20. März 2026, 11:58 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Ein Kätzchen, das aussieht wie ein aufgeblähter Kugelfisch – der Fall von Katze Zoe geht derzeit weltweit viral. Selbst erfahrene Tierärzte zeigten sich überrascht. PETBOOK hat mit dem behandelnden Veterinär Dr. Phil Caldwell gesprochen und erfahren, was wirklich hinter dem ungewöhnlichen Zustand steckt – und wie es „Kugelfisch-Katze“ Zoe heute geht.
„Das ist einer der verrücktesten Fälle, die ich seit Langem gesehen habe“
Es ist ein bizarrer Anblick: ein Kätzchen, dessen Kopf wie ein aufgeblasener Ballon wirkt – so riesig, dass das Gesicht darin winzig erscheint. Viele denken bei dem Anblick sofort an einen Hydrocephalus, auch bekannt als Wasserkopf, doch bei Zoe war es ein anderes Element, das zur Unförmigkeit des armen Kätzchens führte: Luft!
Sie sah „aus wie ein großer Puffball“, also wie ein aufgeplusterter Ball, sagt Dr. Caldwell, medizinischer Leiter des Palm Springs Animal Shelter im Gespräch mit PETBOOK. Er hatte Zoe am 5. März auf seinem Instagram-Kanal „drphil_thevet“ präsentiert. „Das ist einer der verrücktesten Fälle, die ich seit Langem gesehen habe.“
Als Zoe im Tierheim ankam, war ihr gesamter Körper mit Luft gefüllt. Die Diagnose: subkutanes Emphysem. Dahinter verbirgt sich laut Dr. Caldwell ein Zustand, bei dem „Luft direkt unter der Haut eingeschlossen ist“. Diese kann sich dann im ganzen Körper verteilen – so wie bei Zoe.
Luft unter der Haut – was ist subkutanes Emphysem?
In seiner über 30-jährigen Karriere habe er so etwas nur ein einziges Mal zuvor gesehen, berichtet der Tierarzt. Damals sei bei einer Katze während einer Narkose versehentlich die Luftröhre verletzt worden. „Die Luft ist aus der Luftröhre entwichen und hat sich unter der Haut verteilt“, erklärt er.
Auch bei Zoe geht er davon aus, dass die Ursache eine Verletzung der Luftröhre war. Vermutlich sei diese entstanden, als sie noch ein sehr kleines Kitten war. Denkbar sei etwa ein unglücklicher Zwischenfall mit einem anderen Tier – „möglicherweise eine andere Katze oder sogar die Mutter, als sie das Kitten getragen hat“. Für Dr. Caldwell steht fest: „Ich glaube nicht, dass es etwas Böswilliges war, sondern eher ein Unfall.“
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Extrem selten – selbst für erfahrene Tierärzte
Wie häufig kommt so etwas vor? Die klare Antwort: so gut wie nie. „Ich denke, das ist ziemlich selten“, sagt Caldwell. Neben dem Fall aus seiner eigenen Praxis habe er lediglich einen weiteren ähnlichen Fall im Internet gefunden – ebenfalls bei einem Kitten.
Dass es sich nicht um ein angeborenes Problem handelt, hält er ebenfalls für wahrscheinlich. Denn: „Wenn es eine anatomische Besonderheit wäre, würde sich das Problem immer wieder zeigen.“ Bei Zoe hingegen füllt sich die Luft nicht erneut nach – ein Hinweis darauf, dass die ursprüngliche Verletzung bereits verheilt ist.
Hatte Zoe Schmerzen?
Für viele Tierfreunde wohl die wichtigste Frage: Hat Zoe unter ihrem Zustand gelitten? Dr. Caldwell geht davon aus, dass sie sich anfangs durchaus unwohl gefühlt hat. „Ich glaube, sie war ziemlich beeinträchtigt, als sie ins Tierheim kam.“ Trotzdem habe sie ein erstaunliches Verhalten gezeigt: „Sie wollte weiterhin fressen und hat Zuneigung gesucht – selbst in diesem Zustand.“
Auch nach der Behandlung scheint sie kaum Schmerzen gehabt zu haben. Selbst das Ablassen der Luft – bei dem der Tierarzt mit einer Nadel Luft aus verschiedenen Körperstellen entfernte – habe sie ruhig mitgemacht. „Sie war sehr kooperativ“, berichtet er.
Tierarzt musste Luft mit Spritze heraussaugen
Die Therapie selbst klingt spektakulärer, als sie ist: Die eingeschlossene Luft wurde einfach mit einer Spritze entfernt. „Ich habe Luft aus drei verschiedenen Bereichen entnommen – vom Hals bis zum unteren Rücken“, so Caldwell.
Die größte Herausforderung war dabei nicht die Behandlung selbst, sondern Zoes fragiler Zustand. „Ich konnte keine weiterführende Diagnostik wie ein CT durchführen, weil sie viel zu klein und zu empfindlich für eine Narkose war.“ Zum Zeitpunkt ihrer Aufnahme wog sie gerade einmal rund 700 Gramm.
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Wie geht es Zoe heute?
Die gute Nachricht: Zoe ist auf dem besten Weg der Besserung.
„Sie verhält sich wie ein ganz normales Kätzchen“, sagt Dr. Caldwell. In ihrer Pflegestelle lebt sie inzwischen mit einem Hund und einer anderen Katze zusammen, hat viel Platz zum Spielen – und „blüht richtig auf“.
Ganz überstanden ist die Erkrankung allerdings noch nicht. „Es gibt noch eine kleine Menge Luft unter der Haut, im Bereich des unteren Rückens“, erklärt er. Diese werde aber voraussichtlich „innerhalb der nächsten Wochen vollständig verschwinden“.
Langzeitfolgen erwartet der Tierarzt nicht: „Ich rechne nicht damit, dass sie irgendwelche bleibenden Schäden haben wird.“
„Die Ausstrahlung einer Löwin“
Besonders beeindruckt hat Dr. Caldwell jedoch etwas anderes: Zoes Charakter.
„Sie ist wirklich eine außergewöhnliche Katze“, sagt er. Trotz ihres Zustands habe sie „keine Anzeichen gezeigt, aufzugeben“. Egal ob Behandlung, Temperaturmessen oder Impfungen – „nichts scheint sie zu stören“.
Sein Fazit: „Sie hat das Selbstbewusstsein und die Ausstrahlung einer Löwin.“ Und genau das ist es wohl, was Millionen Menschen derzeit an Zoe fasziniert. Nicht nur ihr ungewöhnlicher medizinischer Fall – sondern vor allem ihre Stärke.