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Mangelndes Tierwohl

Warum man nicht nur zu Ostern keine bunten Eier kaufen sollte

Bunte Eier in einer Pappschachtel
Zuhauf verkauft – doch durch Tierleid produziert. Bunte Eier unterliegen Richtlinien für Industrieprodukte, die wenig mit einem glücklichen Hühnerdasein zu tun haben. Foto: Frank Wagner / Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

31. März 2026, 6:46 Uhr | Lesezeit: 17 Minuten

In Deutschland werden über 21 Milliarden Eier pro Jahr verzehrt. Wenige davon stammen wirklich aus tierfreundlicher Haltung. Doch gerade die gern gekauften, bunten Eier sollte man besser gar nicht in den Einkaufswagen legen. PETBOOK-Redakteurin Louisa Stoeffler beleuchtet mangelndes Tierwohl bei Ei-Produkten, versteckte Käfighaltung in der Industrie und veränderte Nahrungsmittelempfehlungen mithilfe von Experten.

Warum für bunte Eier andere Regeln gelten

Es gibt sie zuhauf und nicht nur zu Ostern im Supermarkt: bunte, gekochte Eier für einen schnellen Snack, zum Unterwegsessen oder für den Salat. Das Problem: Bei diesen Produkten fehlt oft die Kennzeichnung der Haltungsform – und sie können aus Käfighaltung stammen, obwohl diese im normalen Verkauf kaum noch eine Rolle spielt. Manchmal geht sie sogar noch mit „Kükentöten“ einher. An den Stempeln auf den Eiern kann man dies klar erkennen – wenn man weiß, wie man den Code liest.

So lesen Sie den Stempelcode auf Eiern

Der kleine Stempel auf jedem Ei gibt genau Auskunft über Herkunft und Haltungsbedingungen der Legehennen. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) informiert der Code über:

  • die Haltungsform
  • das Herkunftsland
  • den landwirtschaftlichen Betrieb
  • den konkreten Stall, aus dem das Ei stammt

Besonders aufschlussreich ist die erste Ziffer des Stempels, denn sie steht für die Art der Haltung:

  • 0: Ökologische Haltung – mit Auslauf und Biofutter, streng kontrolliert und besonders tierfreundlich.
  • 1: Freilandhaltung – die Hennen haben Zugang ins Freie, leben jedoch häufig mit mehreren zehntausend Tieren in großen Stallanlagen.
  • 2: Bodenhaltung – die Tiere leben ausschließlich im Stall, meist mit begrenztem Platzangebot.
  • 3: Käfighaltung – diese nicht artgerechte Haltung ist laut BUND im deutschen Einzelhandel kaum noch anzutreffen.

„Da entspricht die ‚0‘ der Kategorie Bio und dann wird es immer schlechter“, weiß Lisa Kainz, Agrarwissenschaftlerin und Fachreferentin bei der Tierrechtsorganisation Peta, PETBOOK zu berichten. „Die ‚3‘ ist quasi die Käfighaltung, die jetzt beschönigend Kleingruppenhaltung genannt wird.“ Denn Kleingruppenhaltung ist in der EU seit dem Jahr 2012 verboten, in Deutschland bereits seit 2010.

Auf die Ziffer folgen Buchstabenkürzel wie „DE“ für Deutschland oder „NL“ für die Niederlande, „AT“ für Österreich, dann zwei Ziffern für das Bundesland und weitere Zahlen für den Betrieb und Stall. Wer noch Genaueres erfahren möchte, findet detaillierte Informationen beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft online.

Gilt nicht für bunte Eier

Warum für bunte Eier allerdings andere Regeln gelten, ist schnell erklärt: Sie gelten als verarbeitet. Für bemalte, gekochte Eier gelten also andere Maßstäbe als für die sogenannten Schaleneier. Nur bei diesen ist es Pflicht, dass deklariert wird, aus welcher Haltungsform die Eier stammen. Diese können also sogar aus Legebatterien stammen.

