17. März 2026, 11:47 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein Pferd wirkt ruhiger, frisst schlechter, hat leichten Nasenausfluss – wirkt harmlos. Doch genau so beginnt oft Druse, eine hochansteckende Infektion. Was dann folgt, wird schnell ernst: Fieber, schmerzhafte Schwellungen – und Ansteckungsgefahr für den ganzen Stall. PETBOOK erklärt, worauf es jetzt ankommt.
Was passiert im Pferdekörper bei einer Druse-Infektion?
Bei Druse handelt es sich um eine bakterielle Infektionskrankheit, die vor allem die oberen Atemwege des Pferdes betrifft – dazu gehören Bereiche wie Nase und Rachen. Diese Organe haben normalerweise wichtige Funktionen, wie das Filtern und Erwärmen der eingeatmeten Luft.
Druse wird durch das Bakterium Streptococcus equi equi verursacht. Gelangt dieser Erreger in den Körper, befällt er die Schleimhäute der Atemwege und breitet sich in den umliegenden Lymphknoten aus. Tückisch dabei ist, dass Druse oftmals zu Entzündungen dieser Lymphknoten führt, sodass sie sich mit Eiter füllen. Daraus entstehen dann sogenannte Abszesse, also abgekapselte Eiteransammlungen.
In manchen Fällen können diese Abszesse aufbrechen – entweder nach außen oder in innere Bereiche wie den Luftsack. Der Luftsack ist eine mit Luft gefüllte Erweiterung der Ohrtrompete beim Pferd. Wenn sich dort Eiter ansammelt, kann dies den Krankheitsverlauf verkomplizieren.1
Warum erkranken Pferde an Druse?
Die Ursache der Druse ist eindeutig: das Bakterium Streptococcus equi equi. Dieses kommt weltweit vor und ist hoch ansteckend. Die Übertragung kann auf verschiedenen Wegen erfolgen. Häufig geschieht sie durch direkten Kontakt zwischen Pferden, etwa über Nasensekret oder Husten. Auch indirekte Übertragungen sind möglich, beispielsweise über gemeinsam genutzte Gegenstände wie Wassereimer auf der Koppel. Menschen können ebenfalls das Bakterium über Hände oder Kleidung weitertragen, ohne selbst zu erkranken.
Außerdem können auch sogenannte „stille Träger“ Überträger der Krankheit sein. Dabei handelt es sich um Pferde, die bereits erkrankt und genesen, aber weiterhin infektiös sind. In ihren Luftsäcken können sogenannte Eitersteine verbleiben. Diese sind für das betroffene Pferd oft unproblematisch, können jedoch andere Pferde anstecken.2
Vor allem junge Pferde erkranken häufig. In Ställen kann es deshalb schnell zu Ausbrüchen kommen, bei denen mehrere Tiere gleichzeitig betroffen sind.3
Wie kann ich Druse erkennen?
Die ersten Anzeichen der Druse sind oft unspezifisch. Typischerweise beginnt die Erkrankung mit hohem Fieber, das bis zu 40 °C erreichen kann. Gleichzeitig zeigen betroffene Pferde Apathie, wirken also ungewöhnlich ruhig oder teilnahmslos, und fressen schlechter.4
Im weiteren Verlauf treten deutlichere Symptome auf. Dazu gehören:
- Eitriger Nasenausfluss
- Husten
- angeschwollene Lymphknoten im Kopfbereich, insbesondere unter dem Unterkiefer oder an der Ganasche
Die Krankheitsdauer liegt meist zwischen fünf und 14 Tagen, kann jedoch variieren. Neben typischen Verläufen sind auch atypische oder schwere Verläufe möglich. In seltenen Fällen kann es zu Komplikationen wie Abszessen in anderen Körperregionen, Fieberreaktionen oder Muskelproblemen kommen.
Wie der Tierarzt Druse diagnostiziert
Der Verdacht auf Druse, oder eventuelle Symptome sollte immer schnellstmöglich tierärztlich abgeklärt werden. Da die Erkrankung sehr ansteckend ist, wird empfohlen, betroffene Pferde frühzeitig zu isolieren. Zur Diagnose werden verschiedene Proben entnommen. Dazu gehören Tupferproben aus Abszessen oder dem Nasen-Rachen-Raum sowie Spülproben aus dem Luftsack.
Als besonders zuverlässig gilt die Untersuchung von Luftsackspülproben. Je nach Symptomatik kann zudem eine Endoskopie notwendig sein. Dabei handelt es sich um eine Spiegelung der oberen Atemwege mit einer kleinen Kamera, um Veränderungen sichtbar zu machen.
Kann Druse behandelt werden?
Die Behandlung der Druse richtet sich nach dem Schweregrad der Infektion. In unkomplizierten Fällen ist häufig kein Klinikaufenthalt notwendig. Das Pferd kann sich unter tierärztlicher Kontrolle im Stall genesen, muss jedoch strikt von anderen Pferden getrennt werden.
Wichtig ist, dass Hygienemaßnahmen eingehalten werden, um eine Weiterverbreitung zu verhindern. Welche Maßnahmen konkret erforderlich sind, hängt von den Gegebenheiten im jeweiligen Stall ab und wird durch den Tierarzt festgelegt.
In schweren Fällen, etwa bei Infektion des Luftsacks oder bei Komplikationen, kann ein Klinikaufenthalt notwendig sein. Dann wird der Luftsack mithilfe eines Endoskops gespült, um Eiter zu entfernen. Die Behandlung erfolgt individuell abgestimmt auf das betroffene Pferd.
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Prognose bei einer Druse-Infektion
In den meisten Fällen verläuft die Druse unkompliziert, und die Prognose ist gut. Auch bei Beteiligung des Luftsacks bleibt die Prognose in der Regel günstig, allerdings ist die Behandlung dann aufwendiger und kann länger dauern.
In seltenen Fällen treten schwere Verläufe auf. Dazu zählen beispielsweise Abszesse in inneren Organen, spezielle Fieberreaktionen oder Muskelerkrankungen. In solchen Situationen ist die Prognose vorsichtig bis ungünstig. Vereinzelt kann die Erkrankung auch tödlich verlaufen, dies kommt jedoch selten vor.
Kann man Druse vorbeugen?
Bislang ist Druse beim Pferd nicht melde- oder anzeigepflichtig. Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung ist die Vermeidung von Ansteckung. Da die Druse sehr leicht übertragbar ist, spielen Hygiene und Management im Stall eine zentrale Rolle.5
Dazu gehört:
- Konsequente Isolation erkrankter Pferde und eventuell auch Betroffener
- Gründliche Reinigung und Desinfektion von Ausrüstung und Stallbereichen
- Vermeidung gemeinsamer Nutzung von Gegenständen wie Tränken oder Futtertrögen im Krankheitsfall (vor allem bei Offenstallhaltung)
Eine Impfung ist grundsätzlich möglich, bietet jedoch nur einen kurzfristigen Schutz von etwa drei Monaten. Hinzu kommt, dass man sein Tier nicht impfen kann, wenn am Stall gerade akute Fälle bestehen. Diese Option bietet sich also nur in bestimmten Situationen an – etwa bei Neuzugängen oder auf Turnieren. Außerdem ist zu beachten, dass genesene Pferde noch Wochen nach Abklingen der Symptome ansteckend sein können oder als stille Träger immer noch Druse übertragen können.