18. Dezember 2025, 13:47 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Haustiere sind für die meisten Halter längst Familienmitglieder – doch beim Futter hört die Liebe manchmal auf. Eine repräsentative Studie zeigt, wie unterschiedlich Generationen in Deutschland über Tierhaltung und -nahrung denken – und wo Emotionen auf Grenzen stoßen. Während junge Menschen neue Wege beim Füttern gehen wollen, bleibt der Großteil skeptisch gegenüber pflanzlichen oder neuartigen Alternativen. Funktionalität, Gesundheit und Vertrauen in Marken bleiben entscheidend – doch auch Nachhaltigkeit spielt zunehmend eine Rolle.
Starke Unterschiede zwischen Haustierhalter-Generationen
Haustiere erfüllen für viele Menschen eine zentrale emotionale Rolle. Sie spenden Trost, geben Struktur und vermitteln Geborgenheit. Diese enge Bindung spiegelt sich auch in der Ernährung der Tiere wider. Doch zwischen emotionaler Nähe und alltagspraktischen, finanziellen sowie kulturellen Aspekten besteht oft ein Spannungsfeld.
Das „Generationenbarometer Pet Food“ untersucht erstmals systematisch, wie Generation Z bis zu den Traditionals (69–79 Jahre) mit diesem Spannungsverhältnis umgehen. Aufbauend auf dem „Generationenbarometer Food“ 2024 wird nun im Haustierbereich analysiert, wie sehr Tierwohl, Nachhaltigkeit, neue Technologien und Gesundheitsaspekte bei der Auswahl von Tiernahrung berücksichtigt werden – und wo die Akzeptanz endet.
Die Studie zeigt: Tierhalter wünschen sich zwar gesunde und verantwortungsvolle Fütterung, aber die Interpretation dessen variiert stark zwischen den Generationen. Die Studie wurde vom Marktforschungsunternehmen Kantar für die Heristo Aktiengesellschaft durchgeführt und basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung von 1000 Haustierhaltern in Deutschland. Wissenschaftlich begleitet wurde die Analyse von Prof. Dr. Jürgen Zentek, Veterinärmediziner an der Freien Universität Berlin. Die Ergebnisse liefern spannende Erkenntnisse darüber, wie die verschiedenen Generationen ihre Beziehung zum Haustier einschätzen.
Was wurde untersucht?
Die Datenerhebung der Halter im Alter von 16 bis 79 Jahren fand zwischen dem 29. August und 10. September 2025 statt. Die Befragung erfasste unter anderem Motive für die Haustierhaltung, Einstellungen zur Ernährung, Nachhaltigkeitsbewusstsein, Zahlungsbereitschaft und Offenheit für Innovationen wie In-vitro-Fleisch oder Insektenprotein. Die Zielgruppe wurde in fünf Alterskohorten unterteilt: Generation Z, Y, X, Babyboomer und Traditionals, die wie folgt eingeordnet wurden:
| Generation | Alter 2025 | Geburtsjahrgänge |
|---|---|---|
| Generation Z | 16–28 Jahre | 1997–2009 |
| Generation Y (Millennials) | 29–43 Jahre | 1982–1996 |
| Generation X | 44–58 Jahre | 1967–1981 |
| Babyboomer | 59–68 Jahre | 1957–1966 |
| Traditionals | 69–79 Jahre | 1946–1956 |
Das Ergebnis über alle Generationen hinweg
Die Ergebnisse des „Generationenbarometers Pet Food“ liefern ein differenziertes Bild über das Spannungsfeld zwischen Tierliebe, Verantwortung und Konsumrealität. Zentrale Erkenntnis: Emotionale Nähe bestimmt die Haltung – rationale Überlegungen jedoch das Futter. So bezeichnen sich 57 Prozent der Befragten als „Elternteil“ ihres Tieres, 86 Prozent sprechen regelmäßig mit ihm. Gleichzeitig sagen aber 45 Prozent, dass Tierfutter in erster Linie „zweckmäßig“ sein müsse – also funktional und gesund, nicht ideologisch oder trendgetrieben.
