6. Oktober 2025, 15:21 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Fünf Tage lang hüpfte ein entlaufenes Wallaby durch Berlin-Kladow, als wäre es auf einer geheimen Mission für mehr Gerechtigkeit im Tierreich. Wildtierärzten gelang schließlich, den Beuteltier-Rebellen zu betäuben und einzufangen. Das Känguru überstand die Freiheit unbeschadet – und ist nun wieder bei seinem Halter. Der Fall zeigt: In Deutschland entkommt erstaunlich oft ein Känguru aus einem privaten Garten. Warum eigentlich? Und: Darf man die australischen Ausreißer überhaupt halten – oder nur, wenn man ihnen Marx vorliest?
Fünf Tage auf der Flucht – und ein glückliches Ende
Das ausgebüxte Wallaby aus Berlin-Kladow ist nach fünf Tagen wieder eingefangen worden. Nach einer Sichtung auf einem Privatgrundstück am Donnerstagvormittag konnten Tierärzte das Känguru mit einem Narkosepfeil betäuben und anschließend untersuchen, wie das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) mitteilte. Danach sei es gesund an seinen Besitzer übergeben worden. Zuerst hatte der „Tagesspiegel“ berichtet.
Das Tier war am Wochenende aus seinem Gehege entlaufen, wurde zunächst auf einer Straße gesehen und war anschließend im Wald verschwunden. Von der Polizei wurde es nicht gezielt gesucht, da laut Begründung „von ihm keine Gefahr ausgehe“ – vermutlich, weil es keine Lust hatte, das System zu stürzen, sondern nur auf der Suche nach einem guten Espresso war.
Immer wieder Kängurus auf Abwegen
Fälle wie dieser sind in Deutschland gar nicht so selten. Schon 2019 jagte die Polizei in Velbert einem weißen Känguru hinterher, das mehreren Autofahrern einen gehörigen Schrecken einjagte – vermutlich, weil es mitten auf der Straße über Kapitalismus nachdachte.
Der Berliner Wildtierexperte Derk Ehlert erklärte dem „rbb“ bereits in einem früheren Fall, Kängurus hätten „auch in freier Wildbahn gute Überlebenschancen, falls der Winter nicht zu kalt wird“. Laut Leibniz-IZW sind sie jedoch nicht an Straßenverkehr und mögliche Feinde wie Hunde oder Wölfe gewöhnt – was nachvollziehbar ist, schließlich gibt es im australischen Outback weder SUV noch Wolfsschutzgebiete.
Känguru-Haltung im Garten: erlaubt, aber reglementiert
Privatleute dürfen Kängurus in Deutschland halten – allerdings nur unter Auflagen und mit Sachkundenachweis. Wer also denkt, ein Beuteltier im Garten sei eine charmante WG-Erweiterung, sollte sich auf mehr als nur philosophische Diskussionen einstellen.
Das Außengehege muss mindestens 200 Quadratmeter groß sein, ausreichend für bis zu fünf Tiere. Für jedes weitere Känguru sind 20 Quadratmeter zusätzlich erforderlich. Hinzu kommen 15 Quadratmeter Stallfläche pro Tier. Das ist ungefähr so viel Platz, wie Marc-Uwe Kling und sein Känguru für ein gemeinsames Wohnzimmer bräuchten – inklusive Couch, Boxsack und Revolutionsposter.
Gehege, Pflege und andere revolutionäre Details
Der Zaun sollte rund vier Meter hoch sein – nicht, weil ein Känguru aus dem Garten ausbrechen will, sondern weil sie es könnten. Ein Wallaby schafft bis zu 1,90 Meter aus dem Stand. Damit sich das Tier nicht verletzt, sollte der Zaun aus engmaschigem Draht bestehen.
Das Gehege braucht Schatten, Sonne, Gras und Sand – letzterer dient als natürliches Spa. Ein Känguru wälzt sich gern darin, um das Fell zu reinigen (und vielleicht, um über die Ungerechtigkeit des Kapitalismus zu grübeln). Bäume, Büsche oder künstliche Felsen bieten Rückzugsorte, und eine flache Wasserstelle hilft bei der Körperpflege – ganz ohne Duschgel mit Eukalyptusduft.
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Futter, Kosten und Sozialleben
Ein Känguru-Männchen kostet etwa 250 Euro, ein Weibchen rund 750 Euro – für Berliner Verhältnisse ein günstiger Mitbewohner. Aber Achtung: Kängurus sind Gruppentiere und dürfen nicht allein gehalten werden. Ideal ist ein Männchen mit bis zu drei Weibchen – also eine Art tierische Kommune. Zwei Männchen hingegen führen schnell zu handfesten (politischen) Auseinandersetzungen.
Auf dem Speiseplan stehen Gemüse, Obst, Laub, Zweige, Rinde, Gras und Heu – Eierkuchen stehen von Natur aus eher nicht auf dem Speiseplan. Tränke und Futterstellen müssen regelmäßig gereinigt werden. Impfungen sind in der Regel nicht nötig – Kängurus sind erstaunlich robust, zumindest, solange sie nicht zu viel Mate-Tee trinken.
Fazit: Anspruchsvoll, charmant – und manchmal systemkritisch
Das Känguru aus Kladow hat seine fünf Tage Freiheit unversehrt überstanden und ist nun wieder daheim. Doch der Fall zeigt: Die Haltung exotischer Tiere ist kein Gag, sondern erfordert Verantwortung, Platz und Wissen. Wer trotzdem eines beherbergen will, sollte sich gut vorbereiten – und vielleicht vorher fragen: Was würde Marc-Uwes Känguru dazu sagen?Vermutlich: „Ich fordere bessere Haftbedingungen für alle Beuteltiere!“