12. März 2026, 6:06 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Türkisblaues Wasser, einsame Buchten und mehr als 13.000 Kilometer Küste – Griechenland steht für unbeschwerte Sommertage am Meer. Doch genau dort, wo Urlauber Erholung suchen, spitzt sich eine stille Krise zu. Eine der seltensten Robbenarten der Welt verliert zunehmend ihren Lebensraum – oft unbemerkt von jenen, die ihn mit ihr teilen.
Was sind Mönchsrobben?
Mönchsrobben gehören zur Gruppe der Hundsrobben, denen auch die in Deutschland heimischen Seehunde und Kegelrobben angehören. Sie sind auch ähnlich groß und schwer wie Kegelrobben. Ihr Fell ist kurz, schattiert und, kann dunkel, braun oder grau sein.
Wie alle Robben zählt Fisch zu den Lieblingsspeisen dieser Art. Sie fressen aber auch Krebse und Tintenfisch. Darüber hinaus ist leider wenig über das Verhalten von Mönchsrobben bekannt. Sie leben eher zurückgezogen und verstecken sich tagsüber in geschützten Höhlen oder auf abgelegenen Stränden.
Man unterscheidet in Europa zwischen zwei Subpopulationen: einer im Atlantischen Ozean und einer im Mittelmeer. Letztere, wissenschaftlich Monachus monachus genannt, gehören zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Meeressäugetieren Europas und zu den am stärksten gefährdeten Robbenarten.1
Sensibler Lebensraum im Schatten des Massentourismus
Ein erheblicher Teil der weltweiten Population lebt in griechischen Gewässern, wie auch TRAVELBOOK berichtet. Besonders bedeutend ist das Gebiet rund um die unbewohnte Kykladeninsel Gyaros: Nach Angaben des WWF Hellas lebt dort mehr als jedes zehnte Tier weltweit. Auch die nördlichen Sporaden gelten als wichtige Rückzugsräume.
Im angrenzenden Nationalen Meerespark – laut eigenen Angaben der größte Meeresschutzpark Europas – ist der Zugang stark reglementiert, um Brut- und Ruheplätze zu sichern. Weitere Bestände finden sich vor der kleinen Insel Formicula im Ionischen Meer. Dennoch geraten die Tiere immer stärker unter Druck.
Mit dem Boom von Schnorchelausflügen, Segeltörns, Motorbootfahrten und Inselhopping wächst die Zahl menschlicher Aktivitäten entlang der Küsten stetig. Für die Robben bedeutet das: weniger ungestörte Rückzugsorte.
Geburten in gefährlichen Höhlen
Um Störungen zu entgehen, ziehen sich Mönchsrobben zunehmend in abgelegene Meereshöhlen zurück. Dort bringen sie zwischen Mai und September – also mitten in der touristischen Hochsaison – ihre Jungen zur Welt. In den ersten Tagen sind die Jungtiere kaum schwimmfähig und vollständig auf ihre Mutter angewiesen.
Die Höhlen bieten zwar Schutz vor Menschen, bergen jedoch erhebliche Risiken. Wie die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, können Jungtiere gegen Felsen geschleudert, ertränkt oder ins offene Meer gespült werden.
Hinzu kommt die Gefahr durch direkte Störungen. „Etwa eine Woche nach der Geburt gehen Mönchsrobbenmütter fischen und lassen ihre Jungen stundenlang allein“, erklärt Panos Dendrinos, Präsident der griechischen Robbenschutzorganisation MOm, der britischen Zeitung. „Wenn jemand in die Höhle geht, gerät das Junge wahrscheinlich in Panik und verlässt sie; die Mutter wird es dann kaum finden.“
Dramatischer Rückgang der Sichtungen
Auch vor Formicula beobachten Forschende deutliche Veränderungen. Der Meeresbiologe Joan Gonzalvo vom Tethys-Forschungsinstitut in Mailand berichtet, dass der zunehmende Tourismus Begegnungen mit den Tieren stark reduziert habe. „Was anfangs aufregend war, verwandelte sich schnell in einen Albtraum“, sagt er zu „The Guardian“ und fügt hinzu: „Heutzutage haben wir Glück, wenn wir überhaupt noch ein oder zwei Robben sehen.“ Früher seien Sichtungen von fünf oder sechs spielenden Tieren im Wasser keine Seltenheit gewesen.
Weltweit existieren nur wenige hundert Exemplare der Monachus monachus. Neben Tourismus und Schiffsverkehr setzen ihnen vor allem Küstenbebauung und der Verlust geeigneter Lebensräume zu. Auch das unbeabsichtigte Verfangen in Fischernetzen trägt zur Gefährdung bei. Zwar hat sich der Bestand zuletzt leicht erholt, Fachleute warnen jedoch vor verfrühtem Optimismus.
Neue Schutzmaßnahmen rund um Formicula
Die griechischen Behörden reagierten Ende 2024 mit einer 200-Meter-Schutzzone um Formicula. Boote dürfen dort nicht anlegen, die Höchstgeschwindigkeit beträgt vier Knoten, zudem ist ein Mindestabstand von 30 Metern zu den Tieren einzuhalten. Das Füttern ist untersagt, Besucher müssen das Gebiet bis Sonnenuntergang verlassen. Verstöße können zu Festnahmen führen.
Darüber hinaus hat sich Griechenland verpflichtet, den Anteil geschützter Meeres- und Küstenflächen bis zum kommenden Jahrzehnt auf 30 Prozent zu erhöhen. Im vergangenen Sommer wurden zusätzliche Meeresschutzgebiete in der Ägäis und im Ionischen Meer ausgewiesen.
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Menschliche Aktivitäten nach wie vor ernstes Problem
Parallel starteten die Monk Seal Alliance und die griechische Naturschutzbehörde NECCA in der vergangenen Woche die Initiative „Seal Greece“. Die nationale Informationskampagne wird von der Stiftung von Fürst Albert II. von Monaco unterstützt und richtet sich insbesondere an Touristen. Ein digitales Tool, die Seal Greece AR-Experience, soll helfen, sensible Lebensräume leichter zu erkennen.
Maria Papadopoulou, Präsidentin der Naturschutzbehörde NECCA, betonte in der griechischen Zeitung „To Vima“: „Es bestehen weiterhin Herausforderungen: Die Überwachung gestaltet sich aufgrund des abgelegenen Lebensraums der Art schwierig, die Strafverfolgung muss weiter verstärkt werden, und Störungen durch menschliche Aktivitäten stellen nach wie vor ein ernstes Problem dar. Eine langfristige Zusammenarbeit mit allen Beteiligten und eine kontinuierliche Aufklärung der Öffentlichkeit sind unerlässlich, um diese Schwierigkeiten zu überwinden.“
Was Reisende beachten sollten
Urlauber sind angehalten, Schutzgebiete und natürliche Rückzugsräume konsequent zu respektieren. Wer einer Mönchsrobbe begegnet, sollte Abstand halten, ruhig bleiben und das Tier weder berühren noch füttern. Obwohl die Art nicht als aggressiv gilt, kann der bis zu drei Meter lange Meeressäuger bei Bedrohung gefährlich reagieren.
In Meereshöhlen empfiehlt es sich, sich langsam zurückzuziehen und den Tieren stets einen freien Fluchtweg zu lassen. Die Einhaltung dieser Regeln ist eine konkrete Voraussetzung dafür, dass die wenigen verbliebenen Bestände der Mittelmeer-Mönchsrobbe in Griechenland dauerhaft überleben können.