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Weltverband ändert Null-Toleranz

Lockerung der Blutregel im Pferdesport sorgt für Proteste

Springpferd springt
Die FEI weicht die Blutregel auf: PETBOOK erklärt die Hintergründe. Foto: picture alliance / imageBROKER / Mark Spowart Caro / Sorge
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Werkstudentin

7. November 2025, 14:03 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Blut am Pferd – und der Wettkampf ist vorbei. So war es bislang im internationalen Reitsport. Doch die Fédération Équestre Internationale (FEI) will die sogenannte Blutregel lockern – doch was heißt das für den Tierschutz?

Am 7. November 2025 wurde bei der Generalversammlung der FEI in Hongkong über eine Änderung der Regel abgestimmt. Dabei stimmten 56 Nationen für und 20 gegen die Lockerung. Die neue Regelung soll am 1. Januar 2026 in Kraft treten.

Was ist eigentlich die Blutregel?

Die Blutregel ist eine von Regulierung der Fédération Équestre Internationale (FEI), also der internationalen Dachorganisation des Pferdesports. Sie steht für eine Nulltoleranz gegenüber sichtbarem Blut an Pferden während Wettkämpfen. Wenn bei einem Reiter-Pferd-Duo Blut am Pferd festgestellt wird, folgt sofortiger Ausschluss und Disqualifikation. Sichtbares Blut gilt als Hinweis auf einen Gewebeschaden und damit auf eine Überschreitung der Belastungsgrenze des Pferdes. Um das Pferd und dessen Wohl vor körperlichen Belastungen im Kontext des Turniersports zu schützen, wurde die Regelung eingeführt.

FEI lockert die Blutregel und erntet Kritik

Eine Änderung der Blutregel wurde vom International Jumping Riders Club (IJRC) vorgeschlagen. Hintergrund ist, dass durch eine Lockerung der Regel mehr Spielraum für Offizielle vor Ort möglich ist. Gemeint sind damit etwa die vorortigen Richter und Tierärzte, die bislang bei geringfügigen Verletzungen Disqualifikationen gegenüber Reitern ausgesprochen haben.

Künftig soll die Regel nun weniger streng gehandhabt werden:

  • Natürliche Verletzungen – etwa ein Zungenbiss – sollen keine Disqualifikation mehr nach sich ziehen. Der Reiter darf das Maul des Pferdes reinigen und weitermachen.
  • Geringfügige Verletzungen durch Reiter – beispielsweise Wunden durch Sporen – führen künftig nur noch zu einer Verwarnung.
  • Kommt es innerhalb von zwölf Monaten zu einer zweiten Verwarnung, drohen eine Strafe von bis zu 1000 Schweizer Franken und eine einmonatige Sperre.
  • Schwerwiegendere Verletzungen führen weiterhin zu Disqualifikation und Disziplinarverfahren. 1, 2

In den vorherigen Tagen gab es viele Stimmen, die die Änderung kritisierten. Auch die Tierschutzorganisation Peta kritisierte die Änderung in einem Brief an den FEI-Präsidenten Ingmar De Vos. 3

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Warum ist die Blutregel wichtig?

Ohnehin kann der Turniersport für die sensiblen Tiere eine enorme Belastung darstellen. Weswegen für die meisten Reiter und Halter das Wohlergehen des Pferdes einmal mehr höchste Priorität hat.

Auf Turnieren kommt es dennoch zu blutigen Zwischenfällen: Sporen, die Gewebeschäden am Bauch des Tieres verursacht haben, scharfe und starke Gebisse oder Trensen, zu harte Gertenschläge oder Verletzungen am Maul, die zu blutigen Verletzungen an der Schleimhaut führen.

Durch die Nulltoleranz-Politik der FEI wurden in diesem Zusammenhang entsprechende Reiter-Pferd-Paare disqualifiziert und vom Wettbewerb ausgeschlossen – ein deutliches Zeichen, dass das Tierwohl über dem Reitsport stand. 4

Welche Bedeutung hat das für den deutschen Reitsport?

Hierzulande ist der Pferdesport über die FN (Fédération Équestre Nationale) organisiert. Die FN ist die Deutsche Reiterliche Vereinigung, also der Dachverband für Pferdesport und Pferdezucht in Deutschland. Sie organisiert Turniere, legt Regeln fest, richtet sich aber auch nach den Regeln der FEI. Wie verhält sich also die FN gegenüber der Änderung der Blutregel?

Der Präsident der FN, Martin Richenhagen, bezieht in „Pferd Aktuell“, dem Online-Auftritt der FN, Stellung zu der Änderung:

„Ich halte das für einen klaren Fehler. Blut hat im Pferdesport nichts zu suchen. Auch wenn die Zahl der Fälle weltweit sehr gering ist – zuletzt bei jedem 3366. Start, wobei es zu mehr als 99 Prozent ganz geringfügige Kratzer sind – das Thema steht sinnbildlich für unseren Umgang mit dem Pferd. Wenn ein Pferd durch den Reiter verursacht blutet, kann es nicht weiter am Wettbewerb teilnehmen. Das ist eine Frage des Respekts und der Verantwortung.“

Da die nationalen Turniere über die FN organisiert sind, wird wohl hierzulande an der Null-Toleranz-Vorgabe festgehalten. Ob und wie sich allerdings die internationale Turnierlandschaft verändert, bleibt bislang offen. 5

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Ein gefährliches Signal für den Pferdesport

„Die Blutregel steht sinnbildlich für den Grundsatz, dass sportlicher Ehrgeiz niemals über dem Wohlergehen des Pferdes stehen darf. Die von der FEI beschlossene Lockerung mag im Sinne einer ‚praktischeren‘ Handhabung erscheinen, sendet jedoch ein zwiespältiges Signal: Sie droht, die klare rote Linie zwischen sportlicher Leistung und Tierschutz zu verwischen.
Gerade im Spitzensport, wo das Vertrauen zwischen Reiter und Pferd Grundlage jeder Leistung ist, sollte Nulltoleranz gegenüber sichtbarem Blut ein unerschütterliches Prinzip bleiben. Jede sichtbare Verletzung ist ein Zeichen dafür, dass die Grenze des Zumutbaren überschritten wurde.“

Quellen

  1. zdfheute.de, „‚Blut-Regel‘: Lockert der Pferdesport Tierschutzstandards?“ (aufgerufen am 7. November 2025) ↩︎
  2. ehorses.de, „Tierschutz-Debatte: Kippt die FEI die strikte Blood Rule?“ (aufgerufen am 7. November 2025) ↩︎
  3. presseportal.peta.de, „PETA fordert FEI auf, Blutregel im Reitsport beizubehalten“ (aufgerufen am 7. November 2025) ↩︎
  4. cavallo.de, „Blutige Debatte: Pferdesport im Wandel?“ (aufgerufen am 7. November 2025) ↩︎
  5. pferd-aktuell.de, „‚Blut hat im Pferdesport nichts zu suchen‘“ (aufgerufen am 7. November 2025) ↩︎

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