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Europäischer Schlammpeitzger

Kann man die Furzgrundel im Gartenteich oder Aquarium halten?

Eine Furzgrundel auf dem Boden beim Schwimmen
Der Europäische Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) wird liebevoll auch Furzgrundel genannt Foto: picture alliance / blickwinkel / A. Hartl | A. Hartl
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

5. November 2025, 18:10 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Er atmet durch den Darm, lebt in dunklen Schlammgräben und wird liebevoll „Furzgrundel“ genannt – der Europäische Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) ist eine biologisch faszinierende Fischart, die auch im naturnahen Gartenteich oder Kaltwasseraquarium gehalten werden kann. Doch was muss man beachten, um dem spezialisierten Fisch gerecht zu werden – und ergibt eine Haltung im Privatbereich überhaupt Sinn?

Herkunft

Der Europäische Schlammpeitzger ist in weiten Teilen Europas heimisch – von Frankreichs Loire bis zum Wolgadelta, nördlich der Alpen. Er besiedelt bevorzugt flache, pflanzenreiche Stillgewässer, Altarme und langsam fließende Gräben mit weichem Schlammboden. In Deutschland war die Art früher weitverbreitet, ist aber heute stark gefährdet. Die Ursachen liegen im Verlust geeigneter Lebensräume durch Trockenlegung, Gewässerausbau und intensive Uferpflege. Aktuell gibt es Wiederansiedlungsprojekte in Bayern und anderen Bundesländern. Die Art steht unter europäischem Schutz (FFH-Richtlinie, Anhang II).

Wer über eine Haltung im eigenen Teich oder Aquarium nachdenkt, sollte sich zuvor mit lokalen Naturschutzbehörden oder Fischereiverbänden abstimmen – denn der Europäische Schlammpeitzger ist eine geschützte Art. Seine Entnahme aus der Natur sowie die gezielte Zucht oder Haltung unterliegt in vielen Bundesländern strengen Vorgaben. Sie kann aber, vor allem, wenn die Tiere in Wiederansiedlungsprojekten in heimische Gewässer entlassen werden, sinnvoll sein. Und bis dahin hat man immer etwas zu erzählen, wenn Besuch fragt, warum man „Furzgrundeln“ im heimischen Teich pflegt.

Aussehen

Mit seinem langgestreckten, walzenförmigen Körper und der schleimigen, schuppenarmen Haut erinnert der Schlammpeitzger optisch an einen Aal. Seine Färbung variiert von hellbraun bis gelblich, mit dunklen Längsstreifen.

Typisch sind zehn Barteln um das Maul – sechs oben, vier unten –, die als Tastsinnesorgane bei der Nahrungssuche dienen. Die Schwanzflosse ist abgerundet, die Seitenlinie nur teilweise ausgebildet. Männchen bleiben etwas kleiner als Weibchen, besitzen aber auffälligere Brustflossen mit verdicktem Strahl.

Verhalten

Der Europäische Schlammpeitzger ist ein überwiegend nachtaktiver, scheuer Bodenfisch mit einem stark versteckorientierten Verhalten. Tagsüber hält er sich meist eingegraben im weichen Schlamm oder unter dichter Wasserpflanzenvegetation auf und wird erst in der Dämmerung aktiv. Dabei durchwühlt er den Bodengrund auf der Suche nach kleinen Wirbellosen. Sein ruhiges und friedfertiges Wesen macht ihn grundsätzlich gut vergesellschaftbar, vorausgesetzt, er wird nicht von größeren oder durchsetzungsstärkeren Arten verdrängt.

Eine besondere Verhaltensanpassung stellt seine Fähigkeit zur Darmatmung dar: In sauerstoffarmen Gewässern nimmt der Schlammpeitzger an der Oberfläche Luft auf, die er durch den Verdauungstrakt leitet. In der stark durchbluteten Darmschleimhaut wird der Sauerstoff extrahiert – die überschüssige Luft entweicht anschließend durch den After. Dieses für Fische ungewöhnliche Atemverhalten erklärt den umgangssprachlichen Spitznamen Furzgrundel, der in vielen Regionen gebräuchlich ist.

