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Seuchengefahr oft unterschätzt

Welche Impfungen braucht mein Kaninchen?

Drei Zwergkaninchen auf Stroh
Hält man mehrere Kaninchen artgerecht im Außengehege, sollte man besondere Vorsicht vor Seuchen walten lassen. Impfungen können helfen. Foto: Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

15. August 2025, 14:16 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Wenige Haustiere sind so durch Seuchengeschehen bedroht wie Kaninchen. Impfungen bieten einen wirksamen Schutz, sind jedoch nicht unumstritten: Nebenwirkungen, Zusatzstoffe und Tierversuche werfen Fragen auf. Zwischen bedingungsloser Befürwortung und scharfer Ablehnung sind sich viele unsicher, ob die Vor- oder Nachteile überwiegen. Wie steht es also um die Impfungen bei Kaninchen? PETBOOK gibt einen Überblick.

Warum Impfungen bei Kaninchen wichtig sind

Im Gegensatz zu vielen anderen Haustierarten sind Kaninchen noch immer von regelrechten Seuchenzügen betroffen. Krankheiten wie RHD1, RHD2 und Myxomatose verlaufen häufig tödlich – in manchen Fällen sterben bis zu 100 Prozent der infizierten Tiere innerhalb weniger Tage.

Die Impfstoffe gegen diese hochansteckenden Krankheiten stammen aber ursprünglich aus der Nutztierhaltung. Mittlerweile wurden sie speziell für Hauskaninchen weiterentwickelt, sodass auch die Ständige Veterinärmedizinische Impfkommission verschiedene wichtige Immunisierungen für die beliebten Kleintiere empfiehlt. Da Impfstoffe jedoch auch Nebenwirkungen verursachen können, sollte man Risiko und Nutzen genau abwägen.

Welche Impfungen für Kaninchen wichtig sind

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin (StIKo Vet) empfiehlt eine Impfung aller Kaninchen gegen diese drei wichtigsten Seuchenerreger:

Diese Impfungen gelten als Core-Komponenten, das heißt, jedes Kaninchen sollte zu jeder Zeit gegen diese drei Krankheiten geschützt sein. Die Impfung gegen RHDV2 sollte dabei besonders früh erfolgen, da diese Variante aktuell in ganz Deutschland weitverbreitet ist und mit fast 100-prozentiger Wahrscheinlichkeit tödlich verläuft.

Verfügbar sind sowohl monovalente Impfstoffe ab der vierten Lebenswoche (RHDV2), als auch rekombinante oder kombinierte Impfstoffe gegen RHDV1 und Myxomatose, die ab der fünften Lebenswoche eingesetzt werden können.

Je nach Präparat sind Wiederholungsimpfungen alle sechs bis zwölf Monate vorgesehen. Um einen flächendeckenden Schutz zu gewährleisten, strebt die StIKo Vet auf regionaler Ebene eine Impfquote von mindestens 70 Prozent an. 1

Diese Impfstoffe sind aktuell zugelassen

Mehrere Impfstoffe stehen zur Verfügung, die sich hinsichtlich Schutzdauer und Erregerabdeckung unterscheiden.

  • Nobivac Myxo-RHD PLUS schützt ein Jahr lang gegen Myxomatose, RHD und RHD2. Eine frühere Nachimpfung ist nicht zugelassen, es gilt ein spezifisches Umstellungsschema.
  • Filavac VHD K C+V schützt ein Jahr vor RHD1 und RHD2, jedoch nicht vor Myxomatose. Aufgrund der aktuellen Seuchenlage wird eine Auffrischung alle sechs Monate empfohlen.
  • Fatrovax RHD bietet Schutz wie Filavac und sollte ebenfalls alle sechs Monate aufgefrischt werden.
  • Eravac schützt ausschließlich gegen RHD2 – ebenfalls für ein Jahr zugelassen, empfohlen wird eine Nachimpfung alle sechs Monate.
  • RIKA-VACC Duo schützt für sechs Monate gegen RHD und Myxomatose, jedoch nicht gegen RHD2.
  • RIKA-VACC Myxo schützt nur gegen Myxomatose für sechs Monate.
  • RIKA-VACC RHD deckt ausschließlich RHD1 ab.
  • YURVAC RHD schützt zwölf Monate gegen sämtliche bekannte RHD-Stämme, jedoch nicht gegen Myxomatose. 2
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Wichtige Hinweise vor der Impfung

Vor jeder Impfung sollte der Gesundheitszustand des Kaninchens sorgfältig geprüft werden. Dazu gehören eine gründliche Allgemeinuntersuchung und die Abgabe einer frischen Kotprobe zur Parasitenkontrolle. Chronisch kranke oder ältere Tiere können in vielen Fällen geimpft werden, sofern keine akuten Symptome vorliegen. Auch nach überstandener Krankheit ist eine Impfung grundsätzlich möglich – bei Bedarf nach vorheriger Behandlung.

Die Kosten liegen je nach Impfstoff und Region zwischen 70 und 150 Euro. Maßgeblich ist die Gebührenordnung für Tierärzte (GOT). Es empfiehlt sich, vorab einen konkreten Preis beim Tierarzt zu erfragen.

Trotz umfassender Prüfungen können aber auch Impfreaktionen auftreten. Dazu zählen lokale Entzündungen, Appetitlosigkeit, Fieber oder selten auch Todesfälle. Wie bei Impfungen für Menschen gibt es auch bei Kaninchen verschiedene Darreichungsformen:

  • Aktive Impfung: Tot- oder Lebendimpfstoffe aktivieren das Immunsystem zur Bildung eigener Antikörper.
  • Passive Impfung: Die Übertragung von Antikörpern ist bei Kaninchen in Deutschland derzeit nicht verfügbar.
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Tierschutz und Herstellung der Impfstoffe

Man muss jedoch auch wissen: Ein Großteil der RHD-Impfstoffe wird aus der Leber infizierter Versuchskaninchen gewonnen. Für 10.000–30.000 Impfdosen wird jeweils ein Tier getötet. Aus tierschutzethischer Sicht ist das durchaus problematisch, rettet aber auch das Leben anderer Tiere.

Eine Ausnahme bilden Nobivac Myxo-RHD Plus und YURVAC RHD, die ohne künstliche Infektion gesunder Kaninchen auskommen. Trotzdem werden alle Impfstoffe aktuell in Tierversuchen getestet, bevor sie zugelassen werden.

Fazit: Impfungen ja, aber mit Bedacht

Impfungen für Kaninchen sind ein wirksames Mittel gegen tödliche Krankheiten, die leider immer noch in seuchenartigen Wellen grassieren. Doch sie sind kein Routineeingriff ohne Risiken.

Nur durch eine individuelle Abwägung, tierärztliche Begleitung und Aufklärung über mögliche Nebenwirkungen können Halter ihre Kaninchen bestmöglich schützen. Dabei gilt: Informierte Halter treffen die besseren Entscheidungen – zum Wohl ihrer Tiere.

Quellen

  1. StiKo Vet, Leitlinie zur Impfung von Kleintieren, 6. Auflage, PDF. ↩︎
  2. Kaninchenwiese.de, „Kaninchenimpfungen – Schutz oder Gefahr?“ (aufgerufen am 14.08.2025) ↩︎

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