22. April 2026, 16:46 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Wer im Frühling oder Sommer an Pferdeweiden vorbeifährt, sieht immer wieder ein ungewohntes Bild: große Tiere mit gemusterten Decken und auffälligen Masken auf dem Kopf. Auf den ersten Blick wirkt das fast wie eine Mischung aus Zebra und Science-Fiction – und wirft schnell Fragen auf. Warum stehen Pferde ausgerechnet in der warmen Jahreszeit scheinbar „eingepackt“ auf der Wiese?
Warum tragen Pferde Masken?
Hinter den auffälligen Masken steckt kein ungewöhnlicher Trend, sondern ein gezielter Schutzmechanismus. Es handelt sich um sogenannte Fliegenmasken, die speziell dafür entwickelt wurden, empfindliche Bereiche wie Augen und Gesicht vor Insekten zu schützen.
Gerade in den warmen Monaten sind Pferde vermehrt Fliegen und Pferdebremsen ausgesetzt, die sich bevorzugt im Kopfbereich aufhalten und dort nicht nur stören, sondern auch gesundheitliche Probleme verursachen können.
Sind Fliegen eine Gefahr für Pferde?
Warum müssen Pferde vor Fliegen „geschützt“ werden? Fliegen können Überträger verschiedener Krankheiten sein. Beispielsweise können durch die Insekten Bindehautentzündungen beim Pferd verursacht werden, die sich dann anschließend in der Herde ausbreiten können.
Doch nicht nur das: Fliegen können als Zwischenwirte unter anderem auch Augenwürmer übertragen. Diese können sich dann in Augenregionen wie Tränendrüse oder Bindehautsack einnisten. In der Tiermedizin wird das Thelaziose genannt.1
Warum sind Fliegen an den Augen der Pferde?
Wer im Sommer schon mal etwas näher an einem Pferd stand, dem wird eines schnell aufgefallen sein: Um den Augeninnenwinkel des Pferdes tummelt sich immer mindestens eine Fliege. Und nicht nur das: Oft versammeln sich gleich mehrere Fliegen in einer Linie unter dem Auge – aber warum?2
Die Tränenflüssigkeit der Pferde besteht zu einem Anteil aus Proteinen. Fliegen zieht das augenscheinlich an. Je näher sie dann am Auge des Pferdes sitzen, umso höher ist das Risiko, dass sie Bakterien übertragen, die dann eine Bindehautentzündung verursachen können. Wenn das Auge erst einmal infiziert ist, ist es sehr empfindlich gegenüber Wind oder UV-Strahlung.
Können Pferde durch die Masken sehen?
Die Antwort ist: Ja – und das ist auch wichtig. Pferde sind Fluchttiere und haben ihre Umgebung ständig im Blick, um auf mögliche Gefahren schnell reagieren zu können. Wenn ihnen dann die Sicht eingeschränkt wird, kann das in ihnen Stress und Panik auslösen. Deswegen haben Fliegenmasken immer große Flächen, die mit einem netzähnlichen Stoff bestückt sind, sodass die Tiere wie gewohnt schauen können.
Wenn eine Fliegenmaske allerdings nicht richtig sitzt und schnell verrutscht, kann es problematisch werden. Das zeigt ein Fall aus dem Jahr 2025, als eine verrutschte Fliegenmaske einen großen Rettungseinsatz auslöste. Eine Stute hatte eine Fliegenmaske mit einem Gummizug auf. Diese verrutschte, sodass sie nicht mehr sehen konnte. Sie geriet so sehr in Panik, dass sie sogar durch mehrere Zäune brach und, wie die Tierrettung Essen auf Facebook schilderte, sich sogar zweimal überschlagen haben soll. Die Halterin soll kaum an ihr Pferd herangekommen sein, um die Maske abnehmen zu können. Möglich wurde das erst spät in der Nacht, als es der Tierrettung Essen gelang, das Tier zu sedieren. 3
In den Kommentaren unter dem Post auf Facebook geht vor allem eines hervor: Eine solche Situation, wenn auch nicht in einem solchen Ausmaß, ist unter Pferdehaltern bekannt. Viele sind sich einig: Es kommt auf die richtige Wahl der Fliegenmaske beim Pferd an.
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Wie soll eine Fliegenmaske sitzen und was ist zu beachten?
Um solche kritischen Situationen für Pferd und Halter zu vermeiden, hilft es, sich bei der Auswahl der Maske Zeit zu lassen. Bei einer Pferdemaske kommt es vor allem darauf an, dass das Pferd geschützt ist, aber nicht durch das Tragen der Maske gestört wird. Die Maske sollte also genügend Abstand zum Auge haben. Wichtig ist außerdem, dass das Material der Maske hochwertig und atmungsfähig ist, damit sich keine Hitze unter ihr staut. Zudem ist der Verschluss entscheidend: Es ist wichtig, dass die Maske kaum verrutschen kann, aber für den Fall, dass sie verrutscht, sollte sie schnell abnehmbar sein.
Zudem ist es wichtig, dass Halter täglich kontrollieren, ob die Maske scheuert oder beschädigt ist. Außerdem sollte sie regelmäßig gewaschen werden, um möglichen Dreck zu entfernen. Wenn ein Pferd durchgehend eine Fliegenmaske trägt (etwa im Offenstall), ist es wichtig, dass mehrmals täglich geschaut wird, ob die Maske noch da sitzt, wie sie soll.
Warum haben so viele Fliegendecken Zebramuster?
Im Sommer sieht man aber nicht nur große Masken auf den Pferdeköpfen, sondern auch Pferde, eingehüllt in Decken. Aber wieso sollte man im ohnehin schon warmen Sommer Pferden auch noch eine Schicht extra verpassen? Dabei kommt es auf die Funktion der Decke an: Neben Fliegenmasken gibt es nämlich auch Fliegendecken, die am ganzen Körper Pferde vor Insekten schützen sollen, wie Bremsen, deren Stiche für Pferde schmerzhaft sind. Diese Decken bestehen aus dünnem, atmungsfähigem Material, welches eine kontinuierliche Luftzirkulation erlaubt, wodurch das Pferd nicht überhitzt.
Vielleicht ist es Ihnen auch schon aufgefallen, dass es viele Pferdefliegendecken im Zebra-Look gibt – ist das nur Deko oder steckt da ein Sinn hinter? Tatsächlich kann eine Fliegendecke mit Zebrastreifen eine Funktion haben. Laut einer Studie der University of California aus dem Jahr 2019 sollen nämlich auf Zebras weniger Bremsen landen als auf Pferden. Das internationale Forscherteam unter der Leitung von Tim Caro beobachtete dafür drei Zebras und neun Pferde auf einer Farm in Großbritannien und testete zusätzlich verschiedene Deckenmuster sowie das Anflugverhalten der Insekten per Video.4
Das Ergebnis: Bremsen nähern sich zwar, haben aber sichtbar Probleme, auf gestreiften Flächen kontrolliert zu landen. Genau darin liegt der mögliche Vorteil der Zebra-Optik. Allerdings ist die Aussagekraft begrenzt – denn untersucht wurden nur sehr wenige Tiere.