6. Oktober 2025, 11:48 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Wussten Sie, dass es weltweit fast 300 Arten von Hörnchen (Sciuridae) gibt? Sie unterscheiden sich in Größe, Fellfarbe, Lebensweise und Lebensraum – vom tropischen Regenwald bis in alpine Höhen. Bei PETBOOK erfahren Sie, welche Hörnchenarten wo vorkommen, woran Sie sie erkennen und welche besonderen Fähigkeiten sie besitzen.
Egal, ob Boden, Tanne oder Streifen – alles Hörnchen
Eichhörnchen gehören zur Familie der Hörnchen (Sciuridae). Jede der über 230 Arten stammt von gemeinsamen Nagetiervorfahren ab, die sich vor etwa 36 Millionen Jahren entwickelten. Doch sind bei weitem nicht alle Hörnchen tatsächlich Eichhörnchen. Der Begriff „Eichhörnchen“ wird oft für alle Vertreter der Hörnchenfamilie verwendet, bezeichnet biologisch aber nur die eigentlichen Baumhörnchen der Gattung Sciurus. Diese leben auf Bäumen, sind gute Kletterer und zeichnen sich durch ihren langen, buschigen Schwanz aus.
Daneben gibt es jedoch mehrere andere Gruppen innerhalb der Hörnchenfamilie, die ganz unterschiedliche Lebensräume und Verhaltensweisen entwickelt haben:
- Tannhörnchen sind kleine, sehr lebhafte Baumhörnchen Nordamerikas, die vor allem in Nadelwäldern leben und ihre Reviere energisch verteidigen.
- Erdhörnchen dagegen verbringen ihr Leben am Boden. Sie graben weitverzweigte Bauten, leben oft in Kolonien und halten im Winter eine echte Winterruhe oder sogar Winterschlaf.
- Streifenhörnchen sind kleine, gestreifte Bodenbewohner, die häufig Vorräte sammeln und in Erdhöhlen oder Baumstämmen lagern.
- Riesenhörnchen leben in den tropischen Regenwäldern Asiens. Sie sind deutlich größer als gewöhnliche Eichhörnchen und bewegen sich majestätisch durch die Baumkronen.
- Borstenhörnchen kommen in Afrika vor und sind Bodenbewohner, die sich mit ihrem buschigen Schwanz vor der Sonne schützen. Sie leben in trockenen Regionen und sind perfekt an Hitze angepasst.
- Flughörnchen schließlich sind eine besondere Gruppe von Baumhörnchen, die mithilfe einer seitlich gespannten Hautmembran zwischen den Vorder- und Hinterbeinen von Baum zu Baum gleiten können. Sie bewegen sich lautlos durch die Nacht und gehören zu den wenigen dämmerungs- oder nachtaktiven Hörnchen.
So vielfältig die Familie der Hörnchenarten ist – gemeinsam haben sie ihre Nagezähne, eine hohe Intelligenz und eine ausgeprägte Anpassungsfähigkeit an die unterschiedlichsten Lebensräume der Erde. 1, 2, 3
Die wichtigsten Hörnchenarten weltweit
Deutschland & Europa
Eurasisches Eichhörnchen (Sciurus vulgaris)
In Deutschland lebt hauptsächlich nur eine einheimische Eichhörnchenart, das Eurasische Eichhörnchen. Es ist leicht an seinem buschigen Schwanz und den auffälligen Pinselohren zu erkennen, die im Winter besonders lang werden. Das Fell ist meist rotbraun, kann aber auch deutlich dunkler bis zu schwarz gefärbt sein. Charakteristisch ist auch sein Verhalten beim Anlegen von Futterdepots, denn nicht alle seine Verstecke werden von ihm wiedergefunden. Und genau dadurch trägt das Eichhörnchen zur Verbreitung vieler Baumarten in Europa bei. 4, 5
Alpenmurmeltier (Marmota marmota)
Murmeltiere sind große Erdhörnchen, also eng mit den kleinen Zieseln verwandt. Sie leben nicht auf Bäumen, sondern in selbst gegrabenen Höhlen in alpinen oder subalpinen Regionen. Typisch ist ihr dichtes Fell, das sie vor Kälte schützt, und ihr ausgeprägtes sozial-kommunikatives Verhalten: Sie leben in Kolonien und warnen sich durch laute Pfiffe vor Feinden.
Ein wichtiger Unterschied zu den meisten Eichhörnchen ist, dass Murmeltiere echten Winterschlaf halten – bis zu sechs Monate im Jahr. Ihr Stoffwechsel fährt dabei stark herunter, und die Körpertemperatur kann auf wenige Grad über null sinken.
Nordamerika
Grauhörnchen (Sciurus carolinensis)
Ursprünglich in Nordamerika beheimatet, hat sich das Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) in Teilen Europas angesiedelt, besonders in Großbritannien und Italien. Dort verdrängt es zunehmend das einheimische Eichhörnchen, da das Grauhörnchen größer, robuster und besser an unterschiedliche Lebensräume angepasst ist. In Deutschland kommt es laut Informationen des Nabu aktuell noch nicht vor. Warum man hierzulande aber auch Eichhörnchen mit anderen Fellfarben sieht, lesen Sie in diesem Artikel: Warum Eichhörnchen nicht immer rot sind. 6
Das Fell des Grauhörnchens ist meist graubraun, kann aber auch rötliche oder schwarze Schattierungen aufweisen. Der buschige Schwanz ist auffällig dicht und dient als Balancehilfe beim Klettern. Wie alle Grauhörnchen sind sie ausgesprochen anpassungsfähig, sowohl an Wälder als auch an urbane Lebensräume, und kommen gut mit Menschen zurecht. Sie sind häufig in Parks zu beobachten, wo sie sich teils erstaunlich zutraulich zeigen. Das ist auch alles kein Problem – solange sie auf ihrer Seite des Atlantiks bleiben.
