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Laut Studie

Manche Krähen können sich über 100.000 Verstecke merken

Rabenvögel verstecken Nüsse und Würmer und erinnern sich Wochen später an Ort und Inhalt
Rabenvögel verstecken Nüsse und Würmer und erinnern sich Wochen später an Ort und Inhalt Foto: Getty Images
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6. August 2025, 6:49 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Rabenvögel sind nicht nur schlau, sie sind auch überraschend praktisch veranlagt: Viele Arten woe Krähen verstecken Nahrung für schlechte Zeiten – und finden sie später gezielt wieder. PETBOOK hat 2025 eine Vergleichsstudie analysiert, die zeigt, wie sich dieses Verhalten über Millionen Jahre hinweg entwickelt hat. Und: Welche Rabenvögel die besten Vorratsplaner sind. 

In der Fachzeitschrift „Animal Cognition“ haben Forscher der Universitäten Exeter, Konstanz und Wageningen 2025 die bislang größte Vergleichsstudie zu diesem Verhalten veröffentlicht. Darin analysierten sie das sogenannte „Caching-Verhalten“, bei dem Rabenvögel wie Krähen Vorräte anlegen und verstecken, von insgesamt 29 Vogelarten. Die Daten zeigen: Die Lebensweise der Tiere beeinflusst, wie viel sie horten – und wie gut sie sich an ihre Verstecke erinnern. 

Wer versteckt Vorräte – und warum? 

Im Rahmen ihrer Forschung untersuchten die Forscher, welche Faktoren beeinflussen, welche Rabenvogelarten wie viele Verstecke anlegen.  

Darunter: 

  • den Lebensraum 
  • die Ernährung 
  • das Sozialverhalten
  • das geografische Verbreitungsgebiet der Arten 

Das Ergebnis: Einige Rabenvögel legen gelegentlich kleine Vorräte an, andere bunkern zehntausende Samen pro Saison. Rabenvögel aus kalten Klimazonen mit stark schwankendem Nahrungsangebot neigen besonders häufig zum Caching. Auch weniger soziale Arten legen tendenziell mehr Vorräte an. Das liegt vermutlich daran, dass in großen Gruppen das Risiko besteht, dass andere Vögel die Verstecke plündern. Einzelgänger können ihre Funde diskreter lagern – und müssen ihr Wissen nicht mit der Gruppe teilen. 

Auch interessant: „Weder Killerkrähen noch diebische Elstern!“ 7 spannende Fakten über Rabenvögel 

So viele Verstecke können sich Krähen merken 

Die Studie zeigt: Die Fähigkeit zum Caching – also dem gezielten Verstecken und Wiederfinden von Nahrung – ist bei Krähen und ihren Verwandten extrem unterschiedlich ausgeprägt. Besonders beeindruckend sind spezialisierte Cacher wie der Clark’sche Tannenhäher (Nucifraga columbiana): Er versteckt jedes Jahr zwischen 20.000 und über 100.000 Samen – und findet einen Großteil davon auch Monate später wieder. Diese Vorräte sichern nicht nur das eigene Überleben im Winter, sondern auch den Bruterfolg im Frühjahr. 

Auch andere Arten zeigen beeindruckende Leistungen: 

  • Pinyonhäher: So abhängig vom Caching, dass er in schlechten Mastjahren seine Brut ganz aussetzt (Schaming 2015). 
  • Eichelhäher (Garrulus glandarius): Versteckt mehrere Hundert bis Tausend Eicheln – und sorgt so mit dafür, dass sich Eichenwälder regenerieren. 
  • Kanadakrähen: Neigen zum saisonalen Caching, besonders bei starken Klimaschwankungen. 
  • Elstern: Legen kleinere Futterdepots an, oft mit Fleisch oder Insekten. 
  • Saatkrähen: Nur vereinzelt Caching-Verhalten dokumentiert. 
  • Dohlen: Cachen kaum – sie leben meist in Gruppen mit stabiler Nahrungslage
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Beeindruckendes Langzeitgedächtnis

Dabei merken sich spezialisierte Arten wie Krähen nicht nur den Ort ihrer Verstecke, sondern auch die Art und Qualität des Futters – und holen zuerst die leicht verderblichen Vorräte. Das Caching ist nicht nur eine Überlebensstrategie, sondern auch ein Beleg für das beeindruckende Langzeitgedächtnis der Tiere. 1 

Auch das soziale Gedächtnis spielt eine Rolle: Eichelhäher und Kolkraben (Corvus corax) wissen, ob ein Artgenosse bei der Lagerung zugesehen hat – und verstecken die Nahrung später um. Diese kognitiven Fähigkeiten sind ein Zeichen für die Intelligenz von Rabenvögeln insgesamt. 

Wie sich das Caching im Lauf der Evolution entwickelt hat 

Die Studie geht noch einen Schritt weiter: Sie rekonstruiert, wie sich das Caching-Verhalten im Lauf der Stammesgeschichte entwickelt hat. Das Ergebnis ist ebenso überraschend wie aufschlussreich: Nicht alle Rabenvögel legen Vorräte an – doch dort, wo das Verhalten vorkommt, ist es unabhängig voneinander mindestens viermal entstanden. Caching wurde im Lauf der Evolution also mehrfach „neu erfunden“ – ein starkes Indiz dafür, wie erfolgreich diese Strategie ist, um in wechselhaften Lebensräumen zu überleben. 

Gleichzeitig zeigt sich, dass manche Arten das Verhalten auch wieder abgelegt haben – etwa, wenn sie in Regionen mit konstantem Futterangebot oder hohem Konkurrenzdruck leben. Dort lohnt sich das mühsame Lagern von Nahrung schlicht nicht. Caching ist damit kein festes Merkmal aller Krähen, sondern eine flexible Strategie, die sich immer wieder an neue Umweltbedingungen angepasst hat. 2

Quellen

  1. Clayton, N.S., Dickinson, A. (1998) „Episodic-like memory during cache recovery by scrub jays“. Nature. 1998 Sep 17;395(6699):272-4. doi: 10.1038/26216. PMID: 9751053. ↩︎
  2. Daw, F., Beheim, B.A. & Wascher, C.A.F. (2025) „Evolutionary drivers of caching behaviour in corvids“. Anim Cogn 28, 17.  https://doi.org/10.1007/s10071-025-01938-1 ↩︎

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