9. Dezember 2025, 17:02 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten
Wenn es draußen friert, Schnee fällt oder feuchte Kälte in jede Ritze kriecht, suchen nicht nur wir Menschen nach einem geschützten, warmen Ort. Auch Katzen – ob Freigänger, Streuner oder Kitten – folgen in der kalten Jahreszeit ihrem Instinkt und suchen dringend Wärme. Was viele jedoch nicht wissen: Autos werden bei Kälte zu Zufluchtsorten für die Tiere – und damit zu einer lebensbedrohlichen Falle. Eine kurze Routinehandlung kann im Winter jedoch Katzenleben retten.
Warum Katzen im Winter Autos als Versteck nutzen
Katzen sind Meister darin, warme, dunkle und geschützte Plätze zu finden. Besonders im Winter bieten Autos genau diese Kombination. Die Restwärme des Motors schafft ein einladendes Mikroklima, während Radkästen und Reifen gut isolieren und Wind sowie Nässe abhalten. Auch der Motorraum oder Hohlräume im Unterboden wirken auf Katzen wie natürliche Höhlen und vermitteln ein Gefühl von Sicherheit.
Nicht nur erwachsene Tiere suchen hier Schutz: Immer wieder setzen Katzenmütter ihren Nachwuchs in vermeintlich sicheren Ecken von Autos ab, wo die Kitten aus Kälte oder Angst tief in Zwischenräume kriechen. Von außen sind sie dort kaum zu erkennen – und oft erst durch ihr leises Miauen zu entdecken.
Eine unterschätzte Gefahr – mit tragischen Folgen
Die Risiken im Motorraum sind vielfältig: Bewegliche Teile können Fell oder Gliedmaßen erfassen, die enorme Hitze des laufenden Motors führt zu schweren Verbrennungen, und der panische Fluchtversuch kann dazu führen, dass Tiere unter die Reifen geraten. Auch Hitzestau oder fehlende Luftzufuhr werden Katzen schnell zum Verhängnis.
Tierrettungen und Feuerwehren berichten immer wieder von Einsätzen, bei denen ganze Unterbodenverkleidungen gelöst oder Räder abmontiert werden müssen. Manche Tiere haben Glück und überleben. So wie ein kleines Kätzchen, das im Radkasten von Hannover bis Bochum fuhr, oder ein Kitten, das im Motorraum aus Kroatien nach Österreich reiste. Das sind aber leider Ausnahmen.
Besonders junge oder ältere Katzen sind gefährdet, da sie entweder neugierig und unerfahren oder langsamer sind und schlechter hören. Tragische Fälle wie der Tod der Katze Toffifee zeigen, wie real und allgegenwärtig diese Gefahr ist. Das Tier war in den Motorraum eines E-Autos geklettert und verlor so sein Leben.
Die Initiative „Klopf auf Dein Auto! Rette Katzenleben!“
Ihre Halterin Tanja Gauss hat daraufhin die Aktion #klopfaufdeinauto, um auf die oft unterschätzte Gefahr von Katzen in Motorraum und Radkasten aufmerksam zu machen. Mit Flyern, Social-Media-Kampagnen und Autoaufklebern möchte sie möglichst viele Menschen erreichen. Ihr Anliegen ist klar: Ein kurzer Moment der Aufmerksamkeit kann verhindern, dass sich ein Tier beim Starten oder Losfahren schwer verletzt oder stirbt.1
Die wichtigste Regel: Klopfen, prüfen, warten
Bevor Sie den Motor starten, gilt:
- Klopfen Sie fest auf die Motorhaube.
- Treten Sie leicht gegen die Reifen.
- Werfen Sie einen kurzen Blick unter das Auto.
- Heben Sie, wenn möglich, die Motorhaube an.
- Warten Sie nach dem Start einen Augenblick.
Diese Routine dauert nur wenige Sekunden, kann aber über Leben oder Tod entscheiden.
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Unfälle verhindern, bevor sie entstehen
Wer verhindern möchte, dass sich Katzen überhaupt im oder am Auto verstecken, kann mit einfachen Maßnahmen vorbeugen. Katzenhalter sollten ihren Tieren draußen immer eine geschützte Rückzugsmöglichkeit bieten, wie eine wetterfeste, gut isolierte Katzenhütte, die am besten etwas erhöht steht und Ausblick ins Revier bietet. Viele Katzen ziehen diese Plätze Motorwärme vor, wenn sie als angenehm und sicher wahrgenommen werden. Zudem lohnt es sich, vor dem Verlassen des Grundstücks stets darauf zu achten, wo sich die eigene Katze befindet. 2
Auch Autofahrer ohne eigene Tiere können vorbeugen, indem sie das Fahrzeug, wenn möglich, in einer Garage abstellen. Manchmal werden auch Duftbarrieren aus ätherischen Ölen oder Ultraschallgeräte empfohlen, die die Tiere fernhalten sollen.3 Dafür gibt es aber kaum gesicherte wissenschaftliche Beweise, dass dies auch funktioniert – vor allem, was den Ultraschall betrifft. Verlassen sollte man sich auf solche Methoden also nicht.
Fazit: Kleine Geste, große Wirkung
Der Winter stellt Katzen vor große Herausforderungen, und Autos werden dabei häufig zu ungewollten Unterschlüpfen. Mit einer winzigen Routine können wir jedoch Tierleben retten. Ein Klopfen, ein kurzer Blick, ein Moment Geduld – mehr braucht es nicht, um einer Katze die Flucht zu ermöglichen und sie vor schweren Verletzungen oder dem Tod zu bewahren. Die Initiative #klopfaufdeinauto erinnert uns daran, wie einfach aktiver Tierschutz sein kann, wenn wir alle aufmerksam bleiben.