10. September 2025, 18:23 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Was haben Pinguine, Polarfüchse und Mammuts gemeinsam? Sie alle sind Meister der Anpassung an extreme Kälte. Doch wie genau trotzten einige Tiere den eisigen Temperaturen der Eiszeit? Warum wuchsen manche zu wahren Giganten heran, während andere ihre Körperformen fast schon kunstvoll optimieren? Die Natur folgt dabei faszinierenden Regeln, die nicht nur Mammuts so riesig werden ließen. PETBOOK erklärt welche.
Wie Tiere mit Körperbau und Größe der Kälte trotzen
Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass Tiere in kälteren Gebieten allgemein größer sind als ihre Artgenossen in warmen? Zum Beispiel sind in der Regel Polarfüchse größer als unser heimischer Rotfuchs. Er ist aber wiederum größer als der Fennek-Wüstenfuchs. Gleiches gilt für die verschiedenen Pinguinarten: Ein Kaiserpinguin aus der Antarktis ist viel größer als die Magellanpinguine Argentiniens.
Carl Bergmann, ein Anatom und Physiker aus dem 19. Jahrhundert, beobachtete dieses Phänomen auf seinen Forschungsreisen. Dabei stellte er fest, dass Tiere, die in kalten Gegenden leben, meist größer sind als ihre Verwandten in warmen Gebieten. Somit verlieren die größeren Tiere also weniger Wärme, weil ihre Oberfläche im Vergleich zum Körper kleiner ist. Diese Beobachtung ging in die Geschichte der Naturwissenschaften als „Bergmannsche Regel“ ein. Sie gilt vor allem für gleichwarme Tiere – also Vögel und Säugetieren. Bei wechselwarmen Tieren wie Reptilien ist sie nicht direkt anwendbar.
Wer sich gut an seinen Biologie-Unterricht – und vor allem an das Unterscheidungsmerkmal zwischen Asiatischen und Afrikanischen Elefanten – erinnern kann, ahnt, dass es noch eine zweite spannende Regel gibt. Die sogenannte Allen-Regel besagt, dass sich Tiere an ihren Lebensraum anpassen, indem sie in kalten Regionen kleinere Körperanhänge, wie Ohren, Schwänze oder Gliedmaßen, ausbilden, um Wärmeverluste zu minimieren.
In warmen Gebieten ist es umgekehrt: Längere Gliedmaßen erleichtern dort die Wärmeabgabe. Extreme Kälte oder Temperaturveränderungen führten über viele Generationen hinweg zu einem evolutionären Vorteil für größere oder besser isolierte Körperformen. Daher hat der Afrikanische Elefant auch größere Ohren, um sich abzukühlen, als sein asiatischer Verwandter. 1
Erst das harsche Klima ließ die Ohren von Mammuts schrumpfen
Wollhaarmammuts haben sich damals ebenfalls an die kalten Wetterverhältnisse angepasst, das sagt zumindest eine Studie aus dem Jahr 2023 unter der Leitung von David Diéz-del-Molino, veröffentlicht im Fachmagazin „Current Biology“. Ihre Untersuchungen ergaben, dass, obwohl Mammuts riesig waren, sie entsprechend der Allen-Regel besonders kleine Ohren gehabt haben. Dafür verantwortlich sei das Gen FLG (Filaggrin). Die Veränderung des im FLG-Gens trat erst nach dem Ursprung der Art auf, also vor weniger als 700.000 Jahren.
Das heißt: Die ersten Mammuts hatten wahrscheinlich noch größere Ohren. Erst später, als das Klima immer kälter und rauer wurde, passten sie sich an und ihre Ohren wurden kleiner. So haben sie weniger Wärme verloren und konnten besser in der eisigen Umgebung überleben.2, 3
DNA-Spuren von riesigen Mammuts und Nashörnern in Süddeutschland
Ja, richtig gelesen. Bis zur geografischen Höhe des Bodensee gab es DNA-Vorkommen von eiszeitlichen Elefanten und Wollhaarmammuts. Die größten Tiere des Pleistozäns lebten in unseren Breitengraden vor 2,5 Millionen Jahren bis zum Anfang unserer heutigen Zeit (Holozän) und starben schließlich vor rund 10.000 Jahren aus. Die gigantischen Verwandten der heutigen Dickhäuter wurden bis zu 5 Meter hoch und waren mit wolligem, dichtem Fell umhüllt.
Auch, dass es hier in Deutschland früher Nashörner gab, ist belegt. Im Rahmen eines universitären Kooperationsprojektes wurden unter der Leitung von Biologin Laura Epp DNA-Proben aus fossilen Kotfunden von Hyänen (Ja, auch die) aus Süddeutschland entnommen. Die Analyse zeigte, dass in den Überresten DNA-Profile von Wollnashörnern enthalten sind.
Die eiszeitlichen Giganten mit den kleinen Ohren lebten in der Steppe von Nord- und Zentraleurasiens. Über 2,5 Millionen Jahre lebten Tiere wie das Wollnashorn auf der Erde und waren mit einer dicken Haut und dichtem Fell bestens gegen die Kälte gewappnet. Sie starben allerdings spätestens zum Ende der Weichsel-Kaltezeit vor 11.000 Jahren aus. Durch die Jagd schrumpfte der Bestand und trieb sie in südlichere Gebiete. Ein Temperaturanstieg hat sein Übriges, um diesen Raum lebensunfähig für sie zu machen, da sich Wollnashörner über Jahre für kalte Gebiete quasi „selbstoptimiert“ hatten. 4, 5
Sind Wollmäuse der erste Schritt auf dem Weg zur Wiederbelebung des Mammuts?
Welche Tiere leben in der Antarktis?
Säbelzahntiger mit Kultstatus
Mit einer Schulterhöhe von etwa 1,20 Metern war auch der Säbelzahntiger (Smilodon fatalis) größer und schwerer als heutige Großkatzen. Er lebte ebenfalls im Zeitalter des Pleistozäns und jagte bis zu seinem Aussterben vor rund 10.000 Jahren rehähnliche Tiere und Tapire. Seine bis zu 20 Zentimeter langen Eckzähne machten ihn zu einem äußerst effektiven Jäger – bestens ausgestattet, um Beute zu reißen.
Beheimatet war der Säbelzahntiger vor allem in den bewaldeten Regionen des heutigen Nordamerikas. In der Popkultur ist er heute wohl vor allem als „Diego“, der charmante Raubkatzenheld aus dem Animationsfilm „Ice Age“, bekannt – auch wenn diese Darstellung ein etwas anderes als das reale Bild der Eiszeit vermittelt.6
Fazit
Ob riesige Mammuts, Nashörner oder Säbelzahntiger – viele Tiere haben sich durch beeindruckende Körpergrößen und besondere Merkmale an das Klima der Eiszeit angepasst. Doch der Mensch und der Klimawandel haben für das Verschwinden vieler Arten gesorgt. Heute helfen ihre Überreste, Fossilien und DNA-Spuren dabei, die Mechanismen der Evolution besser zu verstehen – und hoffentlich weiteres Massenaussterben verhindern zu können.