Und das, obwohl die Kleingruppenhaltung schließlich 2015 in Deutschland über eine entsprechende Änderung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung abgeschafft wurde – aber auch eine Auslauffrist für bestehende Betriebe bis Ende 2025 wurde festgeschrieben. Dies bestätigt auch Lisa Kainz von Peta: „Die Haltung in Kleinkäfigen ist zwar ein Auslaufmodell – in Deutschland und der EU ist sie nur noch bis 2025, bei manchen Betrieben sogar bis 2028 erlaubt.“

Im Gesetzestext findet sich die Regelung klar definiert. Auf Antrag des Tierhalters kann die zuständige Behörde die weitere Benutzung dieser Haltungseinrichtung bis zum 31. Dezember 2028 verlängern, sofern die unbillige Härte der Umstellung gegeben ist und keine Tierschutzgründe dem entgegenstehen.

Also ist es aktuell eben noch so, dass die Käfighaltung, obwohl sie abgelehnt wird, eben in diesen verarbeiteten Produkten wie gefärbten Eiern stecke, weiß die Expertin. „Und das ist eben das, was viele Verbraucher nicht wissen. Dass sie mit dem Kauf die schlimmste Form der Tierquälerei unterstützen, obwohl alle Eier quasi Tierquälerei sind.“

Vorsicht bei fehlenden Angaben

Fehlt bei bunt eingefärbten Eiern also der (freiwillige) Hinweis auf die Haltungsform, könnten sie noch immer aus einer Legebatterie stammen. „Gerade bei verarbeiteten Produkten oder den gefärbten Eiern kann dann auch die Käfighaltung vertreten sein“, weiß Lisa Kainz. „Denn es ist eben keine Pflicht, die Haltungsform zu deklarieren.“ Das Gleiche gilt übrigens für Eier in verarbeiteten Lebensmitteln wie Teigwaren, Gebäck oder Fertigprodukten. Allerdings gäbe es einige Betriebe, die, wie man es von Nudeln kennt, „Eier aus Bodenhaltung“ draufschreiben.

Auch laut BUND sei es in solchen Fällen nicht auszuschließen, „dass in diesen Produkten Eier aus Käfighaltung verwendet wurden – etwa aus sogenannten Kleingruppenkäfigen, die in Deutschland weiterhin erlaubt sind.“

Laut der Tierschutzorganisation Vier Pfoten steht in diesen auch als Legebatterien bekannten Vorrichtungen weniger als ein DIN-A4-Blatt Platz pro Huhn zur Verfügung, 750 Quadratzentimeter Platz für ein gesamtes Hühnerleben. „Im Endeffekt ist dies nichts anderes als größere Käfige mit mehr Hennen drin“, sagt Lisa Kainz von Peta.“

Vier Pfoten berichtet weiter, dass die „Legenester“, „Sitzstangen“ „Scharrfläche“, die für die Hühner in der industriellen Haltung eingerichtet werden sollen, ihren Namen nicht verdienen. Den Bedürfnissen der Tiere entsprächen sie nicht einmal ansatzweise.

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„Es gibt bei Schaleneiern quasi keine Käfighaltung mehr – weil die Konsumenten es nicht wollen“

„Durch Nummernvergabe bei Schaleneiern ist die schlimmste Haltungsform, die Käfighaltungsform, nahezu ausgestorben“, erklärt Lisa Kainz PETBOOK die Hintergründe. „Also gibt es quasi keine Eier mehr, die mit dieser ‚Drei‘ verkauft werden, weil das die Konsumentinnen einfach nicht haben wollen.“

Verbraucherinnen und Verbraucher können sich hier an anerkannten Siegeln wie dem EU-Bio-Siegel orientieren. Produkte mit dieser Kennzeichnung enthalten ausschließlich Eier aus ökologischer Haltung. Einige Hersteller geben die Haltungsform freiwillig an – fehlt ein solcher Hinweis, ist laut BUND davon auszugehen, dass die verwendeten Eier nicht aus tierfreundlicher Haltung stammen.

Worin sich noch Eier aus Käfighaltung verbergen können

„Das betrifft natürlich auch andere verarbeitete Produkte, wie zum Beispiel vegetarische Ersatzprodukte für Wurstwaren auf Ei-Basis, Kekse oder andere Süßspeisen, in denen überall diese billigsten Eier verarbeitet werden“, sagt Lisa Kainz von Peta. Oft schreibe man auch hier zumindest „Eier aus Bodenhaltung“ darauf – obwohl die Kennzeichnung auch hier leider nicht verpflichtend sei.

