8. September 2025, 14:43 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Die Neuwelt-Schraubwurmfliege ist eine Schmeißfliegenart, deren Larve sich vom Fleisch ihrer Opfer ernährt. Zurzeit breitet sich der Parasit in Nordamerika aus und bedroht dort nicht nur Nutztiere, sondern auch Hunde, Katzen und Kaninchen. PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider erklärt, wie der Parasit zuschlägt, welche Regionen betroffen sind und was Tierhalter wissen sollten.
Die gefürchtete Neuwelt-Schraubwurmfliege (Cochliomyia hominivorax) breitet sich seit 2023 von Panama aus über Mittelamerika bis nach Mexiko aus. Im August 2025 sorgte der Parasit für Schlagzeilen, als der erste reisebedingte Fall bei einem Menschen in den USA bestätigt wurde, wie unter anderem „Focus“ berichtete. Denn bis dahin wurden ausschließlich Tiere von den fleischfressenden Larven befallen. Das eigentliche Problem ist aber der Befall von Nutzvieh wie Kühen und Rindern. Hier drohen der Viehwirtschaft in den USA Verluste in Milliardenhöhe. Doch auch Haustiere können betroffen sein. 1
Was sind Schraubwurmfliegen?
Schraubwurmfliegen sind Schmeißfliegen, deren Larven, auch Maden genannt, eine Myiasis verursachen. Darunter versteht man einen Befall von lebendem Gewebe. Denn es gibt durchaus Fliegenlarven, die sich ausschließlich von abgestorbenen Gewebe ernähren und sogar zur Wundreinigung eingesetzt werden.2
Doch die Larven der Neuwelt-Schraubwurmfliege müssen lebendes Fleisch fressen, um sich zu entwickeln, und richten damit großen Schaden an. Die adulten Fliegen sind acht bis zehn Millimeter groß, metallisch blau-grün, mit rötlichem Kopf und drei dunklen Längsstreifen auf dem Thorax. Weibchen können in kurzer Zeit bis zu 300 – manchmal sogar bis zu 500 Eier legen. Das tun sie bevorzugt an Wunden oder Körperöffnungen von Warmblütern.
Nach dem Schlüpfen „schrauben“ sich die Larven in das Gewebe und ernähren sich dort vom Fleisch ihrer Wirte. Es dauert etwa fünf bis sieben Tage, bis die Maden reif sind zur Verpuppung. Sie lassen sich dann zu Boden fallen. Der gesamte Zyklus kann bei Wärme in gut drei Wochen abgeschlossen sein; die erwachsene Fliege lebt etwa 7–10 Tage.
Warum die Fliegenlarven so gefährlich sind
Die Larven der Schraubwurmfliege fressen ausschließlich lebendes Fleisch. Gelangen die winzigen Eier an eine Wunde oder sogar an gesunde Körperöffnungen, schlüpfen innerhalb von 24 Stunden hunderte Maden und beginnen, sich in das Gewebe hineinzuschrauben. Dabei entstehen sehr schmerzhafte, stark nässende Wunden, die sich schnell vergrößern und durch den charakteristischen fauligen Geruch auffallen. 3
Oft kommt es zusätzlich zu schweren bakteriellen Infektionen, die den Zustand der betroffenen Tiere rasch verschlechtern und unbehandelt sogar tödlich enden können. Besonders tückisch ist, dass der Befall von außen zunächst unscheinbar wirken kann, während sich unter der Haut bereits ein tiefes, von Larven durchsetztes Gewebeareal gebildet hat. Diese Kombination aus verstecktem Befall, schnellem Fortschreiten und der Zerstörung gesunden Gewebes macht die Schraubwurmfliegen-Larven so gefährlich.
Befallen Schraubwurmfliegen auch Haustiere?
