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Der Knabstrupper – die gepunktete Pferderasse hinter Pippi Langstrumpfs „Kleiner Onkel“

Gepunktetes Pferd
Wenn man einen Knabstrupper sieht, kommt einem gleich ein anderes Pferd in den Kopf: der kleine Onkel – das Pferd von Pippi Langstrumpf. Foto: GettyImages/huettenhoelscher
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Werkstudentin

9. November 2025, 16:11 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten

Kennen Sie schon den Knabstrupper? Diese außergewöhnliche Pferderasse erinnert mit ihrem gepunkteten Fell an das berühmte Pferd von Pippi Langstrumpf „Kleiner Onkel“. PETBOOK wirft einen Blick auf die faszinierende Geschichte, den besonderen Charakter und die richtige Haltung dieser charmanten Tigerschecken.

Herkunft

Um der Frage nach der Herkunft dieser heute seltenen Rasse auf den Grund zu gehen, müssen wir den Spuren bis nach Dänemark folgen. Wir befinden uns auf einem königlichen Gestüt. Hier werden seit Mitte des 16. Jahrhunderts Frederiksborgen gezüchtet – eine der bedeutendsten Pferderassen. Über viele Jahre wurde sie mit spanischen Rassen gekreuzt, woraus später Rassen wie Lipizzaner entstanden sind. Für den Adel war diese Rasse besonders attraktiv: Die königlichen Gestüte bildeten die Pferde aus und setzten sie in Kriegen ein. Frederiksborgen gab es in vielen verschiedenen Fellfarben – doch eine fiel besonders ins Auge.

Die weißen Pferde mit dunkelbraunen Flecken sprachen auch vermögende Privatpersonen an – heute kennen wir diese Pferde unter der Bezeichnung Knabstrupper. Und das hat die Pferdewelt dem sogenannten Major Villars Lunn zu verdanken. Er kaufte einem königlichen Gestüt im frühen 19. Jahrhundert eine Stute mit charakteristischer Fellfarbe ab. Auf seinem Gut Knabstrup begann er mit dieser Stute anzuzüchten. Viele waren von der weitergegebenden Musterung begeistert. Bei den jährlichen Auktionen des Guts Knabstrup kamen Besucher und Bieter aus aller Welt. Die Rasse ist nun nach ihrem Herkunftsort benannt – Gut Knabstrup.

Knabstrupper wurden als Showpferde eingesetzt, aber nicht nur da: Da sie sehr vielfältige Tiere sind, wurden sie auch in der Landwirtschaft und als Dressurpferde genutzt. Im frühen 20. Jahrhundert nahm der Bestand ab. Grund dafür war ein Brand 1840 auf dem Gestüt, der den ohnehin schon geringen Bestand deutlich verringerte. Die dann noch bestehende geringe Population der Knabstrupper stammte zum Großteil von der Mutterstute des Majors ab. Um Inzucht zu verhindern, wurde dementsprechend nicht mehr viel gezüchtet. In den 1940ern wurde die Zucht der Linie neu angestoßen und zusätzlich ähnlich aussehende Appaloosas eingekreuzt. Heutzutage sind Knabstrupper eine der seltensten Rassen – mittlerweile werden sie hauptsächlich in Deutschland, Dänemark und den USA gezüchtet.

Aussehen

Der Knabstrupper ist ein mittelgroßes, kräftig gebautes und zugleich elegantes Pferd – mit einem Stockmaß von 147 bis 165 Zentimetern – je nach Quelle, kann die Größe schwanken. Sein Körperbau wirkt kompakt und harmonisch. Er ist geprägt von einem muskulösen Hals, einer gut entwickelten Kruppe und einem ausgeprägten Widerrist. Der Rücken ist eher kurz und der Schweif tief angesetzt. Auffällig sind auch die langen Beine mit definierten Gelenken und festen Hufen, die ihn trittsicher im unebenen Gelände machen. Der Kopf zeigt meist ein gerades oder leicht gebogenes Profil mit wachen, ausdrucksstarken Augen.