Die Generationen Z und Y zeigen eine größere Offenheit gegenüber pflanzlicher Ernährung, nachhaltiger Verpackung und innovativen Konzepten wie In-vitro-Fleisch oder Insektenprotein – allerdings nur, wenn gesundheitliche Vorteile klar kommuniziert werden. Jüngere Halter nehmen auch Futtertrends eher an. Insgesamt 34 Prozent der Gesamtteilnehmer gaben an, Umweltvorteile bei In-vitro-Fleisch zu erkennen – doch zugleich äußern über die Hälfte massive gesundheitliche oder hygienische Bedenken.
Besonders wichtig ist den Haltern nachweisbarer Gesundheitsnutzen – etwa durch Spezialfutter oder optimiertes Proteinprofil. Die Akzeptanz von Nachhaltigkeit ist da, aber nur, wenn sie klar erkennbar und nachvollziehbar ist (z. B. Bio, „Made in Germany“). Ein Drittel lehnt jedoch jeglichen Aufpreis dafür ab. Die Zahlungsbereitschaft für solche Aspekte ist bei jüngeren Generationen höher als bei älteren.
Gentechnik kommt den meisten Haltern nicht in den Napf
Ein weiteres zentrales Ergebnis: Gesundheit schlägt Idealismus. Spezialfutter wird in allen Altersgruppen geschätzt – etwa bei Allergien, Altersbeschwerden oder Unverträglichkeiten. Die Mehrheit hält tierische Proteine weiterhin für den besten Weg, ein Tier zu ernähren. Gleichzeitig zeigt sich, dass viele junge Halter glauben, sich gut mit Tierernährung auszukennen – obwohl das tatsächliche Faktenwissen laut Studienlage teils stark variieren dürfte.
Die Ablehnung genetisch veränderter Zutaten ist besonders ausgeprägt: GVO-Produkte (gentechnisch veränderte Organismen) erhielten die geringste Zustimmung überhaupt. Auch kultiviertes Fleisch wird mehrheitlich abgelehnt, obwohl ethische Vorteile – etwa kein Schlachten von Tieren – durchaus gesehen werden.
Abschließend zeigt sich, dass sich der Pet-Food-Markt im Generationenwandel befindet: Während ältere Generationen eher auf Preis, gewohnte Marken und Funktionalität setzen, suchen jüngere Halter nach evidenzbasierten, nachhaltigen und tiergerechten Lösungen – allerdings nicht um jeden Preis. Die emotionale Beziehung zum Tier bleibt stabil, aber die Art und Weise, wie Verantwortung interpretiert wird, verändert sich deutlich über die Lebensphasen hinweg.
Haustierhaltung im Wandel der Generationen
Die jüngeren Generationen – allen voran Gen Z und Millennials – prägen eine neue Form der Haustierhaltung, die stark emotionalisiert ist und sich eng am eigenen Lebensstil orientiert. Für sie ist das Tier ein Familienmitglied, oft sogar gleichgestellt mit Kindern, und diese Haltung spiegelt sich unmittelbar in der Fütterung wider. Millennials unterscheiden sich dabei vor allem durch ihre Bereitschaft, für Tierwohl und nachhaltige Produkte mehr zu zahlen, während Gen Z stärker wertegeleitet, aber preis- und zweckorientierter handelt.
Die mittleren Generationen – Gen X und die Babyboomer – bewegen sich im Spannungsfeld zwischen emotionaler Bindung und pragmatischem Alltag. Beide Gruppen sprechen viel mit ihren Tieren und empfinden sie als verlässliche Begleiter, zeigen aber deutlich geringere Innovationsbereitschaft und ein ausgeprägtes Preisbewusstsein. Für sie zählt vor allem funktionale, bewährte Fütterung, ergänzt durch moderate Nachhaltigkeitsansprüche, die jedoch selten zu höherer Zahlungsbereitschaft führen. Babyboomer bleiben trotz dieser konservativen Grundhaltung die stabilste Gruppe im Haustiermarkt: Sie haben die höchste Wiederanschaffungsbereitschaft und stellen so die feste Basis der Tierhalter – festigen aber gleichzeitig die starke Rolle traditioneller Futtermarken.
