22. September 2026, 17:22 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Statt einen Fisch zu fressen, jagt Delfin Bubbles seine Beute lieber so lange vor sich her, bis diese ihren Mageninhalt erbricht. Anschließend schnappt sich der Große Tümmler auch lieber den Mageninhalt des Fisches und lässt den dafür entkommen. Forschende beobachteten dieses mehr als ungewöhnliche Verhalten schon seit mehreren Jahren. Ihre Aufnahmen könnten einen der ersten direkten Nachweise von Futterdiebstahl bei Delfinen zeigen.
Delfin Bubbles sucht sich gezielt einen Fisch aus
Bubbles lebt vor Lady Elliot Island am südlichen Great Barrier Reef in Australien. Bereits 2017 hatten Menschen vor Ort von seiner ungewöhnlichen Jagdtechnik berichtet. Zwischen 2021 und 2025 filmten Forschende den männlichen Großen Tümmler schließlich mit Unterwasserkameras. Zu sehen ist dabei, wie Bubbles zunächst einen Schwarm Großaugen-Stachelmakrelen absucht. Schnell konzentriert er sich nur noch auf einen einzelnen Fisch.1
Die hartnäckige Jagd auf den kleineren Meeresbewohner endet für Bubbles erst, wenn die Makrele ihre bereits gefressene Nahrung hervorwürgt. Bubbles schnappt sich dann blitzschnell den erbrochenen Mageninhalt, während der Fisch davonschwimmt. Anschließend kehrt der Delfin zum Schwarm zurück und sucht sich das nächste Opfer.
Zehn Fische in nur 30 Minuten
In einer rund 30-minütigen Aufnahme wiederholte Bubbles die Jagdtechnik bei bis zu zehn weiteren Fischen. Insgesamt dokumentierten die Forschenden zwischen den Jahren 2021 und 2025 zwanzig Begegnungen zwischen dem Delfin und den Makrelenschwärmen. Bei elf davon fraß Bubbles Nahrung, die ein verfolgter Fisch hervorgewürgt hatte.2
Übrigens: Bei dem ungewöhnlichen Futterdieb handelte es sich immer nur um Bubbles. Kerben in seiner Rückenflosse und eine V-förmige Narbe verrieten ihn auf allen Aufnahmen. Andere Delfine wurden bei dieser Jagdtechnik bislang nicht beobachtet.
Warum frisst Bubbles lieber Erbrochenes?
Großaugen-Stachelmakrelen sind relativ große Fische. Sie zu fangen, zu zerkleinern und zu fressen, könnte für einen Delfin aufwendig sein. Der bereits geschluckte Mageninhalt ist dagegen möglicherweise leichter zu erbeuten und zu verzehren.
Die Forschenden vermuten deshalb, dass Bubbles mit seiner Methode an kleinere Beutetiere gelangt, die die Makrelen zuvor gefressen haben. Ob diese Strategie tatsächlich weniger Energie kostet als eine gewöhnliche Jagd, ist jedoch noch unklar.
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Nutzt der Delfin seine Klicklaute als Waffe?
Bevor Bubbles einen Fisch auswählt, bewegt er seinen Kopf von einer Seite zur anderen und erzeugt Klicklaute. Delfine nutzen solche Laute zur Echoortung und können damit unter anderem Unterschiede bei Größe, Form und Beschaffenheit von Fischen wahrnehmen. Möglicherweise erkennt Bubbles auf diese Weise, welche Makrele gerade besonders viel Beute im Magen trägt. Dafür gibt es bislang aber keinen Beweis.
Auch während der Verfolgung erzeugt der Delfin wiederholt Klicklaute sowie tiefe Töne. Diese könnten den Fisch zusätzlich stressen und zum Hervorwürgen seiner Nahrung bringen. Die Forschenden können jedoch noch nicht sagen, ob die Laute das Erbrechen tatsächlich auslösen. Denkbar ist auch, dass die Makrelen ihren Mageninhalt als Ablenkung ausspucken, um dem Delfin zu entkommen.
Hat Bubbles die Technik selbst entwickelt?
Ob Bubbles die Jagdmethode selbst erfunden oder von einem anderen Tier gelernt hat, ist nicht bekannt. Weil bisher kein weiterer Delfin dabei beobachtet wurde, könnte es sich um eine individuelle Spezialisierung handeln.
Delfine sind allerdings für sehr unterschiedliche und anpassungsfähige Jagdmethoden bekannt. Manche treiben Fische gemeinsam zusammen, andere nutzen Schlammringe oder arbeiten sogar mit Fischern. Denkbar ist deshalb auch, dass ähnliche Strategien bisher schlicht unentdeckt geblieben sind, weil Jagdszenen unter Wasser nur schwer zu beobachten sind.