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Tierschützer fassungslos!

US-Naturschutzbehörde plant Tötung von 450.000 einheimischen Eulen

Streifenkauz Jungtier auf Ast mit aufgerissenem Schnabel
Der Streifenkauz (hier ein Jungtier) ist in Nordamerika heimisch. Weil er angeblich eine andere, gefährdete Eulenart verdrängt, soll er nun massenhaft abgeschossen werden. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

31. Oktober 2025, 17:34 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten

Die größte geplante Vogeltötung der US-Geschichte sorgt derzeit für eine heftige Kontroverse. Trotz massiven Widerstands von Wissenschaftlern, Naturschützern und Teilen des US-Kongresses hat der Senat den Weg für ein Programm geebnet, in dem bis zu 450.000 einheimische Eulen getötet werden sollen. Der Grund: Der Schutz einer anderen Eulenart. Doch Kritiker warnen vor einem ethischen und ökologischen Dammbruch – und ziehen nun vor Gericht.

Es klingt absurd: Um eine einheimische Eulenart zu retten, sollen fast eine halbe Million Tiere einer anderen Art sterben. Das zumindest ist der Plan der sogenannten „Barred Owl Management Strategy“. Demnach verdränge der Streifenkauz (Strix varia) die mittlerweile gefährdete „Northern Spotted Owl“ (Strix occidentalis caurina). Doch anders, als man vermuten würde, handelt es sich beim Streifenkauz nicht etwa um eine invasive Art. Auch diese Eulen sind in Nordamerika heimisch und renommierte Experten bezweifeln den Nutzen dieser Methode. Sie sehen in ihr viel mehr ein Ablenkungsmanöver.

US-Senat ebnet Weg für Massenabschuss von Streifenkäuzen

Tierschützer und Gegner hatten deshalb schon seit Wochen protestiert und interveniert. Doch jetzt hat der US-Senat mit 72 zu 25 Stimmen beschlossen, die umstrittene „Barred Owl Management Strategy“ weiter voranzutreiben, wie unter anderem der US-amerikanische Fernsehsender „World Animal News“ berichtet.

Die Entscheidung ermöglicht es der US-Behörde für Fisch- und Wildtierschutz (U.S. Fish and Wildlife Service, USFWS), in den kommenden 30 Jahren bis zu 450.000 Streifenkäuze auf über 24 Millionen Hektar öffentlichem Land in Kalifornien, Oregon und Washington zu töten – und das auch in Schutzgebieten wie Yosemite, Crater Lake und Olympic Nationalparks. Tierschützer sprechen von der größten geplanten Vogeltötung in der Geschichte der USA.

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Schutz des bedrohten Gefleckten Waldkauzes? Experten widersprechen

Als Begründung für die Tötung von fast einer halben Million Eulen heißt es von der Behörde: „Der U.S. Fish and Wildlife Service identifizierte die Konkurrenz durch nicht-einheimische und invasive Streifenkäuze als eine der beiden Hauptbedrohungen für das weitere Überleben des Nördlichen Fleckenkauzes (der Verlust des Lebensraums ist die andere).“

Doch Experten widersprechen dieser These. Streifenkäuze seien nicht durch menschliche Eingriffe in die westlichen Wälder gelangt, heißt es im Positionspapier der Gegner. Ihr Vorkommen sei eine natürliche Ausbreitung – nicht menschengemacht. Der wahre Grund für den Rückgang des Gefleckten Waldkauzes sei der jahrzehntelange Verlust von Lebensraum durch industrielle Abholzung.

Die Tierschutzorganisation Animal Wellness Action will das Vorhaben nicht kampflos hinnehmen und hat Klage beim Bundesgericht in Portland, Oregon, eingereicht. In ihrer Klageschrift heißt es, das Programm verstoße sowohl gegen das Artenschutzgesetz (Endangered Species Act) als auch gegen das Abkommen zum Schutz von Zugvögeln (Migratory Bird Treaty Act). Die zentrale juristische Argumentation: Der Staat dürfe keine einheimische Tierart töten, um eine andere zu retten.

Biologe warnt: „Ein nie endendes blutiges ‚Hau-den-Maulwurf-Spiel‘“

Auch innerhalb der Fachwelt regt sich Widerstand gegen die Tötung der Eulen. Der ehemalige USFWS-Biologe Kent Livezey, der über ein Dutzend wissenschaftlicher Studien zu Eulen veröffentlicht hat, spricht sich entschieden gegen das Vorhaben aus. In einem Brief an den Kongress bezeichnet er das Vorhaben als „nie endendes blutiges ‚Hau-den-Maulwurf-Spiel‘.“ Das Programm sei reine Symbolpolitik, lenke von echten Lösungen ab und verschlinge unnötig über eine Milliarde US-Dollar an Steuergeldern.

Tatsächlich schätzen Experten die Kosten für die Tötung der Eulen auf rund 3000 US-Dollar pro Tier. Bei der geplanten Größenordnung summiert sich das auf mindestens 1,35 Milliarden US-Dollar – detaillierte Kostenaufstellungen bleiben bislang jedoch aus.

Kongressinitiative will Massenabschuss stoppen

Im US-Kongress formiert sich inzwischen parteiübergreifend Widerstand. Eine Gruppe von 30 Senatoren rund um John Kennedy (Republikaner aus Louisiana) und Rand Paul (Republikaner aus Kentucky) hat eine Petition eingereicht, um die Resolution S.J.Res. 69 direkt zur Abstimmung im Senat zu bringen – ohne vorherige Anhörung im zuständigen Ausschuss. Wird die Resolution mit einfacher Mehrheit angenommen, könnte sie das gesamte Tötungsprogramm stoppen.

Appell für echte Schutzmaßnahmen statt tödlicher Kontrolle

Viele Naturschutzorganisationen fordern stattdessen langfristige und sinnvolle Maßnahmen: Wiederaufforstung, Schutz alter Wälder und der konsequente Erhalt intakter Lebensräume. Der Fokus müsse auf nachhaltigem Habitatmanagement liegen – nicht auf fragwürdigen Abschussprogrammen. Denn diese könnten zudem einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen. Dieser könnte den Weg ebnen für weitere Beschlüsse, die auch andere Arten bedrohen könnten, nur weil sie in Konkurrenz zu geschützten Arten stehen.

Schicksal der Eulen liegt nun in der Hand des Kongresses

Ob der US-Kongress die tödliche Strategie noch rechtzeitig stoppen kann, bleibt offen. Sollte die Resolution S.J.Res. 69 sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus angenommen und vom Präsidenten unterzeichnet werden, wäre die „Barred Owl Management Strategy“ offiziell aufgehoben. Gleichzeitig würde die Verabschiedung eine Rückkehr zu einem wissenschaftlich fundierten, nicht-tödlichen Naturschutz ermöglichen.

Bis dahin bleibt das Schicksal vom Streifenkauz und der „Northern Spotted Owl“ – und die ethische Frage, wie weit der Mensch in die Natur eingreifen darf – ein brisantes Thema im Zentrum der US-Umweltpolitik.

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