1. September 2025, 10:53 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Trittsicher, wetterfest und mit einzigartigem Gangwerk ausgestattet – das Islandpferd ist weit mehr als ein Pony im Nordlicht-Gewand. Als direkte Nachkommen der Wikingerpferde gelten Isländer als eine der reinsten und ursprünglichsten Pferderassen weltweit. Ihre besondere Veranlagung für Tölt und Pass sowie ihr freundliches, ausgeglichenes Wesen machen sie zu idealen Freizeit- und Trekkingpferden – sowohl für Anfänger als auch erfahrene Reiter.
Herkunft
Die Geschichte des Islandpferdes beginnt im 9. Jahrhundert, als Wikinger und Kelten ihre robusten Kleinpferde mit nach Island nahmen. Diese Ursprungstiere – eine Mischung aus keltischen und germanischen Ponyrassen – bildeten die Grundlage für die heutige Rasse. Aufgrund der isolierten Lage Islands und strenger Zuchtvorschriften entwickelte sich das Islandpferd über mehr als 1000 Jahre hinweg ohne Einkreuzung anderer Rassen – ein weltweit einzigartiger Fall in der Pferdezucht.
Seit 1909 ist der Import fremder Pferde nach Island gesetzlich verboten. Auch exportierte Isländer dürfen nie wieder zurückkehren. Hintergrund sind vor allem seuchenhygienische Maßnahmen: Auf der Insel existieren kaum bekannte Pferdekrankheiten. Diese jahrhundertelange genetische Isolation macht den Isländer zu einer der reinblütigsten Pferderassen der Welt.
Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Islandpferd auch über die Grenzen seiner Heimat hinaus populär. In Deutschland sorgten vor allem die „Immenhof“-Filme der 1950er-Jahre für wachsende Beliebtheit. Heute leben rund 60.000 Isländer in Deutschland – nach Island selbst ist dies das zweitgrößte Zucht- und Exportland.
Aussehen & Fell
Islandpferde vereinen robuste Körperkraft mit ausdrucksstarkem Erscheinungsbild. Ihr Exterieur reicht vom kompakten „Ponytyp“ bis zum etwas schlankeren Reitpferdetyp. Mit einem Stockmaß von 1,25 bis 1,50 Metern und einem Gewicht von 300 bis 500 Kilogramm fallen sie offiziell unter die Kategorie „Kleinpferd“, werden aber aufgrund ihres kräftigen Körperbaus und Einsatzes als Reitpferde dennoch als Pferde klassifiziert.
Ein besonders auffälliges Merkmal ist ihre üppige, oft wuschelige Mähne und der dichte Schweif. Hinzu kommt ein wetterfestes, doppellagiges Fell, das sie zuverlässig vor den rauen Witterungsbedingungen ihrer Heimat schützt. Isländer kommen in nahezu allen Farbvarianten vor – über 40 Grundfarben mit über 100 Schattierungen –, mit Ausnahme der Tigerscheckung. In Island glaubt man sogar, die Fellfarbe sei Ausdruck der Persönlichkeit des Tieres.
Charakter & Gemüt
Das Islandpferd ist bekannt für seinen gutmütigen, nervenstarken und freundlichen Charakter. Aufgrund ihrer Herkunft in freier Natur und halbwilder Haltung auf Island verfügen sie über ein ausgeprägtes Sozialverhalten, sind selbstbewusst und gleichzeitig menschenbezogen.
Sie gelten als temperamentvoll, aber stets ausgeglichen, was sie zu verlässlichen Partnern im Gelände macht. Durch ihr sensibles Wesen und ihre Kooperationsbereitschaft können sie sich gut auf verschiedene Reiter einstellen – vom Kind bis zum Profi. Ihre innere Ruhe und hohe Ausdauer machen sie zudem zu idealen Trekkingpferden. Trotz ihrer Gelassenheit haben sie auch eine lebhafte Seite, die vor allem beim Reiten ihrer besonderen Gangarten zum Ausdruck kommt.
Gang & Disziplin
Isländer gelten als lernfreudig, kooperativ und intelligent, weshalb sie sich bei entsprechender Konsequenz gut erziehen lassen. Ihre Sensibilität erfordert jedoch eine feinfühlige, aber klare Kommunikation. Eine solide Grundausbildung ist essenziell – insbesondere, da sie oft eingeritten werden (zwischen dem vierten und fünften Lebensjahr).
