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Faszinierendes Phänomen

Buckelwale singen über 14.000 Kilometer Entfernung dasselbe Lied

EIn Buckelwal springt aus einer Welle
Buckelwale sind nicht nur eindrucksvolle Meeressäuger, sie sind auch gute Sänger. Forscher bewiesen nun, dass sich die Lieder der Buckelwale durch den gesamten Südpazifik verbreiten können.Foto: Getty Images

Wenn das kein tierischer Hit ist! Forscher in Französisch-Polynesien und Ecuador konnten nachweisen, dass sich Walgesänge über den gesamten Südpazifik verbreiten können. Demnach singen Buckelwale über 14.000 Kilometer Entfernung dasselbe Lied.

Walgesang ist eines der komplexesten Phänomene, das die Natur zu bieten hat. Der Gesang männlicher Buckelwale besteht nämlich aus den verschiedensten Melodien, musikalischen Themen und Anordnungen in Liedern. Die Tiere kreieren wahre Song-Sessions, die bis zu 30 Minuten dauern können. Forscher haben auch herausgefunden, dass bestimmte Wal-Hits sich über immense Entfernungen verbreiten. Ein Team von Wissenschaftlern aus Schottland, Ecuador und Französisch-Polynesien hat nun sogar bewiesen, dass sich der Walgesang durch den gesamten südlichen Pazifik ziehen kann – über eine Entfernung von 14.000 Kilometern!

Schon zuvor war nachgewiesen worden, dass Buckelwale einer sozial verbandelten Gruppe eine gesamte Brutsaison über dasselbe Lied singen, welches über die Zeit hinweg immer komplexer wird. Doch auch in den viralen Wal-Hits finden sich immer wieder dieselben musikalischen Themen. Aufgrund dieser Tatsache untersuchten die Wissenschaftler die Frage, ob sich die Lieder auch über die gesamte Südhalbkugel verbreiten können.

Wie die Forscher vorgingen

Um herauszufinden, wie verbreitet die Lieder sind, wurden Walgesänge in der Nähe der Insel Mo’orea (Französisch-Polynesien) und im nördlichen Ecuador beim Esmeraldas-Fluss aufgezeichnet. Dafür wurden Boote mit Rekordern und Hydrofonen ausgestattet. So entstanden Aufnahmen während der gesamten Brutsaison, die von Juli bis November geht.

Auf diese Art und Weise gelang es in Französisch-Polynesien, drei Lied-Themen bei einer Walpopulation in den Jahren 2016 bis 2018 zu beobachten und auszuwerten. In Ecuador wurden vergleichbare Untersuchungen durchgeführt.

Die Forscher analysierten daraufhin die Walgesänge mit einem Spektrogramm und transkribierten die Töne nach Höhe und Länge. Die so isolierten Toneinheiten konnten in drei klare musikalische Themen eingebettet werden. Dabei wurde dem musikalischen Prinzip der Regel „ähnliche Töne in ähnlichen Positionen“ gefolgt, um festzustellen, ob die Lieder aus denselben Strukturen bestehen.

Ebenfalls wurde untersucht, ob die gefundenen Strukturen sich wiederholen und dementsprechend eine Song-Session bilden. Anschließend wurde noch abgeglichen, ob sich die isolierten musikalischen Gesänge innerhalb der Populationen verbreiteten.

Ergebnis: Lied bildet Migrationsströme der Wale ab

Die Lieder, die 2016 bis 2018 in Französich-Polynesien gesungen wurden, fanden im Jahr 2018 schließlich auch ihren Weg nach Ecuador und wurden von der dortigen Population aufgenommen. So ließen sich eindeutige Migrationsströme der Tiere in den Liedern abbilden. Die Forscher nehmen an, dass sich der Hit der Wale verbreitete, weil sie ihre Futterhabitate in der Antarktis miteinander teilen.

Somit konnte bewiesen werden, dass das Lied der Buckelwale langsam ostwärts durch die Südhalbkugel über 14.000 Kilometer Entfernung seinen Weg fand. Eine gesamte Umrundung der südlichen Erdhalbkugel sei daher auch ziemlich wahrscheinlich.

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Das Lied der Buckelwale muss weiter untersucht werden

Laut den Wissenschaftlern gäbe es kulturelle Strukturen nicht nur bei Menschen und Primaten, sondern auch unter Großsäugern wie den Buckelwalen. Dies sei laut Forschern mit der Verbreitung der Gesänge bewiesen. Sie definieren den Begriff der Kultur als Erlernen von Informationen oder Verhalten innerhalb einer sozialen Population.

Die Wissenschaftler merkten auch an, dass weitere Studien nötig seien, um zu beweisen, ob es tatsächlich eine regelmäßige Song-Revolution im Pazifik gibt. Auch müsse man untersuchen, ob sich die Walgesänge auch von Ecuador nach Brasilien verbreiten können, also vom Pazifik in den Atlantik überschwappen. Zusätzlich müsse man Studien dazu durchführen, ob sich die Wal-Hits auch in die westliche Richtung über Australien hinaus verbreiten könnten.

Quellen

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