5. Mai 2026, 8:13 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Stellen Sie sich vor: Eine schlangenartige Kreatur, so lang wie ein Bus, gleitet durch das Meer – und ist auf der Jagd. Klingt wie ein Albtraum? Zum Glück bleibt es dabei, denn dieses Tier ist längst ausgestorben. Fossilien der gewaltigen Seeschlange Palaeophis colossaeus geben jedoch einen faszinierenden Einblick in eine Welt, in der Riesenschlangen nicht nur an Land lebten, sondern möglicherweise zu den gefährlichsten Jägern der Urmeere zählten.
Größer als jede heute lebende Schlange
Die Existenz von Palaeophis colossaeus ist durch einzelne Wirbelknochen belegt. Deren Größe deutet auf eine Körperlänge zwischen 8,1 und 12,3 Metern hin. „Palaeophis colossaeus ist eine sehr große Schlange mit Wirbeln, die größer sind als bei jeder bekannten heute lebenden Art“, erklären die Autoren einer Studie aus dem Jahr 2018, in der das Tier beschrieben wurde. 1
Untersucht wurden fossile Überreste von Meeresschlangen aus dem Paläogen, die an zwei Fundstellen im Nordosten Malis entdeckt wurden. Während dieses Erdzeitalters – vor etwa 66 bis 23 Millionen Jahren – war das heutige Afrika von einem flachen Meeresarm durchzogen: dem Transsaharischen Meer, einem Überbleibsel des südlichen Tethys-Ozeans.
In den warmen, flachen Gewässern, die Teile der heutigen Sahara bedeckten, lebten zahlreiche riesige Meeresschlangen. Zwar sind diese Tiere bereits seit dem 19. Jahrhundert bekannt und gelten als stark an das Leben im Wasser angepasst. Doch die Fossilfunde sind bis heute fragmentarisch – vollständige Skelette fehlen nach wie vor.
Die 6 größten Schlangen der Welt
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Möglicherweise ein Spitzenprädator der Urzeitmeere
Die Forscher halten es für möglich, dass Palaeophis colossaeus selbst andere große Beutegreifer fraß. Grundlage dieser Einschätzung waren verschiedene Wirbelknochen, anhand derer die anatomischen Unterschiede entlang der Wirbelsäule – zwischen Hals-, Rumpf- und Schwanzregion – analysiert wurden. Zum Vergleich dienten heutige Schlangenarten, deren Körperlängen exakt dokumentiert sind.
Die Ergebnisse zeigen deutlich: Palaeophis colossaeus war ein echter Riese. Das größte bekannte Exemplar könnte bis zu 12,3 Meter lang gewesen sein, selbst kleinere Wirbel weisen auf eine Mindestlänge von 8,1 Metern hin.
War zudem der Schädel der Schlange stark beweglich, „könnte die Größe der aufgenommenen Nahrung so groß gewesen sein, dass nahezu jede bekannte zeitgenössische Art verzehrt werden konnte“, schreiben die Autoren. Zu den potenziellen Beutetieren zählen demnach große Fische wie Haie oder krokodilähnliche Reptilien, sogenannte Dyrosaurier. Allein der massive Körperbau spricht dafür, dass Palaeophis colossaeus an der Spitze der Nahrungskette stand.
Nur noch kleine Verwandte leben heute
Zum Glück für heutige Schwimmer gehören solche Giganten der Vergangenheit an. Zwar erreichen moderne Seeschlangen – etwa die Gelbe Seeschlange (Hydrophis spiralis) – Längen von bis zu drei Metern. Doch im Vergleich zu ihren ausgestorbenen Verwandten wirken sie fast zierlich.
Und selbst Palaeophis colossaeus war nicht die größte Schlange der Erdgeschichte. Diese Rolle nimmt wahrscheinlich Titanoboa ein – eine bis zu 13 Meter lange Riesenschlange, die ebenfalls längst ausgestorben ist.