Frühe Sozialisation im Herdenverband ist unabdingbar, ebenso wie ein konsequenter, aber liebevoller Umgang. Besonders beim Erlernen und Verfeinern der Gangarten Tölt und Pass ist ein erfahrener Ausbilder hilfreich. Ihre Anpassungsfähigkeit und Menschenbezogenheit fördern eine enge Pferd-Mensch-Beziehung, die sie zu idealen Familien- und Freizeitpferden macht.
Ihr Gang macht die Isländer besonders – die meisten anderen Pferde können nur die drei Grundgangarten. Aber was versteckt sich hinter dem Tölt und Rennpass? Die zusätzlichen Gangarten entwickelten sich evolutionsbedingt. Dabei ist der Tölt eine schrittähnliche Gangart, allerdings schneller und ohne schreitende Bewegung. Der Tölt wirkt zwar etwas holprig, ist aber eigentlich eher erschütterungsarm. Beim Rennpass wiederum geht es um Schnelligkeit. Pferde können bis zu 45 Kilometer pro Stunde erreichen. Aufgrund ihrer Besonderheiten, gibt es für Isländer ganz eigene Turniere. Hier wird vor allem auf die Schnelligkeit und Sauberkeit der zusätzlichen Gänge geschaut.
Richtige Haltung & Pflege
Das Islandpferd ist ein ausgesprochen robustes Freilandpferd, das ganzjährig im Offenstall oder auf der Weide gehalten werden sollte. Eine reine Boxenhaltung entspricht nicht seiner Natur und kann Verhaltensauffälligkeiten begünstigen. Sozialkontakte zu Artgenossen sind unverzichtbar, da Isländer ausgeprägte Herdentiere sind.
In ihrer Heimat leben sie unter härtesten Witterungsbedingungen – entsprechend genügsam sind sie auch in Mitteleuropa. Ihr dichtes Winterfell schützt sie zuverlässig, dennoch sollten bei Haltung in Deutschland Unterstände oder Offenställe zur Verfügung stehen.
Zur Pflege zählen regelmäßige Hufkontrollen, Zahnpflege und Parasitenbehandlungen. Auch Striegeln vor dem Reiten ist wichtig, um Scheuerstellen zu vermeiden. Bei artgerechter Haltung erreichen Isländer ein hohes Lebensalter von 25 bis 40 Jahren.
Ernährung
Die Fütterung des Islandpferdes muss an seinen ursprünglichen Stoffwechsel angepasst werden. Da Isländer von Natur aus karge, nährstoffarme Weiden gewohnt sind, reagieren sie empfindlich auf eiweißreiches, energiedichtes Gras. Überfütterung kann zu Krankheiten wie Sommerekzem oder Hufrehe führen.
Grundlage sollte immer hochwertiges Raufutter in Form von Heu sein. Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine müssen bedarfsgerecht ergänzt werden, besonders wenn keine naturnahe Weide zur Verfügung steht. Frisches Wasser muss jederzeit verfügbar sein. Pferdeleckerlis sollten nur in Maßen und gezielt als Belohnung eingesetzt werden.
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Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten
Durch die genetische Isolation der Rasse und das Einfuhrverbot von Pferden nach Island gibt es auf der Insel kaum bekannte Pferdekrankheiten. In Europa jedoch müssen Isländer sorgfältig überwacht werden, da sie empfindlich auf Überfütterung und Parasiten reagieren können.
Häufige Probleme in mitteleuropäischer Haltung sind Sommerekzem – eine allergische Reaktion auf Insektenstiche – und Hufrehe, ausgelöst durch zu nährstoffreiche Fütterung. Regelmäßige Gesundheitschecks von Zähnen, Hufen und Haut sowie gezielte Parasitenbehandlungen (z. B. zweimal jährlich) helfen, gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden.
Das Islandpferd im Überblick
- Charakter: Gutmütig, nervenstark, ausgeglichen, sozial
- Stockmaß: 125–150 cm (Kleinpferd)
- Fellfarben: 40 Grundfarben mit über 100 Farbvarianten (keine Tigerschecken)
- Gang: Beherrscht bis zu fünf Gangarten (Tölt und Pass)
- Disziplin: Freizeit-, Trekking- und Geländereiten; auch für Anfänger und Kinder
- Besonderheiten: kann empfindlicher auf Überfütterung reagieren