Am deutlichsten sticht jedoch die älteste Generation hervor, die Traditionals. Ihr Fütterungsverhalten ist weder trendkritisch noch bewusst anders, sondern von bemerkenswerter Inhaltsstoff-Gleichgültigkeit geprägt. Dass nur zwölf Prozent einen hohen Fleischanteil wichtig finden, bedeutet nicht, dass sie moderne Ernährungsalternativen bevorzugen – vielmehr spielt die Zusammensetzung des Futters für sie kaum eine Rolle. Sie füttern, was sie seit Jahrzehnten füttern: konventionelle, häufig stark verarbeitete Dosen- oder Trockenfutterprodukte, mit kaum Interesse an Getreidefreiheit, Bio-Siegeln oder Proteinqualität. Damit bildet diese Generation einen scharfen Kontrast zu den jüngeren Haltern, die Ernährung als Ausdruck von Fürsorge, Verantwortung und persönlicher Haltung verstehen.
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Die Ergebnisse der einzelnen Generationen im Überblick
Generation Z (Jahrgänge 1997–2009, Alter 16–28)
- Tierbindung: Sehr hohe emotionale Identifikation. 79 % bezeichnen sich als „Elternteil“, 78 % sehen ihr Tier als Familienmitglied.
- Tierarten: Am häufigsten Hund (68 %) und Katze (68 %).
- Motivation: Gesellschaft (54 %), emotionale Bindung (58 %), Verantwortungsbewusstsein (41 %).
- Ernährungsentscheidungen: 61 % achten auf ähnliche Kriterien wie bei sich selbst (bio, zuckerfrei, nachhaltig). 67 % bevorzugen tierisches Protein.
- Innovationen: Am offensten gegenüber pflanzlichen Alternativen (50 %), Insektenprotein (53 %), In-vitro-Fleisch (46 %). Bedenken bei Verarbeitung und Sicherheit vorhanden.
- Nachhaltigkeit: Vergleichsweise hohe Offenheit für nachhaltige Verpackung und Bio. Gleichzeitig sagen 45 %: „Futter muss vor allem zweckmäßig sein.“
- Skepsis: 44 % lehnen Gentechnik für ihr Tier ab.
- Wiederanschaffung: 23 % würden sich auf jeden Fall wieder ein Haustier anschaffen.
Millennials/Generation Y (Jahrgänge 1982–1996, Alter 29–43)
- Tierbindung: 66 % sehen sich als „Elternteil“, 83 % sprechen regelmäßig mit ihrem Tier.
- Tierarten: Hund (59 %) und Katze (66 %) sind dominant.
- Motivation: Trost (46 %), emotionale Nähe (56 %), Verantwortung (29 %).
- Ernährungsentscheidungen: 60 % achten auf Ähnlichkeit zur eigenen Ernährung. 75 % glauben, gut informiert zu sein. 72 % bevorzugen tierisches Protein.
- Innovationen: 46 % offen für In-vitro-Fleisch, 43 % für Insekten. Mehrheit mit gesundheitlichen Bedenken.
- Nachhaltigkeit: 54 % legen Wert auf nachhaltige Herstellerpraktiken. 45 % sind bereit, für Tierwohl oder Bio-Qualität mehr zu zahlen.
- Skepsis: 51 % lehnen Gentechnik für ihr Tier ab.
- Wiederanschaffung: 22 % würden sich definitiv erneut ein Tier anschaffen – deutlich weniger als ältere Generationen.
Generation X (Jahrgänge 1967–1981, Alter 44–58)
- Tierbindung: 53 % sehen sich als „Elternteil“, 87 % sprechen regelmäßig mit ihrem Tier.
