2. Oktober 2025, 16:49 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Jane Goodall war die berühmteste Primatenforscherin der Welt. Doch die Frau, die Schimpansen eine Stimme gab, musste sich in einer männerdominierten Wissenschaft erst durchkämpfen – und sie liebte nicht nur die Wildtiere Afrikas, sondern auch ihre Hunde, die ihr ein Leben lang treue Begleiter waren.
Dame Jane Morris Goodall (3. April 1934 – 1. Oktober 2025) begann ihr Lebenswerk 1960 im Gombe-Stream-Nationalpark in Tansania. Ohne akademischen Abschluss, nur mit Neugier und einem offenen Blick, brach sie dorthin auf – vermittelt durch den Paläoanthropologen Louis Leakey.
An ihrer Seite: ihre Mutter, die ihre Tochter in einer Wissenschaftswelt unterstützte, die Frauen damals kaum ernst nahm. Aus dieser Außenseiterin wurde die weltweit anerkannteste Primatenforscherin. Sie promovierte 1966 in Cambridge – als eine der wenigen, die dafür keinen Bachelor brauchten.
Jane Goodall zeigte uns, wie sehr wir Tiere missverstehen
Ihre Beobachtungen revolutionierten die Verhaltensbiologie: Goodall zeigte, dass Schimpansen Werkzeuge benutzen, dass sie jagen, Kriege führen, Freundschaften schließen, trauern – kurz: dass sie Persönlichkeiten haben.
Sie setzte sich gegen Widerstände durch – weil sie Tiere nicht nummerierte, sondern ihnen Namen gab: David Greybeard, Flo, Frodo. Was viele Forscher als unwissenschaftlich kritisierten, war in Wahrheit ihr größtes Geschenk an die Wissenschaft: Empathie. Jane Goodall hat die Welt gelehrt, Tiere nicht nur als Versuchsobjekte zu sehen.
Neben Schimpansen waren es besonders Hunde, die ihr Herz eroberten. Schon als Kind bekam sie von ihrem Vater den Plüschschimpansen „Jubilee“, doch sie sagte oft: Hunde seien ihre liebsten Tiere. Sie lebten mit ihr, begleiteten sie, trösteten sie. Dieses Verständnis von Tierliebe floss in ihre Arbeit ein und machte ihre Stimme weltweit so einzigartig.
Ein Leben für die Tiere
Jane Goodall war nicht nur Forscherin. Sie gründete 1977 das Jane Goodall Institute, 1991 das Jugendprogramm „Roots & Shoots“, kämpfte gegen Massentierhaltung, für Klimaschutz, für Wälder. Ab 2002 war sie UN-Friedensbotschafterin, 2025 erhielt sie die Presidential Medal of Freedom. Bis ins hohe Alter reiste sie fast 300 Tage im Jahr, um für Tiere und Umwelt zu sprechen.
Ihr Lebenswerk ist riesig, ihr Einfluss kaum zu ermessen. Und doch war sie immer auch die Frau, die sich von Anfang an gegen Spott und Zweifel durchsetzte, die in einer Männerwelt lehrte, dass Wissenschaft nicht ohne Herz geht.
Jane Goodall starb am 1. Oktober 2025 mit 91 Jahren in Los Angeles, während einer Vortragsreise. Zurück bleibt ein Vermächtnis, das Generationen prägen wird – und der Gedanke, dass Mitgefühl ebenso wissenschaftlich sein kann wie Daten und Zahlen.