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Erfahrungsbericht

Warum man Straßenkatzen besser nicht füttern sollte

Straßenkatze schlafend auf einem Moped in Xania auf Krata
In Urlaubsländern wie Kreta begegnet man vielen Straßenkatzen. Da ist die Versuchung groß, die Tiere zu streicheln oder ihnen Futter zu geben Foto: PETBOOK/Saskia Schneider
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

14. August 2025, 10:42 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten

In Urlaubsländern wie Spanien, Italien oder Griechenland gibt es viele Straßenkatzen. Touristen haben oft Mitleid mit den Tieren. Doch sollte man sie füttern oder streicheln? Unsere Redakteurin und Katzenverhaltensexpertin Saskia Schneider ist regelmäßig auf Kreta und Ischia – beides Inseln, auf denen viele Straßenkatzen leben und leiden.

In Deutschland sind Katzen schon lange nicht mehr nur Haustiere. Für viele sind sie so etwas wie Familienmitglieder. Sie haben eigene Betten, Möbel und heutzutage sogar eine Krankenversicherung. Wenn man das den Menschen auf Kreta oder Ischia erzählt, erntet man oft nur Kopfschütteln. Hier gelten Katzen – wie die meisten Hunde – vor allem als Nutztiere. Sie sollen die Nager beseitigen. Hauptsächlich ernähren sich viele der Streuner aber von Essensresten und Abfall. Als Tourist bekommt man daher schnell Mitleid mit den mageren Tieren. Trotzdem sollte man Straßenkatzen besser nicht füttern – oder nur, wenn man genau weiß, was man tut.

Warum gibt es in Urlaubsorten wie Kreta so viele Streuner?

Katzen sind in vielen Ländern Europas in erster Linie Nutztiere – vor allem in den ländlichen Regionen. Hier führen Katzen ein relativ selbstbestimmtes Leben und vermehren sich so auch unkontrolliert. Zwar gibt es mittlerweile auch Kastrationsprogramme von Schutzorganisationen – man erkennt die bereits kastrierten Tiere an einer Markierung am Ohr –, dies ist aber meist nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Gerade auf Inseln wie Kreta oder Ischia, einer italienischen Insel im Golf von Neapel, kann eine unkontrollierte Vermehrung der Tiere schnell zu großen Populationen und Elend führen, denn die Katzen können nicht so leicht in andere Gebiete abwandern, wie auf dem Festland.

Vor allem in der Saison, wenn viele Touristen ins Land kommen und viele Hotels und Restaurants geöffnet haben, vermehren sich die Tiere sehr stark. Im Winter dünnt die Population dann wieder aus. Viele Straßenkatzen sterben aber auch an Krankheiten oder im Straßenverkehr. Daher sieht man oft sehr viele junge Tiere.

Auch interessant: Freund oder Plage? Wie Katzen in verschiedenen Kulturen gesehen werden 

Sollte man Straßenkatzen füttern?

In der Regel finden die Tiere in der Saison genügend Nahrung. Während Katzen in den ländlichen Regionen nach Beute jagen, findet man in den Städten oft auch Futterstellen. Diese werden meist von Anwohnern befüllt. Zudem tolerieren viele Restaurant- und Hotelbetreiber die Anwesenheit der Tiere und geben ihnen sogar gelegentlich Essensreste.

Verhungern müssen die Katzen während der Saison – also dann, wenn man auch als Urlauber vor Ort ist – eher selten. Aber natürlich freuen sich die Katzen immer über einen Snack und ich habe während meiner Urlaube tatsächlich immer Leckerlis dabei, die gerne angenommen werden. Vor allem schwangere und säugende Katzen sind für die extra Kalorien dankbar. Allerdings muss hier jeder selbst abschätzen, ob er Straßenkatzen füttert oder nicht. Denn es gibt einiges, was meiner Erfahrung nach dagegen spricht.

Das spricht gegen das Füttern von Straßenkatzen

Erhalt der großen Population

Ein Großteil des Streuner-Elends entsteht dadurch, dass sich die Katzen in der Saison sehr stark vermehren, sich schnell mit Krankheiten anstecken und in der Regel Parasiten haben. Durch das Füttern trägt man zum Erhalt der großen Populationen mit bei, denn so kommen auch kranke und schwache Tiere in der Saison gut über die Runden.

Katzen werden lästig

Wenn ein Tier mit einem Verhalten einmal Erfolg hatte, wird es dieses öfter zeigen. So gibt es viele Katzen, die schreiend durch die Tischreihen von Restaurants laufen, neben den essenden Leuten sitzen und sogar Essen vom Teller stibitzen. Das empfinden Anwohner und viele andere Touristen als störend, was letztendlich dazu führen kann, dass die Katzen verjagt oder sogar erschlagen werden.

