Kaninchen besitzen ein Gebiss, das ein Leben lang wächst. Damit ihre Zähne nicht zu lang werden, müssen sie ständig mümmeln und benötigen viele Mineralstoffe für die Bildung von Zahnschmelz und Zahnbein. Lange war unklar, wie die Tiere diesen hohen Bedarf decken, weshalb sogar spezielle Lecksteine entwickelt wurden. Eine Studie zeigt nun jedoch, dass Kaninchen sich offenbar selbst helfen: Beim Putzen nehmen sie winzige, abgeriebene Teile ihrer eigenen Zähne auf und verwerten die darin enthaltenen Mineralstoffe erneut.
Verwerten Kaninchen Calcium, wenn sie ihre Zähne fressen?
Dass Kaninchen ihren Zahnabrieb nicht ausspucken, sondern beim Mümmeln hinunterschlucken, ist ein logischer Schluss. Denn beim Verzehr von faserreichem Grünzeug entsteht ein feines Pulver aus abgeschliffenem Zahnschmelz und gemahlenem mineralischem Material. Dies landet dann höchstwahrscheinlich zusammen mit dem Speisebrei im Verdauungstrakt der Kaninchen.
Doch können sie es auch verwerten? Dies testete eine Studie erstmals, um zu prüfen, ob sie das Calcium aus ihrem eigenen Zahnschmelz und Dentin aufnehmen können. Die Forschenden verglichen dafür zwei Futtermischungen. Eine enthielt herkömmliche Calciumquellen, die andere ausschließlich Calcium aus gemahlenen Kaninchenzähnen.
Denn bisherige Ansichten zur Kaninchenernährung basieren auf der Annahme, dass dieser Calciumverlust vollständig über die Nahrung ausgeglichen werden muss. Diese Sichtweise könnte jedoch falsch sein, denn Kaninchen schlucken möglicherweise das abgeriebene Zahnmaterial und verwerten es im Verdauungstrakt erneut.
Bisherige Ernährungsempfehlungen für Kaninchen könnten schädlich sein
Die Forscher untersuchten die Calciumaufnahme, die Ausscheidung über Urin und Kot sowie die Speicherung des Minerals im Körper der Kaninchen anhand von Blutproben. Das Ergebnis war eindeutig. Nicht nur können Kaninchen Calcium aus ihrem Zahnmaterial wiederaufnehmen, sie verwerten es sogar besser als über die Nahrung zugeführtes. Ein unerwarteter Nebeneffekt war eine höhere Wasseraufnahme und eine entsprechend erhöhte Urinausscheidung bei den Kaninchen, die Zahnmehl erhielten. Dies führte zu einer Verdünnung der Mineralstoffkonzentrationen im Urin, insbesondere für Phosphor und Magnesium.
Dies könnte erklären, warum viele Kaninchen auch mit relativ calciumarmen Futtermitteln gesunde Zähne behalten. Zudem könnte eine übermäßige Zufuhr unnötig oder sogar schädlich sein, da überschüssiges Calcium über die Nieren ausgeschieden werden muss und zu Harnsteinen oder Ablagerungen führen kann. Dies gilt auch für Magnesium und Phosphor, welche in einem ausgeglichenen Verhältnis mit Calcium sein sollten, um die Nierengesundheit von Kaninchen langfristig zu erhalten.
Weitere Forschung nötig
Die Studie liefert spannende neue Erkenntnisse über die Ernährung von Kaninchen. Denn bislang ging man davon aus, dass auch Wildkaninchen besonders calciumhaltige Gräser fressen müssen, um ihren Bedarf zu decken. Sollten weitere Studien bestätigen, dass Kaninchen einen Großteil des Minerals immer wieder recyceln, müssten Fachleute die bisherigen Fütterungsempfehlungen möglicherweise überdenken.
Allerdings muss auch die Rolle von Dentin und Flourid in den Zähnen der Tiere untersucht werden, um die Zusammenhänge genauer zu verstehen. Zudem sind weitere Studien nötig, um die genaue Menge des recycelten Calciums zu bestimmen und die langfristigen Auswirkungen auf die Zahngesundheit und den Mineralstoffhaushalt der Tiere zu untersuchen. 1
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