste der Hubbrücke von Karnin gelten als einer der vielversprechendsten Orte für Seeadler-Beobachtungen. Und tatsächlich entdeckt Wigger bei einem Schwenk mit dem Fernglas einen Vogel in der Ferne. „Ein ausgewachsener Seeadler mit weißem Stoß hinten“, sagt er. Doch er dämpft die Erwartungen: „Mit bloßem Auge keine Chance, das ist selbst mit dem Glas nicht leicht.“

Zecheriner Brücke: Wo das Glück zum Greifen nah ist

Noch besser läuft es an der Zecheriner Brücke. „Das habe ich noch nie gehabt, dass ich nicht mindestens einen Seeadler gesehen habe an einer dieser drei Stellen“, sagt Wigger. Und diesmal zeigt sich ein Prachtexemplar in Sichtweite, sitzt auf der Spitze eines toten Baumes. Kurz darauf taucht ein zweiter auf – offenbar ein Paar. Das Weibchen ist größer, das Männchen etwas kleiner. Beide sitzen ruhig nebeneinander – ein vertrautes Bild, denn Seeadler führen eine lebenslange monogame Beziehung.

Für Wigger ein Grund zur Freude, denn 2024 wurden auf Usedom 32 Küken gezählt. „Ein Rekordjahr. Das geht nur, wenn die Lebensbedingungen stimmen.“ Dazu zählt vor allem ausreichende Nahrung: „Es muss genügend Fraß geben. Man sagt: Der Adler geht zum Fischen raus. Findet er aber ein Reh am Straßenrand, dann favorisiert er dieses Reh.“

Der Vogel mit einer Flügelspannweite von bis zu zweieinhalb Metern ist ein Energiesparer. Seine größte Bedrohung bleibt der Mensch – ob durch Autos, Bleimunition oder Windkraftanlagen.

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Mit dem Boot durchs Peenetal: Lautlos auf Adlerkurs

Ein weiterer Tipp für Sichtungen ist eine Bootstour auf der Peene. Startpunkt ist eine ehemalige Werft in Anklam. Dort betreiben Antje und Carsten Enke das Projekt „Abenteuer Flusslandschaft“. Herzstück der Flotte ist die „Ida vom Peendamm“. Jens Günther, zertifizierter Naturführer, steuert das Boot bei einer abendlichen Tour. „Das sind für mich die schönsten Touren, weil absolute Ruhe ist.“

Obwohl die Tiere morgens aktiver sind, zeigt sich Günther optimistisch. Zu 90 Prozent, so sagt er, könne man mit Sichtungen rechnen. Das elektrisch betriebene Boot gleitet geräuschlos mit rund fünf bis sieben Kilometern pro Stunde durch das Naturschutzgebiet – ideale Bedingungen, um die Tiere nicht zu stören.

Schon nach wenigen Minuten zeigt Günther auf eine Baumreihe in 200 Meter Entfernung – der erste Adler. Daneben ein Horst, ein „Neubau“ in einer Weide. Solche Horste können bis zu zwei Meter im Durchmesser messen, eine halbe Tonne wiegen und müssen Wind und Wetter standhalten.

Immer wieder weist Günther auf neue Tiere hin – ein ausgewachsenes Exemplar sitzt im dichten Laub. Günther ist mit seinem Boot sogar schon bis auf zehn Meter an einen Adler herangekommen. „Die kennen uns natürlich.“

Am Ende der Tour wurden acht Adler gesichtet. Wenn einer davon schließlich mit kräftigen Flügelschlägen direkt vor den Augen der Fahrgäste abhebt, ist das Naturerlebnis perfekt.

Usedom und Peenetal
In der Umgebung der Pommerschen Bucht lassen sich immer öfter Seeadler entdecken. Foto: dpa-Infografik/dpa-tmn

Praktische Tipps für die Adlerbeobachtung auf Usedom

Anreise:

Von Hamburg führt die A 20 bis zur Abfahrt Gützkow, dann über Wolgast auf die Insel. Aus Richtung Berlin nimmt man die A 11 und A 20 bis Pasewalk-Süd und fährt über Anklam weiter. Mit der Bahn ist Usedom über Züssow und die Usedomer Bäderbahn erreichbar.

Wer den Anklamer Stadtbruch mit seiner hohen Horstdichte erkunden möchte, kann sich direkt an Naturschutzwart Günther Hoffmann wenden (Tel. 0170 / 8136339). Seine Führungen finden ganzjährig statt – selbst im Dezember und Januar sind Beobachtungen während der Balz möglich. Weitere Informationen finden Sie über den Naturpark Usedom.

Tipp: Fernglas nicht vergessen – und Geduld mitbringen.

Mit Material der dpa

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