15. Oktober 2025, 5:46 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Die Cymric-Katze fällt sofort ins Auge – nicht nur wegen ihres dichten, halblangen Fells, sondern vor allem wegen ihres fehlenden Schwanzes. Doch genau dieses Merkmal, das sie einzigartig erscheinen lässt, ist zugleich auch ihr größtes Leiden. In Deutschland gilt sie deshalb als Qualzucht und darf nicht gezüchtet werden. Was hinter dieser umstrittenen langhaarigen Variante der Manx-Katze steckt, erfahren Sie im folgenden Porträt.
Herkunft
Die Cymric-Katze stammt ursprünglich von der Isle of Man, einer kleinen Insel zwischen Großbritannien und Irland. Sie ist eng verwandt mit der Manx-Katze, von der sie sich vor allem durch das längere Fell unterscheidet. In vielen internationalen Zuchtverbänden werden beide Varianten als eine einzige Rasse geführt. Charakteristisch für beide ist der fehlende oder stark verkürzte Schwanz – ein Merkmal, das auf eine genetische Mutation zurückzuführen ist.
Obwohl der Name „Cymric“ keltisch klingt und an Wales erinnert (das auf Walisisch „Cymru“ heißt), hat die Rasse mit diesem Land nichts zu tun. Der Name wurde in den 1960er-Jahren in Kanada geprägt, als man begann, die langhaarige Variante der Manx gezielt zu züchten und sie besonders in den USA zu vermarkten. Der Begriff sollte lediglich eine mystische und keltische Assoziation schaffen.
In Deutschland ist die Zucht der Cymric verboten, da sie unter den Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes in Bezug auf Qualzuchten fällt. Der fehlende Schwanz geht mit schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen einher, die das Leben der Tiere massiv beeinträchtigen können.
Aussehen & Fell
Die Cymric ist eine mittelgroße, kräftig gebaute Katze mit einem kompakten Körperbau. Ihr Rücken ist auffallend kurz, die Flanken tief, der Brustkorb breit. Die Hinterbeine sind länger als die Vorderbeine, was der Cymric beim Gehen ein hoppelndes Erscheinungsbild verleiht – ähnlich dem eines Kaninchens.
Der Kopf ist rundlich mit ausgeprägten Backen, die Ohren stehen mittelgroß auf dem Schädel. Das halblange Fell ist dicht und verfügt über eine ausgeprägte Unterwolle, was der Cymric ein plüschiges Erscheinungsbild verleiht. In der Zucht sind sämtliche Fellfarben und Muster erlaubt.
Besonders auffällig – und zugleich problematisch – ist die Ausprägung des Schwanzmerkmals. Die Fédération Internationale Féline (FIFe) unterscheidet drei Varianten:
- Rumpy: vollständiges Fehlen des Schwanzes, mit sichtbarer Vertiefung am Rückenende
- Rumpy Riser: leichtes Hervortreten des Rückgrats
- Stumpy: kurzer, maximal 3 cm langer, teils deformierter Schwanz
Andere Verbände kennen zusätzlich die Variante „Longy“ mit teilweisem Schwanzansatz. In einigen Fällen wird dieser sogar kupiert, um das Idealbild der Schwanzlosigkeit zu erfüllen – ein Vorgehen, das ebenfalls in Deutschland verboten ist.
Charakter & Gemüt
Die Cymric wird trotz ihrer körperlichen Einschränkungen häufig als verspielt, aktiv und menschenbezogen beschrieben. Sie sucht die Nähe ihrer Bezugspersonen, liebt es zu kuscheln und nimmt gerne an familiären Aktivitäten teil. Ihr freundliches Wesen macht sie zu einem angenehmen Begleiter im Alltag.
Durch den fehlenden Schwanz ist ihre Körpersprache jedoch eingeschränkt, was die Kommunikation mit anderen Katzen erschwert. Gerade im Mehrkatzenhaushalt kann dies zu Missverständnissen oder sogar Aggressionen führen. Aus diesem Grund ist es oft sinnvoll, sie mit ebenfalls beeinträchtigten oder besonders sozialverträglichen Katzen zu halten. Im Umgang mit Hunden zeigt sie sich in der Regel tolerant.
Training & Beschäftigung
Aufgrund des fehlenden Schwanzes hat die Cymric in der Regel ein Handicap, wenn es ums Klettern und Springen geht. Denn mit dem Schwanz balanciert eine Katze. Es kann also sein, dass die Cymric weniger agil ist oder sich bei Sprüngen verschätzt und stürzt.
