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Neuseeländischer Papagei

Der Kākāpō ist einer der seltsamsten Vögel weltweit

Kākāpō in seinem natürlichen Habitat
Kākāpō sind nicht nur die einzigen flugunfähigen Papageien, sondern bezaubern durch ihr Aussehen und ihre lustigen Angewohnheiten Foto: picture alliance / Xinhua News Agency | Yang Liu
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

24. April 2026, 18:12 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Mit seiner rundlichen Statur und seinem auffällig unbeholfenen Gang wirkt der Kākāpō fast wie ein Tier aus einem Fantasy-Roman. Doch hinter seinem charmanten Aussehen verbirgt sich eine dramatische Geschichte – und eine Zukunft, die trotz einer herausragenden Brutsaison 2026 weiter ungewiss ist.

Der schwerste Papagei der Welt

Der Kākāpō, ein nachtaktiver Papagei, lebt ausschließlich in Neuseeland und ist mit bis zu 64 Zentimetern Körperlänge und bis zu vier Kilogramm Gewicht der größte lebende Papagei. Doch nicht nur das macht den einzigen flugunfähigen Großsittich der Welt einzigartig und faszinierend.

Sein Name mag auf Deutsch durch die lange Aussprache der Vokale („Ka-Ka-Po“) wohl Assoziationen mit verschmutzten Hinterteilen auslösen. Allerdings bedeutet er in den Sprachen der Māori einfach „Nachtpapagei“. Sein lateinischer Name Strigops habroptila bedeutet dagegen in etwa „weichgefiedertes Eulengesicht“.

Die Tatsache, dass der Kākāpō nicht fliegen kann, ist evolutionär bedingt. Wie viele andere Vogelarten Neuseelands verloren seine Vorfahren die Fähigkeit zu fliegen, nachdem sich Neuseeland vor etwa 80 Millionen Jahren von der Landmasse des Urkontinents Gondwana trennte. So konnten auf den neuseeländischen Inseln viele Vögel ungestört von Beutegreifern leben und mussten sich nicht durch schnelle Flüge in Sicherheit bringen. Dies hat zur Entwicklung von flugunfähigen Arten wie den Kiwis, den Wekas oder den Takahē geführt.

Ist der Kākāpō auch der dümmste Vogel der Welt?

Seine Flugunfähigkeit hat zu einer Strategie geführt, die dem Kākāpō auch einen weniger schmeichelhaften Superlativ eingebracht hat: Manche bezeichnen ihn als dümmsten Vogel der Welt. Denn anstatt sich bei Gefahr in Sicherheit bringen zu können, bleibt dem Papagei oft keine andere Wahl, als regungslos zu verharren. Gegen seine ursprünglichen Fressfeinde, unter anderem den ausgestorbenen Neuseeland-Falken, war dies eine wirksame Taktik. Denn das grün-gelbe Gefieder des Kākāpō dient in den dichtbewaldeten Urwäldern Neuseelands als nahezu perfekte Tarnung.

Wenig hilfreich war dies jedoch gegen die Bejagung durch die Māori und die von europäischen Siedlern nach Neuseeland gebrachten Ratten, Frettchen, Wiesel und Hauskatzen. Nur wenige Tiere überlebten die Besiedlung der Inseln unentdeckt in extrem abgelegenen Regionen.

In den 1970er-Jahren galt der possierliche Papagei daher bereits als nicht mehr zu retten, denn im Fjordland-Nationalpark wurden einzig überlebende Männchen entdeckt, bevor 1977 auf Stewart Island eine größere intakte Population gefunden wurde. Diese Tiere bildeten das Fundament für alle späteren Erhaltungsprogramme des Kākāpō.

Frustrierte männliche Kākāpō richten ihr Werben auf ungewöhnliche Objekte

Auch das Paarungsverhalten dieser Papageienart ist bemerkenswert. Als einzige Papageien weltweit zeigen Kākāpō ein sogenanntes Balzverhalten namens „Lekking“. Männchen scharren dazu eine flache Mulde in den Boden und senden über Stunden hinweg zwei charakteristische Rufe: dumpfe, tuba-artige „Booms“ und schrille „Ching“-Laute. Dieses akustische Spektakel kann sich über mehrere Monate ziehen und die Tiere viel Kraft kosten – bleibt aber oft ohne Erfolg. Manche Männchen richten ihr Werben dann auf eher ungewöhnliche Objekte.

Ein besonders kurioser Vorfall ereignete sich 1990 und wurde von Autor Douglas Adams in seinem Buch „Last Chance to See“ (Penguin Random House, 1992) beschrieben. Während einer Aufnahme für eine BBC-Radiosendung über bedrohte Tierarten beobachtete Adams eine skurrile Szene: „Als einer der Ranger, der in einem Gebiet arbeitete, in dem Kākāpō[…] lebten, zufällig seinen Hut auf dem Boden liegen ließ, kam er später zurück und fand einen Kākāpō, der versuchte, ihn zu schänden.“

Dass die sexuelle Energie der männlichen Kākāpō sich ersatzweise auch auf Objekte bezieht, könnte daran liegen, dass die einzelgängerischen Papageien nicht so oft zur Paarung zusammenkommen. Die Weibchen sind besonders wählerisch und paaren sich häufig nur ein einziges Mal, mit der Folge, dass viele Eier unbefruchtet bleiben. Da sie allein für die Aufzucht sorgen, überleben so in der Regel maximal ein bis zwei Küken.

