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Verboten und nicht artgerecht

Kann man Krähen zähmen und zu Hause halten?

Krähen brauchen die Freiheit, um ihre außergewöhnliche Intelligenz und ihr komplexes Sozialverhalten ausleben zu können
Krähen brauchen die Freiheit, um ihre außergewöhnliche Intelligenz und ihr komplexes Sozialverhalten ausleben zu können Foto: Getty Images

14. Oktober 2026, 6:07 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Rabenvögel wie Krähen, Dohlen oder Elstern gelten als außergewöhnlich intelligent und sozial. Sie bauen Werkzeuge, erkennen sich im Spiegel und gehen enge Bindungen zu Artgenossen ein. Gerade deshalb fragen sich viele Tierfreunde, ob sich Krähen auch als Haustiere halten lassen. Doch ist das überhaupt erlaubt und werden die anspruchsvollen Vögel in menschlicher Obhut ihren Bedürfnissen gerecht? PETBOOK hat bei Expertinnen des NABU und des Deutschen Tierschutzbundes nachgefragt.

Expertinnen warnen: Haltung von Krähen ist nicht artgerecht 

Die Antwort ist eindeutig. „Grundsätzlich sollten Wildtiere nicht als Haustiere gehalten werden, sondern frei in der Natur leben“, sagt NABU-Pressesprecherin Silvia Teich. Auch Lea Schmitz, Leitung Pressestelle des Deutschen Tierschutzbundes, betont: „Wir lehnen die Haltung von (Raben-)Krähen als Haustiere grundsätzlich ab. Krähen sind Wildtiere mit komplexem Sozial- und Flugverhalten, das in privater Haltung nicht artgerecht erfüllt werden kann.“

In freier Natur sind Krähen dauerhaft in Bewegung, suchen organisiert nach Futter und leben in stabilen Paar- und Schwarmstrukturen, in denen sie Informationen teilen und Verhalten abstimmen. All diese Verhaltensweisen lassen sich in einer Voliere oder gar im Haus nicht nachbilden. Schon deshalb unterscheiden sie sich grundlegend von typischen Heimvögeln wie Wellensittichen oder Zebrafinken. 

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Rabenvögel sind gesetzlich streng geschützt 

Auch rechtlich ist die Sachlage klar geregelt: „Krähen sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. In den meisten Bundesländern unterliegen sie zudem dem Jagdrecht“, erklärt Schmitz. Das bedeutet, dass sie weder eingefangen noch privat gehalten werden dürfen. 

Diese Schutzregelung gilt für alle Rabenvögel, die in Deutschland heimisch sind, also auch für Raben, Elstern und Dohlen. Wer trotzdem versucht, eine Krähe zu halten oder aufzuziehen, verstößt gegen geltendes Recht und muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen. 

Ausnahmen bestätigen die Regel

Nur in wenigen Ausnahmefällen ist eine Haltung erlaubt – und dann ausschließlich für fachkundige Einrichtungen. „Eine Ausnahmegenehmigung ist nur in ganz besonderen Fällen möglich, etwa für fachkundige Auffang- oder Pflegestellen, die verletzte Tiere beziehungsweise verwaiste Jungvögel vorübergehend betreuen“, so Schmitz. Dafür braucht es jedoch eine behördliche Genehmigung und den Nachweis spezieller Sachkunde. 

Solche Stellen arbeiten in der Regel eng mit Naturschutzbehörden zusammen. Ihr Ziel ist es nicht, die Tiere dauerhaft in Gefangenschaft zu halten, sondern sie nach Genesung wieder auszuwildern. Für Privatpersonen ohne spezielle Zulassung ist die Haltung verboten – selbst mit guter Absicht. 

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Zu große Nähe zum Menschen schadet Krähen 

Doch obwohl die Haltung erlaubt wäre, wäre sie für die Tiere keineswegs unproblematisch. „Die Haltung in Menschenobhut führt bei Krähen häufig zu einer Fehlprägung auf den Menschen. Die Vögel lernen somit nicht ihr arttypisches Verhalten“, warnt Schmitz.

Die Folgen sind gravierend: Eine Krähe, die von Hand aufgezogen wird, verliert ihre natürliche Scheu und lässt sich später kaum mehr auswildern. Besonders problematisch wird es, wenn die Vögel geschlechtsreif werden – dann reagieren sie oft aggressiv gegenüber Menschen. Ausgerechnet die Nähe, die Menschen sich wünschen, führt also zu Konflikten. 

Hinzu kommt das Bedürfnis nach Gesellschaft: „Alle Rabenvögel sind sehr soziale Tiere, die in freier Natur in Schwärmen oder zumindest mit einem Partner leben – eine Einzel- und die Volierenhaltung widersprechen ihrem Bedürfnis nach Sozialkontakten und Bewegungsfreiheit“, sagt Schmitz. Für ein Tier, das auf komplexe soziale Strukturen angewiesen ist, bedeutet Isolation also massiven Stress. 

Beobachten statt einsperren 

Wer Krähen faszinierend findet, muss sie deshalb in der Natur beobachten – nicht im eigenen Wohnzimmer als „Haustier“. Mit etwas Geduld kann man die intelligenten Vögel sogar am eigenen Wohnort erleben: auf Feldern, in Parks oder in Städten, wo sie längst ihren Platz gefunden haben. Ihre Verhaltensweisen zu studieren, wenn sie miteinander kommunizieren, Futter verstecken oder Werkzeug nutzen, ist spannend genug – ganz ohne Käfig.

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