Dass jedes Tier in dieser Haltungsform nur etwas mehr Platz als eine DIN-A4-Seite habe, betont auch Annika Lange, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft vom Tierschutzbund. Die Eier aus Käfighaltung landeten unbemerkt in verarbeiteten Produkten, wie Backwaren, Nudeln oder Mayonnaise, da keine Deklarationspflicht besteht.

„In der intensiven Landwirtschaft werden Legehennen auf Hochleistung gezüchtet und teils auf engstem Raum, ohne Beschäftigungsmöglichkeiten, gehalten. Es geht darum, möglichst viele Eier zu bekommen; die Bedürfnisse der Hühner stehen da hinten an“, erklärt Lange.

Bunte Eier vielfach auch mit Kükentöten verbunden

Nun werden einige vielleicht denken: Okay, Bodenhaltung ist nicht so schön, aber wenigstens leben die Tiere nicht im Käfig und ihre Küken dürfen leben. Allerdings ist auch das nicht der Fall.

Denn, obwohl Deutschland das Schreddern von männlichen Küken in der Eierproduktion seit dem 1.1.2022 abgeschafft hat, gilt dies nicht für unsere Nachbarländer. Stammen die bunten Eier also aus den Niederlanden oder Österreich, wird das Kükentöten immer noch routinemäßig durchgeführt.

Und als Verbraucher kann man dies an den Packungen der bunten Eier nicht erkennen. Auch wenn „aus Bodenhaltung“ daraufsteht. Denn das Herkunftsland wird häufig noch immer nicht angegeben. Für Industrieprodukte, die verarbeitete Eier enthalten, werden also oft auch billigere Importeier „mit Kükentöten“ verwendet.

Louisa Stoeffler
Redakteurin

Warum ich keine Eier mehr esse

„Ich habe nie wirklich gern Eier gegessen und seit mindestens 10 Jahren nun gar keine mehr. Ich weiß nicht, ob es an der klebrigen Konsistenz des Eiweißes liegt. Oder am Schwefelgeruch, der sich verbreitet, wenn man gekochte Eier öffnet oder sie als Spiegelei in die Pfanne haut. Ich finde viele Dinge an Eiern einfach absolut unappetitlich.

Führt man sich vor Augen, dass es eigentlich ein ‚Hühner-Perioden-Produkt‘ ist, was die Tiere eigentlich zur Vermehrung nutzen würden, und dass viele Legehennen immer noch ihr ganzes Leben in einem dunklen Stall verbringen, wächst mein Widerwille vor dem Produkt nur noch weiter. Ich greife tatsächlich lieber zu Nüssen, Sojaprodukten oder Haferflocken, um meinen Proteinbedarf zu decken.“

Auch „Ökotest“ prangert mangelndes Tierwohl an

Bodenhaltung, Legebatterie und verarbeitete Produkte aber einmal beiseitegeschoben. Freiland und Bio müssen doch aber besser sein, oder? Pünktlich zur vorösterlichen Zeit hatten sich die Tester von „Ökotest“ 2024 diese Frage gestellt und Freiland- und Bio-Eier auf den Prüfstand gestellt.

In der Ausgabe 4/2024 untersuchten die Tester diese Eier auf Schadstoffe, aber auch mit Blick auf das Tierwohl der Legehennen und ihrer sogenannten „Bruderhähne“. Dass diese häufig kein Happy End erleben, sondern wieder in der Massentierhaltung landen, können Sie in diesem PETBOOK-Artikel nachlesen: Was wirklich mit „geretteten“ männlichen Küken passiert.

„Ökotest“ prangerte in dem Test unter anderem an, dass das Siegel „Ohne Kükentöten“ seit drei Jahren in Deutschland eigentlich eine Selbstverständlichkeit sei – viele aber immer noch explizit damit werben. Wer jedoch gehofft hatte, durch den Kauf von Eiern mit dieser Kennzeichnung allen Bruderküken ein artgerechtes und langes Leben zu ermöglichen, wird leider enttäuscht. Denn der Test zeige: Längst nicht alle männlichen Küken dürften überhaupt schlüpfen.

