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Riesentagschläfer

Hätten Sie das Tier auf dem Bild erkannt?

Riesentagschläfer auf einem Ast
Haben Sie hier auf den ersten Blick ein Tier entdecken können? Meist sieht man erst auf den zweiten Blick den Riesentagschläfer beim Dösen. Foto: picture alliance / Minden Pictures | Thomas Marent
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

19. Dezember 2025, 13:42 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten

Seine Größe ist beeindruckend, sein Verhalten faszinierend, und seine Tarnung nahezu perfekt: Der Riesentagschläfer wirkt tagsüber wie ein abgebrochener Ast – und ist nachts ein geschickter Jäger. In den tropischen Wäldern Südamerikas führt diese außergewöhnliche Vogelart ein verborgenes Leben.

Der Meister der Unsichtbarkeit

Der Riesentagschläfer oder Große Urutau (Nyctibius grandis) zählt zu den besten Tarnkünstlern im Tierreich. Mit seinem graubraunen Gefieder, das perfekt der Rinde tropischer Bäume gleicht, bleibt er am Tag nahezu unsichtbar. Wie angewurzelt sitzt er auf Ästen – regungslos und still. Diese perfekte Anpassung schützt ihn vor Fressfeinden und macht ihn tagsüber nahezu unauffindbar.

Nach Sonnenuntergang wird der Riesentagschläfer aktiv. Er jagt aus der Luft – große Insekten, kleine Vögel und sogar Fledermäuse stehen auf seinem Speiseplan. Dabei hilft ihm nicht nur sein breiter, abgeflachter Schnabel, sondern auch eine außergewöhnliche Fähigkeit: Der Urutau kann mit geschlossenen Augen sehen. Spalten in den Lidern ermöglichen es ihm, Bewegungen und Licht wahrzunehmen, ohne die Augen öffnen zu müssen – ein effektiver Schutzmechanismus gegen Überraschungsangriffe.

Hat er die Augen doch geöffnet, so zeigen sich diese auffällig groß und seitlich aus dem Kopf hervortretend. Sie ermöglichen dem Urutau ein exzellentes Sehvermögen bei schwachem Licht – ideal für nächtliche Jagdzüge. Der nachtaktive Vogel kann bis zu 60 Zentimeter groß werden. Seine Flügelspannweite überschreitet dabei 70 Zentimeter. 1

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Ein Ruf, der Legenden nährt

Ein besonderes Merkmal macht den Urutau auch akustisch unverwechselbar. In der Nacht ertönt aus den Baumkronen ein lautes, klagendes Stöhnen. Der gespenstische Laut hat dem Vogel in der lokalen Folklore einen mystischen Status eingebracht: Mitunter glauben Menschen in Südamerika, dass es sich um Kinder handelt, die nach ihren verlorenen Eltern rufen. Andere fühlen sich eher an Froschrufe oder menschliches Würgen erinnert. Manche seltenere Laute sollen teilweise an Eulenrufe erinnern. Dieser eindringliche Ruf dient nicht nur der Kommunikation, sondern auch der Revierverteidigung.

Denn ein Brutpaar Urutaus legt nur ein einziges Ei und lebt monogam. Ihre Tarnung, ihr Sehvermögen und ihre gruseligen Rufe schützen sowohl sie selbst als auch ihre Brut. Diese legen sie nicht in ein Nest, sondern einfach in die Vertiefung eines Astes. Die Brutzeit beträgt rund 30 Tage, wobei sich vermutlich beide Elternteile abwechselnd um das Ei kümmern. Der Jungvogel bleibt mindestens 55 Tage im Nest, bevor er es verlässt. Bereits nach rund zwei Wochen beginnt er, das Tarnverhalten der Eltern zu imitieren.

Über die allgemeine Lebenserwartung dieser faszinierenden Vögel ist nur wenig bekannt. Experten vermuten jedoch, dass sie – wie ähnliche Arten – etwa zwölf bis vierzehn Jahre alt werden können. 2

Nicht gefährdet – aber dennoch unter Druck

In Teilen Brasiliens wird den Federn des Vogels eine symbolische Bedeutung zugeschrieben: Man glaubt, dass sie Keuschheit fördern – weshalb die Tiere für rituelle Zwecke bejagt werden. Zudem werden sie in geringem Maße auch von der Landbevölkerung zur Ernährung genutzt. Die Weltnaturschutzunion IUCN bewertet den Riesentagschläfer als „nicht gefährdet“ (Least Concern), nennt aber einen rückläufigen Bestand.

Quellen

  1. LiveScience.com, „Great potoo: The 'tree stump' bird with a haunting growl and can see with its eyes closed“ (aufgerufen am 19.12.2025) ↩︎
  2. IFLScience.com, „Ghost Bird: The Great Potoo Is South America’s Loud But Elusive Enigma“ (aufgerufen am 19.12.2025) ↩︎

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