- Tierarten: Hund (50 %) und Katze (58 %) führen.
- Motivation: Emotionale Bindung (48 %), Gesellschaft (63 %), Verantwortung (26 %).
- Ernährungsentscheidungen: 57 % orientieren sich an eigener Ernährung. 70 % bevorzugen tierisches Protein.
- Innovationen: Zurückhaltend: nur 19 % offen für pflanzliche Alternativen, 26 % für Insekten, 40 % für In-vitro-Fleisch.
- Nachhaltigkeit: 46 % übertragen ihre Nachhaltigkeitsstandards auf Tierfutter. Preisbewusstsein ist hoch.
- Skepsis: 51 % halten Gentechnik für ungeeignet.
- Wiederanschaffung: 35 % würden sicher erneut ein Tier halten – moderates Niveau.
Babyboomer (Jahrgänge 1957–1966, Alter 59–68)
- Tierbindung: 51 % sehen sich als „Elternteil“, 89 % sprechen regelmäßig mit ihrem Tier.
- Tierarten: Katze (57 %) vor Hund (45 %).
- Motivation: Soziale Stabilität, emotionale Begleitung, Gewohnheit.
- Ernährungsentscheidungen: 44 % achten auf ähnliche Ernährung wie bei sich selbst. 67 % halten tierisches Protein für wichtig. 86 % befürworten Spezialfutter.
- Innovationen: Geringe Offenheit: 20 % für pflanzliche Alternativen, 26 % für Insekten, 25 % für In-vitro-Fleisch.
- Nachhaltigkeit: 41 % legen Wert auf nachhaltige Herkunft. Nur 27 % zeigen Zahlungsbereitschaft.
- Skepsis: 53 % lehnen Gentechnik ab.
- Wiederanschaffung: 41 % würden sich auf jeden Fall wieder ein Haustier anschaffen – höchster Wert unter allen Gruppen.
Traditionals (Jahrgänge 1946–1956, Alter 69–79)
- Tierbindung: Funktional geprägt, nur 44 % sehen sich als „Elternteil“, 93 % sprechen regelmäßig mit dem Tier.
- Tierarten: Hund (48 %) und Katze (55 %), gelegentlich Kleintiere.
- Motivation: Struktur, soziale Nähe, Lebensbegleitung im Alter.
- Ernährungsentscheidungen: Höchste Skepsis gegenüber Innovationen. Nur 12 % halten einen hohen Fleischanteil für besonders wichtig. 61 % befürworten Spezialfutter.
- Innovationen: Geringste Offenheit aller Gruppen (z. B. 18 % Zustimmung zu In-vitro-Fleisch oder Insekten).
- Nachhaltigkeit: 47 % interessieren sich für Herkunft, aber kaum Bereitschaft zu Mehrkosten.
- Skepsis: 54 % lehnen Gentechnik ab – höchste Ablehnung im Vergleich.
- Wiederanschaffung: 35 % würden erneut ein Haustier halten. Gesundheitliche/finanzielle Gründe sind allerdings häufig ein Hindernis.
Fazit
Die Beziehung zu Haustieren ist stark emotional geprägt – doch wenn es ums Futter geht, entscheiden viele rational. Gesundheit ist das wichtigste Kriterium, gefolgt von Preis und Vertrauenswürdigkeit. Nachhaltigkeit spielt nur dann eine Rolle, wenn sie konkret und transparent kommuniziert wird.
Die jüngeren Generationen zeigen größere Offenheit für neue Konzepte, aber auch hohe Ansprüche an Informationsqualität. Die Pet-Food-Branche steht vor der Herausforderung, ihre Produkte flexibel und zielgruppengerecht zu gestalten – wissenschaftlich fundiert, verständlich erklärt und emotional anschlussfähig. Nur so lassen sich Vertrauen und Akzeptanz über alle Altersgruppen hinweg sichern.