Das unverwechselbare Kennzeichen dieser Rasse ist jedoch ihr außergewöhnliches Fellmuster – die sogenannte Tigerscheckung. Dabei werden fünf verschiedene Varianten unterschieden:

  • Volltiger oder Leopard: gleichmäßig gepunktet auf heller Grundfarbe
  • Schabrackentiger: Vorderkörper einfarbig, Kruppe gepunktet
  • Einfarbige: braun, schwarz, ohne Scheckung
  • Weißgeborene: Sind weiß geboren, aber ohne Schimmel-Gen
  • Schneeflockentiger: dunkle Grundfarbe mit hellen Punkten

Charakter & Gemüt

Die Tigerschecken sind vor allem für ihre Nervenstärke und Gelassenheit bekannt – auch wenn diese, wie bei uns Menschen, mal tagesformabhängig sein kann. Ihr freundliches und neugieriges Wesen macht sie zu idealen Partnern, selbst für Einsteiger oder Wiedereinsteiger. Knabstrupper gelten als ausgeglichen, intelligent und motiviert, auch wenn das Interesse manchmal – ganz pferdetypisch – dem Futter gilt, bevor der Reiter wieder spannend wird.

Und wer denkt, diese Rasse habe keine Prominenz, irrt gewaltig: Der wohl berühmteste Knabstrupper der Welt war das treue Pferd von Pippi Langstrumpf – Kleiner Onkel. Auch wenn er in den Filmen als weißes Pferd mit aufgemalten schwarzen Punkten auftrat und auch in den Geschichten als Schimmel bezeichnet wird – streng genommen also ein Schimmel mit „Knabstrupper-Ambitionen“ –, verkörpert er perfekt den typischen Charakter dieser Rasse: stark, eigenwillig, freundlich – und immer für ein Abenteuer zu haben.

Gang & Disziplin

Knabstrupper haben einen raumgreifenden, leichtfüßigen Gang. Sie schreiten elegant im Schritt, traben rhythmisch und haben einen geschmeidigen Galopp. Dadurch sind ihre Gänge angenehm zu sitzen.

Wer gerne Dressur reitet, Bodenarbeit und gymnastizierende Arbeit und Geländeritte mag, der wird mit Knabstruppern glücklich werden. Sie sind vielseitig einsetzbar und für fast jeden Spaß zu haben. Neue Lektionen zu lernen, bereitet ihnen Freude – die Tiere werden gerne gefördert.

Richtige Haltung & Pflege

Aufgrund der verschiedenen Felltypen unterscheidet sich auch die Pflege. Besonders Pferde mit einer hellen Fellfarbe haben es im Sommer manchmal schwerer: Stichwort Sonnenbrand. Wenn die Sonne wieder hochsteht, sollten Sie darauf achten, dem Tier genug Schattenplätze zur Verfügung zu stellen. Ansonsten gilt wie auch bei allen anderen Pferden: Vor dem Training putzen, regelmäßige Zahnpflege, Entwurmung und Impfung.

Da Pferde soziale Tiere sind, sollten auch Knabstrupper mit Artgenossen ihre Freizeit ausgiebig genießen dürfen. Mindestens genauso wichtig sind regelmäßige, ausreichende Koppelgänge auf großen Weiden.

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Ernährung

Knabstruppern sollten stets genug Raufutter und Wasser zur Verfügung stehen. Wenn Sie im Frühling auf das Weiden umstellen, sollten Sie dafür genug Zeit einplanen, damit sich der Pferdeorganismus an die Umstellung gewöhnen kann. Zusätzliches Kraftfutter oder Mineralfutter sollte immer mit dem Tierarzt abgesprochen sein.

Anfälligkeiten für bestimmte Krankheiten

Beim Knabstrupper tritt häufig das sogenannte „Menschenauge“ auf – eine weiß umrandete Iris, die anfällig für wiederkehrende Entzündungen ist. Ohne rechtzeitige Behandlung kann dies zu Sehschäden oder Erblindung führen. Im Ernstfall sind Injektionen am Auge nötig, weshalb immer ein Tierarzt hinzugezogen werden sollte.

Seltener kommt es zu Hyperpigmentierung, einer erblichen Störung, die kurz nach der Geburt Haut-, Huf-, Augen- und Zahndefekte verursacht. Stuten sind meist lebensfähig, männliche Fohlen sterben jedoch im Mutterleib. Betroffene Tiere dürfen nicht zur Zucht verwendet werden.

  • Charakter: intelligent, freundlich, nervenstark
  • Stockmaß: 147 bis 165 Zentimeter
  • Fellfarbe: Tigerschecke
  • Gang: elegant, leichtfüßig
  • Disziplin: Freizeit, Dressur
  • Besonderheiten: Fellfarbe und Anfälligkeit für „Menschenauge“, Hyperpigmentierung

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