3. Dezember 2025, 12:25 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Eine Entscheidung, die Meeresschützer weltweit jubeln lässt: Auf der 20. CITES-Konferenz haben die Vertragsstaaten strengere Schutzmaßnahmen für mehr als 70 Hai- und Rochenarten beschlossen. Was auf den ersten Blick wie ein bürokratischer Akt klingt, könnte sich als Wendepunkt im Kampf gegen das dramatische Artensterben in den Ozeanen erweisen. Denn viele dieser Arten stehen kurz vor dem Kollaps – mit gravierenden Folgen für ganze Meeresökosysteme.
Was ist CITES überhaupt?
CITES ist die Kurzform für „Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora“. Dabei handelt es sich um ein internationales Abkommen, das den Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten regelt. Über 180 Staaten verpflichten sich darin, Arten zu schützen, die durch internationalen Handel gefährdet sind. Je nach Gefährdungsgrad werden sie in drei Anhänge eingestuft. Dabei bedeutet Anhang I den stärksten Schutz: Der internationale Handel ist praktisch verboten.
Genau in diesen Anhang wurden nun besonders bedrohte Hai- und Rochenarten aufgenommen.
Walhaie, Mantarochen und weitere Arten erhalten höchsten Schutz
Bereits letztes Jahr wurden auf der 19. Weltartenkonferenz erstmals rund 100 Hai- und Rochenarten unter internationalen Schutz gestellt (PETBOOK berichtete). Nun erhielten Walhaie sowie sämtliche Mantarochen- und Teufelsrochenarten die strengste Schutzstufe. Damit wird der internationale Handel mit ihnen und ihren Produkten vollständig untersagt.
Der Zeitpunkt könnte kaum entscheidender sein. Haie gelten als „Gesundheitspolizei“ der Meere: Als Spitzenprädatoren stabilisieren sie Nahrungsnetze, regulieren andere Populationen und schützen so Korallenriffe und Fischbestände. Bricht ihre Zahl ein, kann das ganze Ökosystem mitgerissen werden.
„Ein beispielloser und historischer Sieg“
Meeresschützer zeigen sich überwältigt. Shawn Heinrichs, Emmy-prämierter Kameramann und Gründer der Organisation OnlyOne, spricht von einem „historischen Sieg“: „Was 2013 mit der ersten Listung von Mantarochen begann, hat jetzt in einem vollständigen Handelsverbot für Mantarochen, Teufelsrochen, Walhaie und Weißspitzen-Hochseehaie geendet – dem stärksten Schutz, den es je gab“, sagte er dem Magazin „World Animal News“ gegenüber.
Die Zahlen, die er nennt, verdeutlichen die Dringlichkeit. So seien Mantarochen und Teufelsrochen bis zu 99 Prozent weltweit im Bestand zurückgegangen, Walhaie über
50 Prozent und bei den Weißspitzen-Hochseehaien lege der Rückgang bei 80 bis 90 Prozent. „Kritischer hätte der Zeitpunkt nicht sein können“, so Heinrichs.
Handelsverbot und neue Exportregeln für weitere Arten
Auch andere gefährdete Arten von Haien profitieren vom Beschluss der CITES:
- Gitarren- und Keilfische erhalten eine Null-Exportquote – faktisch ein Handelsverbot.
- Hundshaie und Glatthaie, beliebt als kostengünstige „Flake“-Fischfilets (u. a. für Fish and Chips), dürfen künftig nur noch gehandelt werden, wenn eine nachhaltige Nutzung nachgewiesen wird.
- Tiefsee-Gipfelhaie, deren Leberöl in der Kosmetikindustrie begehrt ist, wurden in Anhang II aufgenommen. Drei Viertel dieser Arten gelten inzwischen als vom Aussterben bedroht.
Gerade für die Gipfelhaie kommt der Schritt spät, aber nicht zu spät: In manchen Regionen sind ihre Bestände bereits um 80 Prozent eingebrochen.
Die wichtigsten Beschlüsse der 19. Weltartenkonferenz
Sterben Haie durch Jagd auf ihre Flossen bald aus? Expertin: »70 Prozent haben wir schon verloren
Jedes Jahr werden über 100 Millionen Haie getötet
„Menschen fürchten Haie – doch wir sind für sie die viel größere Gefahr“, zitiert „World Animal News“ Barbara Slee, Senior Program Manager beim International Fund for Animal Welfare (IFAW). Jedes Jahr werden über 100 Millionen Haie getötet. Viele Arten verschwinden schneller, als sie sich erholen können. Slee betont, wie sehr der Verlust der Tiere die Meere destabilisiert: „Wenn Haie verschwinden, bricht das Ökosystem zusammen, das unsere Ozeane gesund hält.“
Ab 2026 treten die Beschlüsse in Kraft
Die CITES-Vertragsstaaten hatten sich vom 24. November bis 5. Dezember in Samarkand getroffen. Die Entscheidungen der Konferenz werden 90 Tage nach ihrer finalen Bestätigung umgesetzt – voraussichtlich im Frühjahr 2026.
Damit senden die Staaten ein wichtiges globales Signal: Die Zeit, in der man Haie und Rochen als reine Fischereigüter betrachtete, ist vorbei. Ihr Schutz ist entscheidend – nicht nur für die Arten selbst, sondern für das gesamte Leben im Meer.