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Vor- und Nachteile

Sollten Halter ihre Pferde im Herbst scheren?

Pferd wird geschoren
Im Herbst stehen viele Pferdehalter vor der Entscheidung: Soll man sein Pferd scheren, oder lieber nicht? Foto: picture alliance / Caro
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Werkstudentin

3. November 2025, 17:01 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

Wenn die Tage kürzer werden, beginnt bei Pferden der Fellwechsel. Kaum beginnt der Fellwechsel, flammt unter Pferdehaltern die altbekannte Diskussion auf: Soll man das Pferd scheren oder nicht? PETBOOK geht Vor- und Nachteil auf den Grund.

Viele Reiter kennen es: Wenn der Herbst einbricht, dann wird der Zwiebel-Look wieder in. Die Thermoreithosen werden gezückt und über das Oberteil kommen ein Pullover, eine Weste und eine Jacke. Und nicht nur das – am Stall sieht man jetzt öfter Thermoskannen und Mützen und Stirnbänder. Doch nicht nur Reiter passen sich den niedrigen Temperaturen an, auch die Pferde wissen sich zu helfen.

Oftmals wächst den Tieren im September oder spätestens Ende Oktober ein dickes, dichtes Winterfell. Erfahrungsgemäß kann es dann in den Stallgassen öfter mal zu Diskussionen kommen und es stellt sich die fast schon philosophische Frage, ob man das Pferd scheren soll oder nicht – frei nach dem Motto: „Sein oder nicht sein“. PETBOOK gibt Ihnen einen Überblick über die Vor- und Nachteile.

Was passiert beim Fellwechsel?

Pferde können sich evolutionär bedingt an ihre Umgebung anpassen. Araberpferde können gut die Hitze ihres Ursprungs aushalten, wohingegen Jakuten-Pferde den eisig niedrigen Temperaturen Sibiriens ausgezeichnet standhalten. Und auch in europäischen Regionen passen sich die Pferde ideal an die Jahreszeiten an – aber woran merken sie eigentlich, dass es Zeit wird für einen Fellwechsel?

Viele vermuten, dass es mit den niedriger werdenden Temperaturen zu tun hat. Doch falsch gedacht – es liegt nicht an der Temperatur, sondern an der Sonnenstrahlung. Sobald die Tage kürzer werden, stellt sich ihr Stoffwechsel um. Die Tiere produzieren dann über die Schilddrüse vermehrt das stoffwechselanregende Hormon Thyroxin. Dadurch wird die Fellproduktion verstärkt und das Winterfell beginnt zu wachsen.

Das Winterfell ist meist dichter und länger und dient dem Pferd jetzt zur gezielten Wärmeregulation. Bei niedrigen Temperaturen stellen sich die Winterfellhaare gerade auf – ähnlich wie bei einer Gänsehaut. Dabei entsteht eine kleine Luftschicht zwischen Haaren und Haut des Pferdes, die als Wärmebarriere dient. Diesen Mechanismus zur Regulation nennt man Piloerektion.1

Auch interessant: Pferd verliert das Winterfell nicht? Es könnte an dieser Krankheit liegen

Warum scheren Halter ihre Pferde?

Eins vorab: Ob und warum man sein Pferd schert, ist eine individuelle Entscheidung, die von mehreren Faktoren abhängt. Es gibt mehrere Gründe, warum Halter ihren Pferden eine Schur verpassen. Ein häufiger Grund ist, dass die Pferde durch die Schur weniger schwitzen. Nach dem Training benötigt das Pferd weniger Zeit zum Abschwitzen und steht dadurch nicht lange nass in der Kälte.

Einige Pferde bilden sehr viel dichtes Winterfell aus. Etwa meine Ponystute Little Princess. Sie war ein Deutsches-Reitpony-Mix und musste ziemlich robuste Vorfahren gehabt haben. Wenn man durch ihr Winterfell streifte, konnte man kaum die darunterliegende Haut sehen. An und für sich war das kein Problem. Doch die Ponystute war ein unfassbares Energiebündel und brauchte entsprechend Bewegung. Durch das dicke Fell schwitzte sie besonders doll und es dauerte teilweise bis zu zwei Stunden, bis sie wieder trocken war. Da keine Bewegung überhaupt keine Lösung ist, haben wir uns ein Jahr später dazu entschieden, sie zu scheren.