Ja. Potenziell sind alle Warmblüter Wirte – neben Rind und Wildtieren auch Hunde, Katzen und vor allem Kaninchen gefährdet, an Myiasis zu erkranken. Dabei werden die Eier auf jedwede Läsion gelegt: von der OP-Naht bis zum Zeckenstich. Befallene Haustiere zeigen starke Schmerzen; Wunden vergrößern sich, heilen nicht ab, und im Fell können nässende Sekrete auffallen.4
Einen Befall erkennen Sie an folgenden Symptomen:
- rasch größer werdende, stinkende Wunden
- sichtbare Larven (ab Tag 3 möglich)
- Unruhe
- Lecken/Kratzen
- Appetitverlust
- Fieber
- Mattigkeit
Wichtig ist, dass Sie bei Verdacht eines Befalls sofort einen Tierarzt aufsuchen. Dieser kann die Larven und Eier mechanisch entfernen und die Wunde fachgerecht versorgen. Wenn nötig, werden Schmerzmittel oder Antibiotika verabreicht. Zudem gibt es Mittel, die speziell gegen die Maden der Schraubwurmfliege wirken, wie Studien zeigen konnten. Diese können zur Therapie oder Prophylaxe eingesetzt werden. Die Anwendung sollte aber ausschließlich nach tierärztlicher Rücksprache erfolgen. 5
Wo gibt es Schraubwurmfliegen?
Historisch reichte das Verbreitungsgebiet von den südlichen USA über Mexiko und Zentralamerika bis in den Norden Südamerikas. Einzelne karibische Inseln waren ebenfalls betroffen. Durch die Sterile-Insekten-Technik (SIT) wurde der Parasit nördlich des Panamakanals in den USA Mitte der 1960er-Jahre und später auch in Zentralamerika großflächig ausgerottet.
Seit 2023 kommt es jedoch wieder zu massiven Ausbrüchen in Mittelamerika. So meldet Mexiko seit 2024/25 tausende Fälle von Tieren. Die USA halten die Panama-Barriere mit einer besonderen Technik (noch) aufrecht. Dabei kommen sterile Fliegen zum Einsatz, die sich nicht mehr vermehren können. Zudem gibt es verstärkte Kontrollen, um einer Wiederausbreitung nach Norden vorzubeugen.6, 7
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Können die Schraubwurmfliegen auch nach Deutschland gelangen?
Trotz schärfster Kontrollen lässt sich nie komplett ausschließen, dass nicht mal eine Fliege auch mit Reisenden oder durch den Welthandel nach Europa oder gar Deutschland gelangt. Vor einem Befall der Neuwelt-Schraubwurmfliege muss man aber hierzulande keine Angst haben. Denn die Insekten benötigen tropische bis subtropische Bedingungen mit dauerhaften Temperaturen zwischen etwa 20 und 30 °C. Kälte oder Frost überleben die Larven nicht. In Mitteleuropa fehlen daher die klimatischen Voraussetzungen für eine stabile Population.
Für Haustiere und Menschen in Deutschland besteht kein realistisches Risiko, von der Schraubwurmfliege befallen zu werden. Problematisch ist der Parasit vor allem in warmen Regionen Amerikas, wo er derzeit erneut massive Schäden anrichtet.
Wie schützt man sich und seine Tiere vor dem Befall?
Tierhalter in oder nahe Ausbruchsgebieten oder auf Reisen sollten Folgendes beachten:
- Nicht in betroffene Regionen reisen: Mit Hund/Katze nicht in Regionen mit aktivem Ausbruch reisen. Nach Aufenthalt in betroffenen Ländern sind in den USA Vor-Einreise-Inspektionen und Bescheinigungen für Hunde vorgeschrieben; vergleichbare Checks sind generell sinnvoll.
- Wunden managen: Alle Verletzungen – auch winzige – sofort reinigen, trocknen, abdecken und täglich kontrollieren. Frische OP-Wunden konsequent schützen.
- Insektenabwehr: Tierärztlich empfohlene Repellentien (Produkte mit Wirksamkeit gegen stechende/beißende Fliegen) nutzen; Stall-/Hofhygiene verbessern, Fliegenfallen einsetzen.
- Exposition reduzieren: Dämmerungszeiten meiden, Insektennetze, schattige/zugfreie Ruheplätze. Draußen kein Futter/Wundsekret offen stehen lassen.
- Früherkennung: auf Geruch nach Verwesung sowie Wunden, die größer werden, sichtbare Maden, starkes Lecken/Beknabbern, Apathie oder Fieber achten.
Im Ernstfall sofort zum Tierarzt und die Wunde behandeln lassen. Die Larven müssen vollständig entfernt und die Wunde fachgerecht versorgt werden. Verdachtsfälle in betroffenen Regionen sind zu melden. 8, 9