Grundsätzlich lobenswert sei es laut „Ökotest“, wenn die männlichen Küken das Licht der Welt erblicken dürfen. Denn es gibt auch die Möglichkeit der In-Ovo-Bestimmung, bei der männliche Küken bereits vor dem Schlupf aussortiert und nicht weiter bebrütet werden. Und selbst wenn sie aufgezogen würden, sei nicht einmal den Brüdern der Bio-Legehennen ein entsprechender Haltungsstandard sicher. Insgesamt hat „Ökotest“ 20 Marken überprüft, darunter zwölfmal Bio-Eier und achtmal Freilandeier. Fünf davon haben die Bestnote bekommen, andere – auch in diesen Haltungsformen – bekamen Abzüge für mangelndes Tierwohl.

Tiere legen oft Hunderte Transportkilometer zurück

„Produkte, die mit ‚ohne Kükentöten‘ werben, sind leider keine Garantie für ein artgerechtes Leben der männlichen Küken“, sagt Dr. Lisa Hitschler, Molekularbiologin bei Ökotest, in der Mitteilung zur Untersuchung von „Ökotest“.

Als das Gesetz gegen das Kükentöten 2019 den Bundestag passierte, wurde es als großer Schritt für mehr Tierwohl gefeiert. Doch die Realität sei oft noch weit entfernt vom idyllischen Idealbild artgerechter Haltung für beide Geschlechter. Die Tester haben einmal beispielhaft eine Lieferkette nachvollzogen:

  • Noch gemeinsam schlüpften männliche und weibliche Küken im niederländischen Elsendorp. Bereits am ersten Lebenstag trennten sich ihre Wege.
  • Die Hähnchen wurden ins 800 Kilometer entfernte Zbąszyń nach Polen transportiert und gemästet, bis sie nach zwölf Wochen geschlachtet werden.
  • Die Hennen kamen zunächst nach Deutschland, ins niedersächsische Großenkneten, und wurden dort bis zur Legereife im Alter von rund 18 Wochen aufgezogen. Dann geht es für sie wieder zurück in die Niederlande, genauer nach Barneveld. Bis sie dort einmal ein Ei legten, waren die Hennen über 550 Kilometer unterwegs.
  • Die Eier legten dann noch einmal 400 Transportkilometer zurück, um schließlich im Discounter in Südhessen verkauft werden zu können.

Um die vielen Stationen überblicken zu können, hatte „Ökotest“ alle Hersteller gebeten, den Lebensweg der Tiere von der Brüterei bis zum gekauften Ei zu rekonstruieren. Wie ausführlich sie die Fragen beantworteten und wie gut sie ihre Lieferkette dokumentierten, floss in die Bewertung ein.

Haben wenigstens die Brüder der Bio-Legehennen ein artgerechtes Leben?

Doch was nach der Bebrütung mit ihnen passiert, stehe auf einem anderen Blatt – sogar im Bio-Segment, wie die Beispiele mancher Bio-Eier im Test zeigen. Denn das Label auf der Packung garantiert die ökologische Haltung zwar für die Hennen, nicht aber für ihre Brüder.

Gleiches weiß auch Lisa Kainz PETBOOK zu berichten: „Die eigentliche Haltung stellt nur ein Teil von ‚Bio‘ dar. Auch ein Biohuhn kommt aus einer Brüterei.“ Das heißt, es werde niemals seine Eltern kennenlernen, sondern in einem künstlichen Brutautomaten ausgebrütet. Dann käme es auf Förderbänder wie eine leblose Ware – sortiert nach männlichen und weiblichen Geschlechtern. „Denn nur die weiblichen braucht man ja zum Eierlegen.“

Ob Bio-Bruderhähne in der Massenhaltung landen, muss nicht angegeben werden

Doch das „Bruderhahn“-Problem ist auch im deutschen Binnenmarkt noch nicht gelöst. Denn laut „Ökotest“ heißt es: Die Hähnchen dürfen zwar überleben, doch bis zu ihrer Schlachtung werden sie unter den gleichen Bedingungen gehalten wie jedes andere konventionelle Masthähnchen.

Und Endverbraucherinnen und -verbraucher könnten das anhand der Verpackung nicht einmal erkennen. Grundsätzlich garantierten Bio-Eier bessere Haltungsbedingungen – (zumindest) für die Legehennen. Daher ist Bio aus der Sicht von „Ökotest“ die bessere Wahl.

Denn die In-Ovo-Geschlechtsbestimmung ist für Bio zwar nicht verboten, aber Bioverbände wie Bioland, Naturland und Demeter sprächen sich deutlich dagegen aus. Bedeutet: Bei diesen Siegeln könne man davon ausgehen, dass das Verfahren nicht angewandt wurde.