Die spezielle Fortpflanzung der Papageien macht es den Artenschützern nicht einfach, sie wirksam zu schützen. Die Vögel paaren sich nur erfolgreich, wenn die Rimu-Harzeibe besonders viele Früchte trägt. Dabei handelt es sich um ein Ereignis, das nur alle zwei bis vier Jahre auftritt. 2026 ist ein solches Mastjahr, und es zeichnet sich bereits eine außergewöhnlich erfolgreiche Brutsaison ab: Mehr als 100 Küken sind bereits geschlüpft.

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Der langlebigste Papagei der Welt?

Also müssen neuseeländische Artenschützer kreativ werden, damit die noch existierenden Kākāpō überleben. Vor der Brutsaison 2026 lag der Bestand bei 236 Tieren – nun müssen Forscher abwarten, wie viele der geschlüpften Küken die Population langfristig verstärken. Dabei macht sich ein Vogel namens Sirocco, der auch ein eigenes Facebook-Profil hat, unter den Forschern einen Namen. Da er bevorzugt versuchte, sich mit menschlichen Köpfen zu paaren, entwickelten Experten eigens einen sogenannten „Ejakulationshelm“ – ein gummiertes Gerät mit strukturierter Oberfläche zur Gewinnung von Sperma für künstliche Befruchtung.

Um die genetische Vielfalt zu erhöhen, wird auch durch Männchen künstlich befruchtet, die ihre Gene noch nicht in die Population einbringen konnten. Diese gezielte Fortpflanzung soll dafür sorgen, dass es nicht zu Inzucht kommt, was laut Experten auch einer der Gründe sein könnte, weshalb so viele Eier nicht befruchtet werden. 1

Da Kākāpō so selten sind, ist vieles über sie noch nicht bekannt. So gingen Forscher lange davon aus, dass sie außerhalb der Paarungszeit reine Einzelgänger sind. Allerdings zeigen neue Erkenntnisse, dass sie mitunter geselliger sind als vermutet. Weibchen und Jungvögel wurden gelegentlich in kleinen Gruppen von zwei bis vier Tieren beobachtet – sei es beim Spielen, in Baumkronen oder nahe einer Futterstelle. Nachbarn scheinen sich durch gelegentliche laute „Skrarks“ miteinander zu verständigen. Auch wie alt Kākāpō werden, ist bisher nicht geklärt. Forscher gehen davon aus, dass sie die langlebigsten Papageien der Welt sein könnten und über 90 Jahre alt werden. 2

Weitere faszinierende Fakten über den Kākāpō

Ihre ulkigen Angewohnheiten und ihr niedliches Aussehen haben dem Kākāpō weltweit viele Fans eingebracht. Und je mehr man die Art erforscht, desto mehr faszinierende Fakten über den schwergewichtigen Papagei kommen zutage. Zum Beispiel:

  • Kākāpō riechen wie der moosige Waldboden, auf dem sie leben
  • Jedes bekannte Exemplar hat einen eigenen Charakter und Māori-Namen
  • sie nutzen ihre verkürzten Flügel als Balancierhilfe beim Klettern
  • sie leben komplett nachtaktiv
  • Weibchen nehmen vor der Fortpflanzungssaison bis zu einem Kilogramm an Fett zu
  • Die Federn am Schnabel funktionieren wie Schnurrhaare
  • Das Gefieder an sich ist extrem weich, fast wie Fell bei Säugetieren
  • Für ihre Balzrituale graben die Männchen Löcher in den Boden, quasi als Bass-Verstärker für ihre Rufe
  • Kākāpō nutzen ihre Flügel zum „Paragliden“ von Bäumen, können aber aufgrund des Körpergewichts und geringer Brustmuskulatur nur Bruchlandungen hinlegen
  • Der Kākāpō zieht Blätter und Früchte durch seinen Schnabel, kaut sie und saugt die Nährstoffe heraus – übrig bleibt nur ein pflanzlicher Spuckball
  • Er steht auf rein pflanzliche „Superfoods“ wie Rimu-Früchte, Supplejack-Beeren, saftige Knollen und Tannenspitzen
  • 2008 und 2020 „Vogel des Jahres“ in Neuseeland
Louisa Stoeffler
Redakteurin

Vier Wochen Neuseeland und nicht ein Kākāpō

„Die Geschichte des Kākāpō ist ein faszinierendes Beispiel für evolutionäre Einzigartigkeit – und für die Zerbrechlichkeit ökologischer Nischen. Während ich in Neuseeland war, habe ich viele der einzigartigen heimischen Vögel sehen dürfen, aber keinen Kākāpō. Und das ist gut so.

Denn Stewart Island und andere raubtierfreie Inseln sind nur mit Sondererlaubnis und nach einer strengen Quarantäne zu besuchen. Ich finde das absolut richtig, um diese bemerkenswerten Papageien vor Beutegreifern und auch vor Menschen zu schützen. Denn wie viele andere Großsittiche werden sie zutraulich, sind extrem niedlich, flauschig und in den sozialen Medien sehr beliebt – was sie eigentlich zu möglichen Kandidaten für die Heimtierhaltung machen würde, für die einige viel Geld bezahlen würden.

Doch das Department of Conservation, die neuseeländische Naturschutzbehörde, ist eine der strengsten weltweit. Daher hoffe ich sehr, dass sie es schaffen wird, die vom Aussterben bedrohten Papageien zu retten und noch mehr geeignete Habitate für sie zurückzugewinnen.“

Quellen

  1. Spektrum.de, „»Kakapos riechen wie moosiger Waldboden«“ (aufgerufen am 7.8.2026) ↩︎
  2. Doc.govt.nz, „Kākāpō behaviour“ (aufgerufen am 6.8.2026) ↩︎

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