Dieser Bambushai ist etwas ganz besonders. Statt zu schwimmen bevorzugt er das Laufen auf dem Boden Foto: M.V. Erdmann, Ocean Science Foundation, veröffentlicht unter CC BY 4.0 (via Zenodo)
Haie gelten als elegante Jäger, die durch die Ozeane gleiten. Doch eine neu entdeckte Art macht genau das Gegenteil: Sie bewegt sich bevorzugt laufend fort. Statt zu schwimmen, „laufen“ die neu entdeckten Exemplare lieber auf dem Meeresgrund. Ein Forschungsteam um Jessica-Anne Blakeway von der australischen University of the Sunshine Coast hat die bislang unbekannte Art vor der Küste Papua-Neuguineas entdeckt. Die Wissenschaftler beschrieben den Hai nun erstmals offiziell in einer Fachstudie.
Der Hai läuft lieber, als zu schwimmen
Haie sind eigentlich dafür bekannt, elegant durchs Wasser zu gleiten. Die neu entdeckte Art gehört allerdings zu den sogenannten Laufhaien oder Bambushaien (Gattung Hemiscyllium). Statt durch das offene Meer zu schwimmen, nutzen die Tiere ihre Brust- und Bauchflossen häufig wie Beine und bewegen sich damit über den Meeresboden. Sie leben vor allem in flachen Küstengewässern, Seegraswiesen und Korallenriffen.
Für die Menschen vor Ort ist der Fisch übrigens keine Sensation. Sie kennen ihn schon lange und nennen ihn sinngemäß „faulen Hai“ oder „Hundehai“. Vermutlich, weil er lieber läuft, als sich durchs Wasser zu bewegen. Die Wissenschaft hatte ihn bislang jedoch nicht als eigene Art erkannt.
Zufällige Entdeckung bei einer Nachttauchaktion
Eigentlich suchten die Forscher nach einer anderen Bambushai-Art, als ihnen der ungewöhnlich gemusterte Fisch auffiel. Als sie ihn mit einer Lampe anleuchteten, blieb das Tier regungslos liegen – ein Verhalten, mit dem es vermutlich Fressfeinde täuschen will. Dadurch konnten die Wissenschaftler den Hai genauer untersuchen.1
Schon das auffällige Fleckenmuster machte die Forscher stutzig. In den folgenden Tagen fanden sie weitere Exemplare und entnahmen Gewebeproben. Anschließende DNA-Analysen bestätigten schließlich den Verdacht: Der „laufende Hai“ ist tatsächlich eine bislang unbekannte Art.
Der ungewöhnliche Laufstil ist nicht die einzige Besonderheit der Tiere. Die Haie halten sich häufig in extrem flachen Küstenbereichen auf und können sogar zwischen kleinen Wasserbecken wechseln, die bei Ebbe zurückbleiben. Dort herrscht oft Sauerstoffmangel. Für viele Meeresbewohner ein Problem. Nicht jedoch für diesen Bambushai. Um die schwierigen Bedingungen zu überstehen, kann er unter anderem seine Herzfrequenz senken und seinen Körper an den Sauerstoffmangel anpassen.
Die neue Art könnte bereits bedroht sein
Die Freude über die Entdeckung wird allerdings von Sorgen begleitet. Nach aktuellem Kenntnisstand kommt die neue Hai-Art nur in einem kleinen Gebiet vor Papua-Neuguinea vor. Die Forscher schätzen ihr Verbreitungsgebiet auf lediglich rund 7000 Quadratkilometer – das kleinste aller bekannten Laufhaie.
Weil die Tiere nur in wenigen Küstenregionen leben und sich kaum über größere Distanzen ausbreiten, reagieren sie besonders empfindlich auf Überfischung, Lebensraumverlust und Umweltveränderungen. Die Wissenschaftler befürchten deshalb, dass die Art künftig als gefährdet eingestuft werden könnte.
Mit der Entdeckung erhöht sich die Zahl der bekannten Laufhai-Arten auf zehn. Und sie zeigt einmal mehr, dass selbst bei einer so bekannten Tiergruppe wie den Haien noch immer Überraschungen im Meer verborgen sind.
Quellen
Blakeway, J.-A., Townsend, K., Erdmann, M., Allen, G., Teliwa, M., Waranaka, J.-A., Brooks, W., & Dudgeon, C. L. (2026). A review of walking shark (Hemiscylliidae: Hemiscyllium) distributions in Papua New Guinea and description of a new species. Journal of the Ocean Science Foundation, 46, 71–110. https://doi.org/10.5281/zenodo.20575429↩︎
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