15. April 2026, 16:47 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Seit Monaten taucht ein Produkt immer wieder ganz oben in den Bestseller-Listen des Online-Handels auf – und sorgt für neugierige Blicke bei Katzenhaltern. Was steckt hinter dem Erfolg von „Diamond Care Fresh“? Ist der vergleichsweise hohe Preis gerechtfertigt oder nur geschicktes Marketing? PETBOOK-Redakteurin Saskia Schneider machte den Praxistest mit zwei tierischen Testerinnen – mit einem Ergebnis, das vor allem in einem Punkt überrascht.
Was soll Biokat’s „Diamond Care Fresh“ können?
Die Bentonit-Klumpstreu „Diamond Care Fresh“ von Biokat’s wirkt für mich erstmal wie eine ganz herkömmliche Klumpstreu, wird aber mit mehreren Vorteilen beworben. Dazu zählt vor allem die besonders starke Geruchsbindung durch Aktivkohle aus nachwachsendem Rohstoff. Zudem soll die Streu eine pflegende Wirkung für die Katzenpfoten dank Aloe vera haben. Die feine Körnung soll feste, flache Klumpen ermöglichen. Zudem hebt der Hersteller die Ergiebigkeit der zehn Liter Packung hervor.
Praxistest unter realistischen Bedingungen
Für den Vergleich habe ich die Streu mehrere Tage parallel zu meiner herkömmlichen Klumpstreu getestet – und zwar unter identischen Voraussetzungen. Zum Einsatz kamen zwei offene Katzentoiletten ohne Haube, um Gerüche möglichst unverfälscht beurteilen zu können.
Besonderes Augenmerk lag auf verschiedenen Faktoren:
- dem Verhalten der zwei Katzen mit unterschiedlichen Gewohnheiten (Katze Sweety uriniert bevorzugt am Rand),
- der Sichtbarkeit herausgetragener Streu mithilfe einer weißen Matte,
- der Geruchsbindung sowie
- der Staubentwicklung beim Einfüllen und Scharren.
- Auch die Haptik wurde per Handtest überprüft.
Geruchsbindung: Hier punktet die Streu
In einem Punkt hebt sich die Streu klar von vielen Konkurrenzprodukten ab: der Geruchsneutralisation. Ich wollte es wirklich wissen und habe eine der Toiletten offen im Schlafzimmer platziert. Selbst dann blieb die Geruchsbelastung minimal. Auch beim Reinigen war kaum etwas wahrnehmbar.
Um überhaupt Uringeruch festzustellen, musste ich mit der Nase schon wirklich nah an den Klumpen herangehen. Für mich stellt das einen deutlichen Unterschied zu vielen anderen Bentonitstreus dar, denn hier schießt einem bereits beim Reinigen ein Uringeruch entgegen. Die enthaltene Aktivkohle zeigt hier also ihre Wirkung: Durch ihre große Oberfläche kann sie geruchsverursachende Moleküle effektiv binden.
Der zugesetzte Babypuderduft bleibt dabei sehr dezent und überdeckt nichts künstlich. Allerdings bräuchte ich diesen nicht und bin generell eher gegen eine künstliche „Beduftung“ von Katzenstreu. Meine beiden Katzen zeigten aber immerhin keinerlei Abwehrreaktionen.
Klumpenbildung: Solide, aber nichts Besonderes
Die Streu überzeugt mit zuverlässiger Klumpenbildung. Die entstandenen Klumpen sind stabil und lassen sich problemlos entfernen, ohne zu zerfallen. Selbst bei Katzen, die bevorzugt an den Rand pinkeln, wie meine Sweety, blieb nichts am Toilettenrand haften.
Ein klarer Vorteil gegenüber günstigeren Alternativen zeigt sich mir jedoch nicht. Die Qualität bewegt sich auf dem Niveau anderer hochwertiger Bentonitstreus – solide, aber nicht überlegen.
Haptik und Staubentwicklung
Die feine Körnung sorgt für eine angenehme Struktur, die sich auch für empfindliche Katzenpfoten eignet. Beim Test fühlte sich das Material weich an, ohne scharfe Kanten.
Ganz staubfrei ist die Streu nicht, was bei Bentonit jedoch auch kaum realistisch ist. Die Staubentwicklung beim Einfüllen war moderat. Sweety musste kurz danach schon unbedingt die Toilette inspizieren und hat nicht einmal genießt.
Aloe vera? Für mich eher Marketing als Mehrwert
Den beworbenen Pflegeeffekt durch die kleinen Aloe-vera-Kügelchen in der Streu konnte ich im Test nicht nachvollziehen. Weder an den Händen noch bei den Katzenpfoten war ein Unterschied erkennbar. Die als „weich“ empfundene Haptik dürfte vielmehr auf den feinen Bentonitanteil zurückzuführen sein.
Auch aus tiermedizinischer Sicht ist eine zusätzliche Pfotenpflege über die Streu nicht wirklich erforderlich. Mal ganz davon abgesehen, dass sich Katzen die Pfoten in der Regel nach dem Klogang sauber lecken.
Streuverhalten: Kein Unterschied zu anderen feinen Sorten
Wie viele feinkörnige Klumpstreus landet auch dieses Produkt außerhalb der Toilette. Allerdings erkenne ich hier keinen großen Unterschied zu meiner herkömmlichen Streu, die eine ähnlich feine Körnung aufweist. Dieser Punkt ist für mich aber nicht wirklich relevant, denn fast jede Streu landet auch immer mal auf Teppich und Möbeln.
Warum mineralische Katzenstreu ein echtes Umweltproblem ist
Meine Einschätzung: Vor allem die Geruchsbindung überzeugt
Während Klumpfähigkeit, Haptik und Staubentwicklung im guten Durchschnitt liegen, hebt sich die Streu vor allem durch ihre außergewöhnliche Geruchsneutralisation ab. Genau dieser Punkt ist für viele Katzenhalter aber besonders relevant. Denn wer seine Haustiere artgerecht hält, kommt nicht immer drumherum, auch an frequentierteren Orten wie dem Wohn- oder Schlafzimmer Toiletten aufzustellen. Hier ist eine gute Geruchsbindung enorm von Vorteil.
Fazit: Lohnt sich der höhere Preis?
Der größte Vorteil ist eindeutig die starke Geruchsbindung. Gerade in Wohnungen, in denen die Katzentoilette im Wohn- oder Schlafzimmer steht oder bei besonders geruchssensiblen Personen, kann das ein entscheidender Faktor sein.
Insgesamt handelt es sich um eine qualitativ hochwertige Katzenstreu mit klar erkennbarem Geruchs-Plus. Der höhere Preis bleibt jedoch ein spürbarer Nachteil – und sollte bewusst gegen den Komfortgewinn abgewogen werden.