Gleichzeitig ist sie jedoch ganz Katze und will ausgelastet werden. Dafür eignen sich vor allem Intelligenz- und Jagdspiele. Allerdings sollte man als Halter darauf achten, dass sich die Cymric dabei nicht überanstrengt. Dies erkennt man an Hecheln oder Schnauben, heftigem Atmen und warmer Nase und Ohren.
Richtige Haltung & Pflege
Wer sich ein Herz für die Cymric fassen möchte, sollte sich unter keinen Umständen eine kaufen und somit die hierzulande verbotene Zucht unterstützen. Stattdessen sollte man sie aus zweiter Hand oder aus dem Tierschutz adoptieren. Bei dieser Rasse muss man sich als Halter auch auf sehr hohe Tierarztkosten und häufige Kontrollbesuche einstellen, um dem Tier eine lebenswerte Zeit zu ermöglichen. Denn die Cymric leidet ihr Leben lang unter dem Fehlen des Schwanzes und kann teils starke Schmerzen haben.
Für die Cymric eignet sich vor allem eine Wohnungshaltung oder gesicherter Freigang auf Terrasse oder Balkon. Denn aufgrund des fehlenden Schwanzes kann sie nicht richtig mit Artgenossen kommunizieren und es besteht die Möglichkeit, dass sie von anderen Freigängern angegriffen oder gemobbt wird.
Von der Cymric heißt es, dass sie gern im Wasser planscht. Ob dies ein Überbleibsel ihres Ursprungs auf der Isle of Man ist, lässt sich nicht sagen. Gerade im Sommer kann man ihr aber ein Planschbecken zum Spielen anbieten. Anschließend sollte man das lange Fell jedoch gut abtrocknen.
Generell sollte ihr Fell drei bis vier Mal die Woche gebürstet werden, im Fellwechsel ist sogar tägliche Fellpflege sinnvoll. Auch die Ohren sollten regelmäßig kontrolliert werden, denn durch den dichten Bewuchs könnten sich Schmutz oder Milben in der Ohrmuschel sammeln.
Ernährung
Als obligater Fleischfresser ist die Cymric wie alle Katzen auf eine proteinreiche Ernährung angewiesen. Hochwertige Nassfutter mit hohem Fleischanteil und wenig pflanzlichen Zusätzen sind zu bevorzugen. Auch geeignetes Trockenfutter kann ergänzend gefüttert werden, sollte aber nicht die Hauptnahrung darstellen.
Wichtig ist eine bedarfsgerechte Fütterung, die das individuelle Aktivitätslevel und eventuelle gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigt. Regelmäßige Gewichtskontrollen und Rücksprache mit dem Tierarzt helfen, Folgeerkrankungen zu vermeiden.
Manx Katze
Was Sie über die Katzenrasse Japanese Bobtail wissen sollten
Anfälligkeit für bestimmte Krankheiten
Die Cymric trägt eine tödliche Erbkrankheit in ihren Genen. Denn das Merkmal, das ihre Schwanzlosigkeit bedingt, führt bei dominanter Vererbung zum Tod der Tiere. Etwa 25 Prozent der Nachkommen in der Zucht sterben so bereits vor der Geburt oder kurze Zeit danach.
Der Gendefekt wirkt sich auf die gesamte Wirbelsäule und das Rückenmark aus. Bei der Zucht entstehen so immer wieder Tiere mit deformierten oder zusammengewachsenen Wirbeln oder einem offenen Rücken. Es wird auch von einem Hang der Cymric zu Gelenkerkrankungen wie Arthritis berichtet, die die Katzen meist auch schon in sehr jungem Alter entwickeln.
Die Folgen dieser Grunderkrankung können unter anderem Lähmungen der hinteren Gliedmaßen, sowie Schmerzen im Beckenbereich, beim Toilettengang oder auch vollständige Urin- und Kot-Inkontinenz sein. Allerdings kann auch der Darmausgang der Tiere so verformt sein, dass es zu häufigen Verstopfungen und Entzündungen der Analdrüsen kommt.
Die Cymric im Überblick
- Charakter: aktiv, verspielt, menschenbezogen
- Größe: mittelgroß
- Gewicht: 3–6 kg
- Fell: mittellang
- Pflege: aufwendig, Fellpflege mehrmals in der Woche, häufige Kontrollen beim Tierarzt nötig
- Besonderheiten: gilt als Qualzucht. Beim Wunsch nach einer Cymric sollte man nur aus dem Tierschutz adoptieren.