10. September 2026, 17:06 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Die Fossa ist das größte Raubtier Madagaskars und ein geschickter Jäger. Normalerweise frisst sie Lemuren, Reptilien oder kleinere Tiere. Doch manchmal dringt sie auch in Hühnerställe ein und tötet dort mehr Tiere, als sie fressen kann. Warum Fossas dieses ungewöhnliche Verhalten zeigen und weshalb sie dadurch bei vielen Menschen einen schlechten Ruf haben, erklärt PETBOOK.
Was fressen Fossas?
Als größtes Raubtier Madagaskars sind Fossas (Cryptoprocta ferox) geschickte Jäger. Auf ihrem Speiseplan stehen vor allem Lemuren. Daneben erbeuten die Tiere auch Tenreks, eine igel- und spitzmausähnliche Säugetierfamilie, die es vor allem in Madagaskar gibt.
Je nach Gelegenheit fressen Fossas außerdem Reptilien, Frösche und Insekten. Ihre vielseitige Ernährung hilft ihnen dabei, sich an unterschiedliche Lebensräume und das jeweils verfügbare Nahrungsangebot anzupassen.1
Warum töten Fossas manchmal viel mehr Beute, als sie fressen?
So geschickte Jäger Fossas auch sind, ihr Jagdverhalten sorgt immer wieder für Konflikte mit Menschen. Denn dringen die Raubtiere in einen Hühnerstall ein, töten sie mitunter deutlich mehr Hühner, als sie anschließend fressen.
Wissenschaftler sprechen in solchen Fällen von „Surplus Killing“, also Überschuss-Töten. Dabei handelt es sich nicht um unnötige Grausamkeit, sondern um einen Instinkt, der auch bei Füchsen, Mardern oder Wölfen beobachtet wird. Können die Beutetiere nicht entkommen, lösen ihre hektischen Fluchtversuche immer wieder den Jagdreflex aus. Die Fossa schlägt dann ein Tier nach dem anderen, obwohl ihr Hunger längst gestillt wäre.
Wie häufig das vorkommt, untersuchten Forschende um Samuel D. Merson von der University of Oxford und Luke J. Dollar vom Durrell Institute of Conservation and Ecology. Für ihre 2019 im Fachjournal PLOS ONE veröffentlichte Studie befragten sie fast 1.750 Haushalte in verschiedenen Regionen Madagaskars. Viele Befragte berichteten, dass Fossas nach dem Eindringen in einen Hühnerstall oft den gesamten Bestand töten, obwohl sie anschließend nur einen Teil der Beute fressen.2
Genau dieses Verhalten trägt maßgeblich zum schlechten Ruf der Tiere bei. Für betroffene Familien kann ein einziger Angriff den Verlust sämtlicher Hühner bedeuten. Die Forschenden vermuten deshalb, dass nicht die Häufigkeit der Angriffe, sondern vor allem deren Ausmaß dazu beiträgt, dass Fossas vielerorts als Problemtiere wahrgenommen werden.
Vom Regenwald in den Hühnerstall
Eigentlich haben Fossas es gar nicht auf Hühnerställe abgesehen. Die Raubtiere leben meist zurückgezogen in Wäldern, durchstreifen große Reviere und meiden Störungen nach Möglichkeit. Beobachtungen aus Zoos deuten sogar darauf hin, dass die Tiere empfindlich auf ungewohnte Reize reagieren und Rückzugsmöglichkeiten brauchen. Die Nähe des Menschen gehört daher wohl nicht zu den Lebensräumen, die Fossas aktiv suchen.3
Das Problem: Ihr Zuhause verschwindet. Seit den 1950er-Jahren bis 2014 hat Madagaskar bereits rund 44 Prozent seiner Waldfläche verloren. Wo einst dichter Wald stand, finden sich heute vielerorts wirtschaftliche Felder, Weiden und Siedlungen.4
Wie dramatisch die Entwicklung werden könnte, zeigt eine 2019 im Fachjournal „Nature Climate Change“ veröffentlichte Studie. Die Forschenden warnten, dass die Kombination aus Abholzung und Klimawandel große Teile der heutigen Regenwälder innerhalb der nächsten 60 Jahre verschwinden lassen könnte. Mit dem Wald schrumpft das Jagdrevier der Wildtiere und natürliche Beute wird knapper. Hühnerställe am Waldrand bieten dagegen leichte Beute.5
Wie alt werden Fossas?
Fossas können bis zu 20 Jahre alt werden und leben meist als Einzelgänger. Nach rund sieben Wochen Tragzeit bringt das Weibchen meist zwei bis vier Jungtiere zur Welt. Diese bleiben bis zu 20 Monate bei der Mutter, bevor sie selbstständig werden.
Können Fossas klettern und schwimmen?
Ja, Fossas sind echte Kletterkünstler. Ihre scharfen Krallen, der lange Schwanz und flexible Gelenke helfen ihnen, sicher durch die Bäume zu kommen – sogar kopfüber an Baumstämmen hinab. So können sie auch flinke Beute wie Lemuren verfolgen.
Fossas können zudem schwimmen und bei Bedarf Flüsse und andere Gewässer durchqueren. Dabei stehen gelegentlich auch Fische oder Süßwasserschildkröten auf ihrem Speiseplan. Ihr Lebensraum ist zwar vor allem der Wald, doch die Tiere sind erstaunlich vielseitig.
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Wie groß und schwer wird eine Fossa?
Fossas erreichen eine Kopf-Rumpf-Länge von etwa 70 bis 90 Zentimetern und wiegen meist 5,5 bis 15 Kilogramm. Ihr fast ebenso langer Schwanz hilft ihnen beim Balancieren in den Bäumen. Bei der Geburt wiegen die Jungtiere nur 80 bis 100 Gramm und kommen blind und zahnlos zur Welt. Erst nach und nach entwickeln sie sich zu geschickten Kletterern und Jägern.
Weitere Fakten über Fossas
Neben ihrem ungewöhnlichen Jagdverhalten haben Fossas noch einige überraschende Eigenschaften zu bieten:
Junge Fossa-Weibchen sehen aus wie Männchen
Junge weibliche Fossas entwickeln vorübergehend eine stark vergrößerte Klitoris, die von einem kleinen Knochen gestützt wird. Mit zunehmendem Alter bildet sich dieses ungewöhnliche Merkmal wieder zurück. Warum die Weibchen es entwickeln, ist noch nicht abschließend geklärt.6
Ungewöhnliches Paarungsverhalten
Zur Paarungszeit sucht sich das Weibchen einen bestimmten Baum aus und bleibt dort mehrere Tage. Mehrere Männchen konkurrieren um die Paarung. Das Weibchen kann sich dabei mit mehreren Männchen paaren. Eigentlich ungewöhnlich für einen ansonsten einzelgängerischen Räuber.
Der Riesenfossa
Mit Cryptoprocta spelea lebte einst eine deutlich größere Fossa-Art auf Madagaskar. Sie war größer als die heutige Fossa und jagte vermutlich unter anderem die inzwischen ausgestorbenen Riesenlemuren. Wann und warum sie ausstarb, ist nicht vollständig geklärt.7