Allerdings müsse am Ende auch ein Bio-Tier wirtschaftlich sein, sagt Agrarwissenschaftlerin Lisa Kainz. „Das heißt, wenn die Ei-Anzahl nachlässt oder die Tiere zu ausgezehrt sind, dann landen die eben auch im Schlachthof. Und das muss sich jeder bewusst sein, der Bio-Eier konsumiert. Man hat also Tierleid während des Lebens, aber eben auch vorgelagert in der Brüterei und nachgelagert im Schlachthof.“

Verbraucher konsumierten 21 Milliarden Eier in 2025

Laut einer Pressemitteilung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) steigt der Eierkonsum in Deutschland trotz allem weiter. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Eiern stieg 2025 auf 252, während im Vorjahr noch 248 Eier konsumiert wurden. Ein Grund könnte laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft die „Ausbreitung der flexitarischen Ernährung sein“ denn Eier seien zudem eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß. Wie man das Produkt am besten verwerten kann, haben unsere Kollegen von FITBOOK für Sie zusammengestellt: Die gesündeste Art, Eier zuzubereiten.

Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung entspricht dies einer Zahl von 21 Milliarden Eiern, zuvor 20,7 Milliarden – einem Plus von rund 1,4 Prozent. Denn „Eier stellen eine kostengünstige Quelle für hochwertiges Eiweiß dar“, erklärt Dr. Josef Goos, Leiter des Bundesinformationszentrums Landwirtschaft (BZL).

Mit rund 51,1 Millionen Tieren gab es etwa 400.000 weniger Hennen als im Vorjahr. Gründe dafür könnten unter anderem Tierverluste durch Krankheiten sowie der gesetzlich vorgeschriebene Rückbau der Kleingruppenhaltung ab 2026 sein. Dennoch reichte auch diese Menge nicht aus, um den Bedarf vollständig zu decken. Der Inlandsbedarf wurde nur zu 72 Prozent aus heimischer Ware gedeckt, der Selbstversorgungsgrad sank damit das vierte Jahr in Folge. Deutschland muss also weiterhin mehr als ein Viertel seines Bedarfs an Eiern aus anderen Ländern mit weniger Tierschutzstandards importieren.

Nur noch ein Ei die Woche? In den Zahlen nicht zu sehen

Dass das Thema Eikonsum brisant ist, zeigt auch die angepasste Ernährungsempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. Bislang hieß es, ein Konsum von zwei bis drei Eiern die Woche sei gesundheitlich unbedenklich. Die Novellierung schlägt nun einen anderen Ton an.

In Bezug darauf heißt es nun auf der Website: „Die neuen lebensmittelbezogenen Ernährungsempfehlungen beinhalten ein Ei pro Woche, z. B. als Frühstücksei. Lebensmittel, die verarbeitete Eier enthalten, z. B. Nudeln oder Kuchen, kommen zusätzlich dazu. Die Portionsangabe von einem Ei pro Woche beruht nicht auf einer Begrenzung aus gesundheitlichen Gründen (z. B. Cholesterol).“

3,1 Prozent der Hühner leben immer noch in Käfighaltung

Doch auch der bewusstere Griff zum Ei zeigt Wirkung: „Eier aus Käfighaltung mit der Kennzeichnung ‚3‘ werden in Deutschland nicht mehr verkauft“, so der BUND. Der Handel hat diese Produkte weitgehend aus dem Sortiment genommen – ein direktes Ergebnis der ablehnenden Haltung der Konsumenten.

Dennoch zeigt ein Blick auf aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamts: Die dominierende Haltungsform in Deutschland war 2025 weiterhin die Bodenhaltung mit einem Anteil von 57,6 Prozent. Die Freilandhaltung kam auf 24,7 Prozent, während die ökologische Haltung mit 14,6 Prozent nur leicht zulegte.

Doch auch die Haltung in „ausgestalteten Kleingruppenkäfigen“, die auch vom Statistischen Bundesamt als Käfighaltung bezeichnet wird, ist in Deutschland zwar rückläufig, jedoch lebten heute noch knapp 3,1 Prozent aller Hennen in den tierschutzwidrigen Käfigen. Dies entspricht 1,4 Millionen Hennen und 423 Millionen Eiern.

