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Bedrohen seltene Tierarten

Neuseeland plant verwilderte Katzen bis 2050 auszurotten – Bevölkerung steht dahinter

Seitenansicht einer gestreifeten Katze im Gebüsch
Nach Schätzungen leben mehr als 2,5 Millionen verwilderte Katzen in den Wäldern und auf abgelegenen Inseln Neuseelands. Sie gelten als Hauptursache für den dramatischen Rückgang seltener Arten und sollen deshalb ausgerottet werden. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

25. November 2025, 13:58 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Sie gelten als scheue Einzelgänger, doch für die Natur Neuseelands sind sie tödlich: Millionen verwilderte Katzen bedrohen dort seltene Tierarten. Daher will die Regierung sie bis 2050 flächendeckend beseitigen – und bekommt mittlerweile Zuspruch großer Teile der Bevölkerung.

Verwilderte Katzen stehen nun auf der „Predator-Free 2050“-Liste

Neuseeland hat einen weitreichenden Schritt im Artenschutz angekündigt: Bis zum Jahr 2050 sollen verwilderte Katzen vollständig ausgerottet werden. Das erklärte der neuseeländische Umweltminister Tama Potaka am 21. November 2025, wie unter anderem die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtete. Die Maßnahme ist Teil der sogenannten „Predator-Free 2050“-Strategie, einem internationalen Vorzeigeprojekt zur Beseitigung invasiver Arten. Es ist das erste Mal seit dem Start der Initiative im Jahr 2016, dass ein neues Raubtier in die Liste aufgenommen wird.

Verwilderte Katzen werden bereits in einzelnen Regionen gefangen und getötet. Die Aufnahme in die offizielle Liste bedeutet nun jedoch, dass sie landesweit im Fokus großangelegter, koordinierter Bekämpfungsmaßnahmen stehen – ergänzt durch Forschung und gezielte Ausrottungsprogramme. Wie genau diese aussehen sollen, ist noch nicht bekannt. Detaillierte Pläne sollen erst im März 2026 folgen.

„Eiskalte Killer“

Nach Schätzungen leben mehr als 2,5 Millionen verwilderte Katzen in den Wäldern und auf den abgelegenen Inseln Neuseelands. Manche Tiere erreichen inklusive Schwanz eine Länge von bis zu einem Meter und bringen bis zu sieben Kilogramm auf die Waage. Ihr Einfluss auf die heimische Tierwelt ist gravierend: So gelten sie unter anderem als Hauptursache für den dramatischen Rückgang des seltenen Pukunui – auch Maoriregenpfeifer genannt. Die Vogelart besiedelte früher einen Großteil der Südinsel, brütet heute aber nur noch im Inland der Insel Rakiura (Stewart Island). Auch für das Verschwinden von Fledermäusen in der Region um den Mount Ruapehu sollen Katzen verantwortlich sein.

Potaka bezeichnete die verwilderten Katzen gegenüber Radio New Zealand als „eiskalte Killer“, die nun in eine Reihe mit anderen invasiven Arten gestellt würden: „Um die Biodiversität zu stärken, die Kulturerbelandschaft zu stärken und die Art von Ort zu stärken, die wir sehen wollen, müssen wir einige dieser Killer loswerden.“

Heftige Debatten um Katzenkontrolle

Die Entscheidung folgt jahrelangen politischen und gesellschaftlichen Diskussionen. Bereits 2013 hatte der Umweltaktivist Gareth Morgan mit seiner Kampagne „Cats to Go“ für Aufsehen gesorgt und heftigen Protest ausgelöst. Auch ein Wettbewerb, bei dem Kinder auf verwilderte Katzen schießen sollten, stieß auf Kritik von Tierschutzgruppen (PETBOOK berichtete).

Trotz früherer Widerstände spricht sich inzwischen ein Großteil der Bevölkerung für eine strengere Kontrolle aus. Nach Angaben des neuseeländischen Umweltministeriums haben 90 Prozent der Teilnehmenden einer öffentlichen Konsultation entweder die Aufnahme verwilderter Katzen in die Strategie oder eine bessere Regulierung befürwortet.

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Hauskatzen bleiben außen vor – stehen aber ebenfalls im Fokus

Während man verwilderte Katzen nun gezielt bekämpfen will, bleiben Hauskatzen offiziell von der Maßnahme ausgenommen – obwohl auch sie als erhebliche Bedrohung für die Artenvielfalt gelten. Neuseeland hat eine der höchsten Katzenbesitzraten weltweit, doch klare gesetzliche Regelungen gibt es kaum.

Die National Cat Management Group, ein Zusammenschluss aus Umwelt- und Tierschutzorganisationen, fordert unter dem Motto „Every cat in a lap“ (zu Deutsch: „Jede Katze in einen Schoß“), Hauskatzen grundsätzlich im Haus zu halten. Ziel sei es, den Einfluss auf die Wildtiere so weit wie möglich zu reduzieren.

Forderung nach gesetzlicher Neuregelung

Die SPCA, Neuseelands größter Tierschutzverband, zeigt sich grundsätzlich offen für Maßnahmen gegen verwilderte Katzen, fordert jedoch tierschonendere Methoden. Der „Guardian“ zitiert die SPCA-Wissenschaftlerin Christine Sumner: „Wir sprechen davon, sie aus einer Umgebung zu entfernen, und das geschieht derzeit mit tödlichen Mitteln, womit wir nicht zufrieden sind. Das ist die größte Herausforderung.“

Sowohl Umwelt- als auch Tierschutzverbände sprechen sich für eine einheitliche nationale Gesetzgebung zur Katzenhaltung aus. Dazu zählen verpflichtendes Chippen und Kastrieren von Hauskatzen. Für Umweltaktivist Gareth Morgan ist das ein längst überfälliger Schritt, wie der im „Guardian“ schreibt: „Es war ein eklatantes Versäumnis, keine verwilderten Katzen überhaupt einzubeziehen“, sagte er. „Jetzt brauchen wir politische Änderungen, wenn das in der Realität funktionieren soll.“

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