Fuchshörnchen (Sciurus niger)
Das Fuchshörnchen ist das größte Baumhörnchen Nordamerikas. Es wiegt bis zu einem Kilogramm und kann eine Kopf-Rumpf-Länge von bis zu 30 Zentimetern erreichen, wobei noch ein ebenso langer Schwanz hinzukommt. Seinen Namen verdankt es seinem in der Regel rotbraunen bis orangefarbenen Fell, das es von vielen anderen Arten unterscheidet. Fuchshörnchen sind anpassungsfähig und kommen sowohl in offenen Laubwäldern als auch in städtischen Bereichen vor.
Douglas-Hörnchen (Tamiasciurus douglasii)
Das Douglas-Hörnchen ist deutlich kleiner als das Fuchs- oder Grauhörnchen und vor allem im Westen Nordamerikas verbreitet, von Kalifornien bis nach Kanada. Es ist nicht mit den eigentlichen Eichhörnchen der Gattung Sciurus verwandt, wird aber oft fälschlich als „Douglas-Eichhörnchen“ bezeichnet. Sein Fell ist auf dem Rücken rötlich-braun, während die Bauchseite heller bis grau gefärbt ist. Douglas-Hörnchen leben bevorzugt in Nadelwäldern und sind dafür bekannt, äußerst territorial zu sein. Sie verteidigen ihre Reviere lautstark und mit viel Energie.
Asien
Königsriesenhörnchen (Ratufa indica)
Dieses beeindruckende Riesenhörnchen zählt zu den größten Hörnchen, denn es kann bis zu 1800 Gramm Körpergewicht und bis zu 45 cm Körperlänge plus ca. 36 cm Schwanzlänge erreichen. Besonders auffällig ist das bunte Fell in Schattierungen von Lila, Braun, Rot und Cremefarben. Es lebt in den dichten Regenwäldern Indiens und verbringt die meiste Zeit hoch oben in den Baumwipfeln, wo es trotz seiner Größe und bis zu 1,8 Kilogramm Gewicht weite Sprünge zwischen den Ästen vollführen kann. Es gehört zu einer eigenen Unterfamilie, den Ratufinae, und ist kein echtes Eichhörnchen im engeren Sinne. 7
Japanisches Eichhörnchen (Sciurus lis)
Das Japanische Eichhörnchen kommt ausschließlich in Japan vor. Es ist kleiner und feiner gebaut als viele seiner Verwandten und besitzt ein meist graubraunes Fell mit einem etwas helleren Bauch. Einst weitverbreitet, ist es heute durch den Rückgang natürlicher Wälder stark bedroht und gilt als gefährdet.
Afrika
Kap-Borstenhörnchen (Xerus inauris)
Das Kap-Borstenhörnchen unterscheidet sich stark von den klassischen Baumhörnchen. Es lebt als Bodenbewohner in den trockenen Steppen und Halbwüsten des südlichen Afrikas. Sein Fell ist dünner, meist bräunlich-grau, und bietet eine gute Tarnung im kargen Lebensraum. Besonders auffällig ist jedoch der lange, buschige Schwanz, den es wie einen Sonnenschirm über den Rücken halten kann, um sich vor Hitze zu schützen. Kap-Hörnchen leben in Kolonien und graben ausgedehnte Höhlensysteme, in denen sie Schutz vor Feinden und Hitze finden.
Ölpalmenhörnchen (Protoxerus stangeri)
Das Ölpalmenhörnchen ist die größte Hörnchenart Afrikas. Es lebt in den tropischen Regenwäldern West- und Zentralafrikas. Sein Fell ist dunkelbraun bis fast schwarz und sehr dicht, Hals- und Bauchunterseite sind meist heller und der Körperbau kräftig. Anders als viele andere Eichhörnchen ist es weniger springfreudig und bewegt sich eher behäbig durch die Bäume.
Südamerika
Nordamazonisches Rothörnchen (Sciurus igniventris)
Sein Name verrät direkt das auffälligste Merkmal: das leuchtend orange bis rote Bauchfell, das in starkem Kontrast zum dunkleren Rücken steht. Rotbauchhörnchen sind im Amazonasgebiet weitverbreitet und leben sowohl in Regenwäldern als auch in Waldrändern. Sie sind besonders flink, lebhaft und meist in kleineren Gruppen unterwegs.
Guayaquil-Hörnchen (Sciurus stramineus)
Diese Eichhörnchenart ist eher unauffällig und strohfarben. Deshalb ist das Guayaquil-Hörnchen auch perfekt an die trockenen Regionen Perus und Ecuadors angepasst. Das helle Fell schützt es vor der Hitze und lässt es zugleich mit der Umgebung verschmelzen. Anders als viele tropische Arten ist es eher in lichteren Wäldern und Buschlandschaften anzutreffen.
Arktis
Arktische Ziesel (Urocitellus parryii)
Auch in der arktischen Tundra sind Vertreter der Hörnchenfamilie zu finden – allerdings keine Baumhörnchen. In den nördlichen Regionen Nordamerikas, Sibiriens und Alaskas lebt das Arktische Ziesel, das zur Gruppe der Erdhörnchen (Xerinae) gehört. Dieses Tier ist eines der nördlichsten Landsäugetiere der Erde und perfekt an extreme Kälte angepasst. Es überlebt Temperaturen von bis zu −30 °C, indem es bis zu acht Monate Winterschlaf hält. Während dieser Zeit sinkt seine Körpertemperatur auf nahe 0 °C – ein physiologisches Meisterwerk, das kaum ein anderes Säugetier in dieser Form beherrscht.