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Nachteile des Scherens im Herbst

Unter Pferdefans finden sich auch Stimmen, die das Scheren von Pferden eher ablehnen. Denn es bringt nicht nur Vorteile. Wer sein Pferd schert, muss im Hinterkopf haben, dass das Fell ein natürlicher Schutz für das Tier ist. Wenn dieser Schutz wegfällt, kann das Pferd an den Stellen empfindlicher auf Berührungen reagieren.

Zudem müssen geschorene Pferde eingedeckt werden. Damit wird das geschorene Fell kompensiert. Trotz der Decke können geschorene Pferde dazu neigen, schneller zu frieren. Außerdem kann die Schur an und für sich Stress für das Pferd bedeuten, wenn das Pferd daran nicht gewöhnt ist.

Sollte man sein Pferd scheren?

Wie zuvor erwähnt, ist das eine individuelle Entscheidung. Wenn Sie Schwierigkeiten bei der Entscheidung haben, lohnt es sich, ein Beratungsgespräch mit Ihrem Tierarzt zu führen. Mit ihm können die Vor- und Nachteile individuell besprochen werden. Manchmal spielen nämlich auch andere Faktoren eine Rolle: Hat das Pferd eine relevante Vorerkrankung? Wird es häufig intensiv bewegt? Gibt es im Stall ein Pferdesolarium? Neigt das Pferd zu Hautkrankheiten?

Bei meiner Ponystute habe ich mir mit der Entscheidung auch Zeit gelassen und sie nicht von heute auf morgen geschoren. Zudem hat mir der Rat meines Tierarztes ebenfalls weitergeholfen.

Wie schert man ein Pferd?

Bevor man ein Pferd schert, muss man einige Dinge beachten. Zuerst muss man sich sicher sein, dass das Tier sein Winterfell voll entwickelt hat. Dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um das Pferd zu scheren.

Nun stellt sich die Frage nach der passenden Schurart – denn Schur ist nicht gleich Schur. Viele Halter scheren ihre Pferde nach bestimmten Mustern. Eines vereint alle: Beim Scheren ist es wichtig, nicht das ganze Pferd zu scheren. Etwa die Regionen der Nieren und der Augen, Ohren und des Mauls sollten niemals geschoren werden. Auch die Sattellage sollte nicht geschoren werden, denn sonst kann der Sattel dem Tier unangenehme Scheuerstellen verpassen. Bei meiner Ponystute habe ich immer eine Art Rallye-Schnitt geschoren. Dabei wurde nur ein Streifen weggenommen, an den Stellen, an denen sie am meisten geschwitzt hat.

Keine Schur ohne Vorbereitung!

Wichtig dabei ist allerdings, das Pferd auf die Schur vorzubereiten. Eine Schermaschine ist nämlich nicht sehr leise – das Tier sollte also mit dem Geräusch vertraut gemacht werden. Wenn das Pferd zum ersten Mal das Winterfell verliert, sollten sie vor der eigentlichen Schur schon mal den Kontakt trainieren. Schalten Sie die Maschine ein und belohnen Sie jede neugierige Reaktion des Tiers. Das Pferd sollte mit dem Geräusch eine positive, stressfreie Assoziation entwickeln. Das erreichen Sie am ehesten mit positiver Verstärkung.

Wenn das Pferd gelernt hat, die Maschine tut ihm nichts, dann können sie langsam anfangen, sie an das Fell zu halten – ohne zu scheren. Geduld und kleine Trainingsschritte schaffen Vertrauen – so wird die erste Schur zu einer positiven Erfahrung.

