1. Oktober 2025, 17:14 Uhr | Lesezeit: 3 Minuten
Wer mit Tieren lebt, kennt es nur zu gut: Ein kleiner Ausrutscher, eine Schramme im Stall oder eine Schürfwunde nach dem Toben – Verletzungen gehören einfach zum Alltag. Und dann ist sie wieder da, diese bange Frage: Was darf ich meinem Tier auf die Wunde geben, ohne mehr Schaden anzurichten als zu helfen?
Wenn ich an den Medizinschrank meiner Kindheit denke, erscheint sofort ein Bild vor meinem inneren Auge: eine rostrote Salbe. Ich war ständig in Bewegung – und ebenso oft voller Schrammen. Nach jedem Sturz wurde erst desinfiziert, dann kam ein Pflaster mit dieser geheimnisvollen Salbe darauf. Sie wirkte fast wie Zauberei und beschleunigte die Heilung spürbar.
Später im Pferdestall begegnete sie mir wieder: Betaisodona, allgegenwärtig bei kleinen Schrammen und Kratzern. Doch zu Hause galt ein striktes Verbot – bei den Katzen durfte sie auf keinen Fall zum Einsatz kommen. Warum ist das so? Und was gilt eigentlich für Hunde? 1
Was ist eigentlich Betaisodona?
Betaisodona ist als Lösung oder Salbe erhältlich und enthält den Wirkstoff Povidon-Jod. Dieser setzt Jod frei, das Bakterien, Viren und Pilze zuverlässig abtötet. In der Humanmedizin kommt Betaisodona vor allem zur Hautdesinfektion vor Operationen zum Einsatz – um Keime zu beseitigen und das Infektionsrisiko zu senken.
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Darf ich Betaisodona auch bei meinen Tieren anwenden?
Die Antwort fällt wie so oft ernüchternd aus: Es kommt darauf an. Jeder Organismus reagiert anders auf Wirkstoffe – eine pauschale Empfehlung ist daher nicht möglich. Klar ist jedoch: Bei Pferden und Hunden kann Betaisodona grundsätzlich in die Notfallapotheke gehören. Dennoch gilt: Wunden oder Hautinfektionen sollten immer tierärztlich abgeklärt werden.
Besonders bei Hunden ist allerdings auch Vorsicht geboten. Die Anwendung sollte nur in Absprache mit dem Tierarzt erfolgen – und vor allem darf der Hund die behandelte Stelle nicht ablecken. Denn die Aufnahme von Povidon-Jod kann für ihn lebensgefährlich sein. 2
Pferde dürfen mit Betaisodona behandelt werden
Wenn Pferde auf der Koppel mit ihren Artgenossen toben, kann es auch mal schnell zu kleinen Wunden kommen. Um diese zu versorgen, greifen einige Pferdehalter zu dem „Allrounder“ aus der Stallapotheke. Allerdings muss man bei der Behandlung sicherstellen, dass kein Dreck mehr in der Wunde ist – Hygiene ist das A und O. Hilfreich ist, die Wunde einmal auszuspülen und dann mit dem Antiseptikum zu beschmieren. Bei tiefen und blutigen Wunden sollte umgehend der Tierarzt konsultiert werden. 3
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Für Katzen ist die Salbe tödlich
Bei Katzen darf Betaisodona – entgegen manchen verbreiteten Ratschlägen – nicht angewendet werden. Ihr Organismus reagiert empfindlich auf Povidon-Jod – selbst geringe Mengen können zu Vergiftungen führen und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich sein. Wer eine kleine Wunde seiner Katze versorgen möchte, sollte daher auf jodfreie Mittel zurückgreifen. Empfehlenswert sind Antiseptika mit Octenidin.
Fazit
Betaisodona kann in vielen Haus- und Stallapotheken eine wertvolle Hilfe sein – vorausgesetzt, es wird richtig eingesetzt. Während Pferde damit gut versorgt werden können und Hunde nur nach Rücksprache mit dem Tierarzt behandelt werden sollten, ist bei Katzen höchste Vorsicht geboten: Für sie ist Povidon-Jod gefährlich. Wer im Ernstfall auf Nummer sicher gehen möchte, hat für Katzen besser ein jodfreies Antiseptikum wie Octenidin im Schrank.