Vor allem, wenn man eine Ferienwohnung bezieht und Streuner anfüttert, haben die Betreiber danach oft ein Problem, wenn die Nachmieter es gar nicht lustig finden, dass zum Frühstück bereits mehrere Tiere auf der Matte stehen und nach Futter verlangen. Aber auch in Restaurants macht man sich nicht gerade beliebt, wenn man Straßenkatzen mit Essensresten vom Tisch füttert. Denn dies führt meist dazu, dass gleich mehrere Tiere dazukommen, um auch etwas abzustauben. Böse Blicke der Nachbartische sind dann das kleinste Problem, denn es gibt Leute, die sich so gestört fühlen, dass sie die Katzen mit Schlägen und Tritten vertreiben.

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Verletzungs- und Infektionsgefahr

Beim Füttern, vor allem aus der Hand, hat man engen Kontakt zu den Straßenkatzen. Das erhöht das Risiko, sich mit Parasiten zu infizieren oder auch gebissen zu werden. Manche Tiere schnappen recht gierig nach dem Essen und mir ist es tatsächlich schon passiert, dass mich ein junges Kätzchen dabei in den Finger gebissen hat. Das bedeutet dann Arztbesuch und mehrere Tage Antibiotikum.

Menschliche Nahrung ist oft schlecht für Katzen

Dass man Straßenkatzen nur mit artgerechter Nahrung füttert, sollte selbstverständlich sein. Die hat man im Urlaub aber selten dabei. Da ist die Versuchung groß, den Tieren andere Leckereien anzubieten, die oft nicht gesund oder sogar gefährlich für Katzen sind.

Sollte man Straßenkatzen streicheln?

Noch heikler als das Füttern von Straßenkatzen sehe ich das Streicheln der Tiere. Nicht, weil man den Katzen damit schaden könnte, sondern weil man sich dadurch selbst in Gefahr bringen kann. Zum einen, was die Infektion mit Krankheitserregern und Parasiten angeht, zum anderen, weil viele das Verhalten von Katzen schlecht einschätzen können.

Hierbei habe ich verschiedene Erfahrungen gemacht. In Gegenden mit wenig Autoverkehr, in denen Streuner eng mit Menschen zusammenleben, waren fast alle Katzen sehr freundlich. Die Tiere waren entweder sehr aufgeschlossen und haben sich gerne streicheln lassen, oder sie sind Menschen aus dem Weg gegangen. Oft handelt es sich dabei um halb wilde Katzen, die entweder ein Zuhause haben oder hatten.

Anders sieht es aus bei verwilderten Hauskatzen, die ohne menschliche Obhut aufgewachsen sind, oder bei Katzen, die schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben. Solche Tiere halten sich oft in Parks und auf Grünflächen auf. Viele sind zwar zutraulich, aber nicht immer freundlich.

Die Gefahr, gekratzt oder gebissen zu werden, ist hoch

So hatte ich eine Situation, in der eine Katze sich zunächst gerne streicheln ließ und in nächsten Moment nach mir schlug, weil ich eine Sekunde zu spät reagiert hatte. Man muss die Körpersprache der Tiere also sehr gut lesen, um richtig einschätzen zu können, wann man sich dem Tier nähert, wo man es anfassen kann und wann man am besten aufhören sollte zu streicheln.

Daher würde ich jedem, der nicht wirklich Profi in der Katzen-Körpersprache ist, abraten, Straßenkatzen zu streicheln. Manche Tiere warnen nur sehr subtil und können schnell in ihrer Stimmung umschwenken. Die Gefahr, gekratzt oder gebissen zu werden, ist einfach zu hoch – auch beim Füttern.

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Wie kann man Straßenkatzen helfen?

Um das Streunerleid zu reduzieren, müsste man zunächst die Populationen in den Griff bekommen. Das kann letztendlich nur durch Kastrationsprogramme gelingen. Wer also wirklich nachhaltig etwas für die Straßenkatzen tun möchte, sollte Kontakt mit den dortigen Tierschutzorganisationen aufnehmen und fragen, wie man diese am besten unterstützt. Das muss nicht immer finanziell sein. Manche freuen sich auch über Futterspenden.

Sollte man Straßenkatzen füttern? Mein Fazit

Sicher macht man nichts verkehrt, wenn man dem ein oder anderen Kätzchen ein Häppchen abgibt oder es mit einer Streicheleinheit verwöhnt. Dabei sollte man sich jedoch immer bewusst sein, dass es sich bei den meisten Streunern nicht um ausgesetzte Haustiere, sondern um halb verwilderte Katzen handelt, die nicht alle Kontakt mit Menschen gewohnt sind oder wollen.

Straßenkatzen leben übrigens auch nicht alle unglücklich und im Elend. Viele Tiere führen hier ein selbstbestimmtes, freies Leben und gehen ihren natürlichen Bedürfnissen nach. Wie bei wilden Tieren in der Natur überleben hier meist nur die fittesten und gesündesten Katzen. Trotzdem bricht es einem als Katzenliebhaber natürlich das Herz, wenn einem ein verflohter, halb verhungerter Streuner mauzend entgegenkommt. Daher werde ich auch im nächsten Urlaub wieder Leckerli und Trockenfutter im Gepäck mit dabei haben.

Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

Zur Autorin

Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.

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