Besonders auffällig wird dieses Verhalten vor Wetterumschwüngen: Dann steigt der Schlammpeitzger häufiger zur Oberfläche auf, um Luft zu schlucken. Dieses Phänomen macht ihn auch als sogenannten „Wetterfisch“ bekannt – sein Verhalten kann als Indikator für sinkenden Luftdruck und damit für bevorstehende Regenfälle gedeutet werden.

Richtige Haltung & Pflege

Die Haltung des Schlammpeitzgers ist anspruchsvoll, aber bei artgerechter Umsetzung möglich – insbesondere in naturnah gestalteten Gartenteichen mit wenig Strömung, weichem Bodenschlamm und dichter Uferbepflanzung.

Als Wildfisch mit stark versteckorientiertem Verhalten braucht der Schlammpeitzger keine aktive Beschäftigung, wohl aber geeignete Bedingungen, um sein natürliches Verhalten zeigen zu können. Er liebt das Durchwühlen des Bodens, die Suche nach Futter im Schlamm und das Verstecken zwischen Wasserpflanzen. Im Aquarium oder Teich sollte auf eine dämmerungsorientierte Lichtsteuerung, ein feinkörniges Substrat und ausreichend Versteckmöglichkeiten geachtet werden.

Das Gewässer sollte flach, strukturreich und sauerstoffarm-tolerant sein. Wichtig: Eine dauerhafte Wasserführung muss gewährleistet sein – der Fisch überlebt zwar Trockenperioden eingegraben im Schlamm, doch regelmäßige Austrocknung oder Grundräumungen (z. B. Ausbaggern) schädigen den Bestand massiv. Im Aquarium (mind. 200 Liter, kaltwassergängig) ist feiner Bodengrund essenziell, ebenso Verstecke und ruhige Zonen. Auf techniklastige Filterung sollte verzichtet oder sie stark gedrosselt werden.

Ernährung

Schlammpeitzger ernähren sich bodennah von wirbellosen Kleintieren wie Insektenlarven, Würmern, Schnecken und kleinen Krebsen. In Teich- oder Aquarienhaltung kann eine abwechslungsreiche Ernährung mit Lebendfutter (Tubifex, Enchyträen), Frostfutter oder fein zerkleinertem Naturfutter erfolgen. Futter sollte bodennah angeboten werden, damit es dem Suchverhalten des Fisches entspricht.

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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten

In Bezug auf Wasserqualität ist die Furzgrundel ungewöhnlich tolerant: Er übersteht selbst Phasen mit extrem niedrigem Sauerstoffgehalt dank seiner Darmatmung. Krankheiten durch schlechte Wasserwerte treten deshalb selten auf. Gefährdungen bestehen vor allem durch falsche Pflege (z. B. Bodenstörung, Chemikalien, falscher Bodengrund) oder durch Konkurrenzdruck – invasive Arten wie der Nordchinesische Schlammpeitzger können ihn im Teich oder Freilandgewässer verdrängen. Die Haltung sollte daher möglichst als Einzelart oder mit ruhigen, klein bleibenden Fischen erfolgen.

Der Europäische Schlammpeitzger im Überblick

  • Geeignet für: Kaltwasseraquarien (ab 200 l) oder naturnahe, flache Gartenteiche mit Schlammboden
  • Länge: 15–30 cm
  • Farbe: Gelblich-braun mit Längsstreifen, heller Bauch
  • Verhalten: Nachtaktiv, versteckt, ruhig, wetterfühlig
  • Besonderheiten: Darmatmung; Überleben bei Trockenheit durch Eingraben
  • Haltungshinweis: Nur in ungestörten, strukturreichen und schlammigen Habitaten sinnvoll
  • Naturschutzstatus: In Deutschland stark gefährdet (Rote Liste), europäisch geschützt, nur in Abstimmung mit Naturschutzbehörden pflegen

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