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Worauf man bei der Decken-Auswahl achten sollte

Als ich mich mit der Schur befasst habe, war mir schnell klar: Eine passende Decke ist das A und O. Bevor Sie zur Schermaschine greifen, sollte die passende Decke bereits bereitliegen – und die zu finden, ist gar nicht so einfach:

Länge der Decke

Worauf muss man also bei der Decken-Auswahl achten? Als Erstes sollte die Größe der Decke passen. Messen Sie dafür die Länge vom Widerrist bis zum Schweifansatz. Mit dieser Länge können Sie nun die entsprechend lange Winterdecke kaufen.

Manchmal kommt es vor, dass es keine passende Decke gibt. Dann kann es helfen, noch einmal Maß zu nehmen: von Brustmitte bis zum Ende der Hinterhand. Diese Länge hilft Ihnen, die Größe der Decke besser einschätzen zu können – einige Hersteller schreiben nämlich in die Artikelbeschreibung die gesamten Maße der Decke.

Füllung der Decke

Decken haben verschiedene Füllungen – lassen Sie sich davon nicht beirren. Es gibt Füllungen zwischen 50 und 400 Gramm. Die Grammzahl bezieht sich dabei auf Gramm pro Quadratmeter. Decken mit 50 bis 100 Gramm eignen sich für die Übergangszeit und für Pferde, die eingedeckt, aber nicht geschoren werden.

Wenn es kälter wird, kommen die Decken ab 200 Gramm zum Einsatz. Die ganz dicken Decken mit 400 Gramm Füllung pro Quadratmeter sind vorwiegend für geschorene, kälteempfindliche Pferde geeignet.

Winterdecke und Regendecke

Idealerweise hat Ihre Winterdecke auch eine regenabweisende Funktion. Gerade im Winter ist es wichtig, wenn es schneit und die Pferde draußen stehen, dass die Decke nicht durchweicht. Dadurch erhöht sich das Erkältungsrisiko des Tiers.

Wenn Ihre Winterdecke keine Regenfunktion hat, dann rüsten Sie am besten nach. Die meisten Regendecken gibt es auch mit verschiedenen Fülloptionen. Es gibt aber auch Kombi-Modelle – dabei können Sie die Unterdecke mit der Füllung beliebig austauschen und eine Regendecke darüber anbringen.

Wenn der Hals mitgeschert wurde

Je nach Schurart wird der Hals des Pferdes teilweise mitgeschoren. In einem solchen Fall sollten Sie den Hals durch ein zusätzliches Deckenteil eindecken. Viele Hersteller bieten dafür auch Kombi-Modelle an.

Rissfestigkeit

Die Rissfestigkeit einer Decke ist für manche Pferdehalter ein leidiges Thema. Ich kann mich gar nicht erinnern, wie viele Decken ich nachgekauft habe, oder in Reserve hatte – meine Ponystute hat nie lange gebraucht, ihre Decke zu ruinieren.

Glücklicherweise gibt es mittlerweile Decken, die nahezu rissfest sind. Die Hersteller geben dazu eine Textilgröße an: Denier. Denier beschreibt die Fadenstärke: Je höher der Wert, desto robuster das Material.

Fazit: Eine allgemeine Empfehlung gibt es nicht

Pauschal kann und sollte man die Frage nicht beantworten. Ob ein Pferd geschoren werden sollte, hängt von vielen Faktoren ab – von der Fellbeschaffenheit über die Trainingsintensität bis hin zur Haltung und dem Gesundheitszustand des Tiers. Eine allgemeine Empfehlung gibt es daher nicht. Nach sorgfältiger Abwägung und einem Gespräch mit dem Tierarzt lässt sich eine fundierte Entscheidung treffen.

Wenn Sie sich für eine Schur entscheiden, achten Sie auf eine passende Eindeckung, und mit der richtigen Vorbereitung auf die Schur kann man jedoch sicherstellen, dass das Pferd optimal durch den Winter kommt.

Quellen

  1. vet.thieme.de, „Pferde – Scheren oder Nicht-Scheren?“ (aufgerufen am 01.11.2025) ↩︎

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