31. März 2026, 10:49 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Würmer sind beim Pferd keine Seltenheit – und bleiben doch oft lange unbemerkt. Im Verdauungstrakt können sie erheblichen Schaden anrichten. Warum Würmer so tückisch sind und worauf Halter achten sollten, verrät PETBOOK.
Wenn Parasiten die Verdauung aus dem Gleichgewicht bringen
Im Körper des Pferdes läuft die Verdauung meist unauffällig und zuverlässig ab. Der Magen-Darm-Trakt sorgt dafür, dass Nahrung aufgespalten und Nährstoffe aufgenommen werden. Gerät dieses fein abgestimmte System aus dem Gleichgewicht, hat das oft spürbare Auswirkungen auf den gesamten Organismus. Eine mögliche Ursache dafür sind Parasiten im Verdauungstrakt. Würmer siedeln sich im Magen und Darm an und heften sich an die Schleimhaut – also die empfindliche innere Auskleidung. Dort entziehen sie dem Pferd Nährstoffe.
Je nach Wurmart bleibt der Befall auf den Darm beschränkt oder betrifft auch andere Bereiche des Körpers. Einige Larven wandern während ihrer Entwicklung über Blutgefäße in Organe wie Leber oder Lunge. Dabei können sie Gewebe schädigen und Entzündungen auslösen. Im Darm selbst wird die Schleimhaut angegriffen, was die Verdauung beeinträchtigen kann. Nährstoffe werden dadurch schlechter aufgenommen – mit Folgen für Gewicht, Leistungsfähigkeit und den allgemeinen Gesundheitszustand des Pferdes.1
Ursachen für einen Wurmbefall beim Pferd
Die Infektion beginnt meist unbemerkt: Pferde nehmen Wurmeier oder Larven beim Fressen auf. Besonders häufig geschieht das auf der Weide, doch auch im Stall kann es durch verunreinigtes Futter, Wasser oder Kotkontakt zur Ansteckung kommen. Einige Parasiten werden aber auch durch Zwischenwirte übertragen. Bandwürmer gelangen beispielsweise über Moosmilben in den Körper. 2
Hinzu kommt, dass viele Wurmeier extrem widerstandsfähig sind. Sie können teilweise über Monate in der Umwelt überleben. Dadurch entsteht ein dauerhafter Kreislauf: Infizierte Pferde scheiden Eier aus, diese entwickeln sich weiter und werden von anderen Tieren wieder aufgenommen.
Wurmbefall beim Pferd erkennen
Ein Wurmbefall entwickelt sich oft schleichend. Die Symptome sind unspezifisch und werden im Alltag leicht fehlinterpretiert.
Typische Anzeichen sind:
- stumpfes, glanzloses Fell
- Gewichtsverlust oder ausbleibende Gewichtszunahme
- verminderter Appetit
- Durchfall oder Verstopfung
- wiederkehrende Koliken
- reduzierte Leistungsfähigkeit
- Fieber
Je nach Wurmart können zusätzliche Symptome auftreten. Wandern Larven durch die Lunge, kann Husten entstehen. Pfriemenschwänze verursachen starken Juckreiz am After, wodurch sich Pferde die Schweifrübe scheuern. Auffällig ist: Selbst ein stärkerer Befall kann lange unentdeckt bleiben.
So werden Würmer bei Pferden diagnostiziert
Die wichtigste Methode zur Feststellung eines Wurmbefalls ist die Untersuchung von Kotproben. Dabei werden unter dem Mikroskop Eier, Larven oder andere Entwicklungsstadien der Parasiten nachgewiesen.
Für bestimmte Wurmarten, etwa große Strongyliden, sind weiterführende labortechnische Untersuchungen notwendig. Bei Pfriemenschwänzen kann ein Klebestreifen-Test im Analbereich durchgeführt werden, um Eier zu sichern.
Da einzelne Proben nicht immer aussagekräftig sind, werden häufig mehrere Proben oder Sammelproben aus einer Gruppe untersucht. Ergänzend können spezielle Tests, etwa aus Speichel oder Blut, eingesetzt werden, insbesondere bei Bandwürmern.
Wie werden Würmer beim Pferd behandelt?
Die Behandlung erfolgt in der Regel mit sogenannten Anthelminthika. Das sind Medikamente, die Würmer abtöten. Welche Wirkstoffe eingesetzt werden, hängt von der Parasitenart ab.
Heute wird zunehmend darauf geachtet, Medikamente gezielt und nicht unnötig häufig einzusetzen. Hintergrund ist die Entwicklung von Resistenzen: Einige Würmer reagieren bereits weniger empfindlich auf bestimmte Wirkstoffe. Deshalb basiert die Behandlung idealerweise auf vorherigen Kotuntersuchungen.
Es gibt zwei grundlegende Ansätze:
- Strategische Entwurmung: Behandlung nach einem angepassten Plan für den gesamten Bestand, kombiniert mit regelmäßigen Kontrollen
- Selektive Entwurmung: Behandlung nur der Pferde, bei denen tatsächlich ein relevanter Befall nachgewiesen wurde
Bei bestimmten Parasiten, etwa Bandwürmern, wird jedoch häufig der gesamte Bestand behandelt, sobald ein positives Ergebnis vorliegt.
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Wie ist die Prognose?
Würmer bei Pferden sind in vielen Fällen gut behandelbar. Schwere Erkrankungen sind heute seltener geworden, da wirksame Medikamente zur Verfügung stehen.
Dennoch kann ein starker oder unbehandelter Befall ernsthafte Folgen haben. Dazu zählen Entzündungen im Darm, Schäden an inneren Organen oder ein Darmverschluss. Solche Komplikationen können lebensbedrohlich sein. Die Prognose hängt daher stark davon ab, wie früh der Befall erkannt und behandelt wird.
Können Pferdehalter einen Wurmbefall beim Pferd vorbeugen?
Vorbeugung ist ein zentraler Bestandteil im Umgang mit Parasiten. Ziel ist es, den Infektionskreislauf zu unterbrechen.
Wichtige Maßnahmen sind:
- regelmäßige Kotuntersuchungen
- ein individuell abgestimmtes Entwurmungskonzept
- konsequente Hygiene
Auf der Weide sollte Kot regelmäßig entfernt werden, idealerweise alle zwei bis drei Tage. Auch eine angepasste Besatzdichte und Weidewechsel können das Risiko senken.
Im Stall sind tägliches Ausmisten sowie die Reinigung und Desinfektion von Boxen, Futter- und Wasserstellen entscheidend. Da sich Pferde gegenseitig anstecken können, sollte immer der gesamte Bestand berücksichtigt werden. Ein durchdachtes Management hilft, die Verbreitung von Parasiten zu begrenzen und die Wirksamkeit von Medikamenten langfristig zu erhalten.