Alternativen für mehr Tierwohl sind vorhanden

Wer beim Eierkauf wirklich auf Tierwohl setzen möchte, steht vor einem Wirrwarr an Übergangsregelungen und Haltungsformen, die auch im Bio-Standard noch immer zu wünschen übrig lassen können. Und das, obwohl es bereits Alternativen gibt.

Ein besonders tiergerechtes Haltungskonzept bieten sogenannte Mobilställe. Diese kleinen Stallanlagen werden regelmäßig auf der Weide umgesetzt, wodurch die Hühner immer frisches Gras erhalten und das Grundwasser nicht durch Kot belastet wird. Auch wenn diese Form der Haltung noch selten ist, gilt sie als besonders nachhaltig. Aufgrund des höheren Arbeitsaufwands sind die Eier jedoch meist kostspieliger.

Eine weitere Option für mehr Tierwohl sind Eier von sogenannten Zweitnutzungshühnern. Diese Tiere werden nicht ausschließlich auf Legeleistung gezüchtet. „Sowohl die Hennen für die Eierproduktion als auch die Hähne für die Mast verwendet werden“, erklärt der BUND. Damit ließe sich auch auf das Wohl der Bruderküken achten, denn bei Anbietern mit Eiern von Zweinutzungshühnern wachsen beide Geschlechter gleichwertig auf.

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Pflanzliche Alternativen und mehr Tierwohl – nicht nur zu Ostern

Allen, die trotz der aktuellen Verzehr-Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung von nur einem Ei pro Woche nicht ohne Ostereier auskämen, empfiehlt der Deutsche Tierschutzbund außerdem, auf möglichst tiergerechte Bedingungen zu achten. Das eigene Label „Für Mehr Tierschutz“ gehe mit eigenen, ambitionierten Kriterien weit über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Auch das Bio-Siegel biete durch die geringere Besatzdichte und einen Freilandzugang ein gewisses Maß an Tierschutz.

„Das Tolle ist, dass es mittlerweile ganz viele Rezepte online gibt, die mit Ei-Alternativen arbeiten“, sagt dagegen Agrarwissenschaftlerin Lisa Kainz von Peta. „Dabei kommt es immer darauf an, was für eine Verwendung das Ei hat. Bei manchen Dingen kann man es einfach weglassen.“

Mit Blick auf Ostern weist auch der Deutsche Tierschutzbund darauf hin, dass ein tierfreundliches Fest auch ganz ohne tierische Produkte auskomme. „Beim österlichen Backen lässt sich Ei einfach durch Banane, Apfelmus oder Sojamehl ersetzen. Selbst ein herzhafter Ei-Geschmack kann mit Kala Namak, einem schwefelhaltigen Salz, tierfreundlich genossen werden – zum Beispiel in Form eines Rühr-Tofu“, sagt Dr. Isabel Knößlsdorfer, Fachreferentin für Veganismus beim Deutschen Tierschutzbund.

Alternativen zum Hefezopf und zum Eier bemalen

„Bei anderen Dingen kann man Ei-Ersatzpulver verwenden. Das sind natürliche, pulverisierte Produkte, die eine bindende Fähigkeit hervorrufen“, sagt Lisa Kainz über weitere tierfreundliche Alternativen. Auch die Agrarwissenschaftlerin verweist auf den Ei-Geschmack, den man mit dem Kala-Namak-Salz erzeugen könne. „Die enthaltenen Schwefelverbindungen werden dabei aufgegriffen, sodass es geschmacklich an Ei erinnert. Es gibt hier aber zahlreiche Alternativen.“

Gerade Kuchen könne man ein bisschen Öl, Apfelmus oder eine zerdrückte Banane hinzufügen, sagt auch Kainz. „Dort bietet sich auch Aquafaba, also Kichererbsen-Wasser, an. Das funktioniert ähnlich wie Eischaum. Hier sind der Kreativität wirklich keine Grenzen gesetzt und es gibt ganz viele Rezepte, die man online findet, um eben alles in vegan herstellen zu können.“

Auch als Alternative zum Eierbemalen hat der Deutsche Tierschutzbund eine tierfreundliche Idee parat: Kerzen bemalen. Eine Anleitung finden Interessierte online unter www.weiljedemahlzeitzählt.de/kerzen-bemalen

Mit Material der dpa

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