5. November 2026, 13:12 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Im Juni 2022 wurde bei Kater Jackie Diabetes mellitus festgestellt. Wenige Wochen später war er tot. Dazwischen lagen eine Urlaubsreise seiner Halter, währenddessen Betreuerin Victoria Elsner den noch nicht eingestellten Diabetiker allein versorgen sollte und ein Wochenende, an dem der Kater plötzlich verschwand. Elsner schildert in einem Erfahrungsbericht, wie es dazu kam, denn der Fall von Jackie beschäftigt sie bis heute. PETBOOK gibt ihren Bericht wieder und erklärt, worauf Halter einer diabetischen Katze achten sollten, wenn sie verreisen.
Wie die Betreuung begann
Jackie war ein mittelalter, rund 4,3 Kilogramm schwerer Kater. Victoria Elsner beschreibt ihn als gemütlich, ruhig, verschmust – einfach ein „lieber Kerl“. Schon zu Beginn der Betreuung fiel auf, dass er sehr schlecht fraß. Wegen seines schlechten Allgemeinzustands veranlassten seine Halter eine Blutuntersuchung, bei der Diabetes festgestellt wurde. Danach begann eine Insulintherapie.
Die Halter wollten Jackie wünschten sich ein Insulin, das nur einmal täglich oder noch seltener gegeben werden müsste. Aus tiermedizinischer Sicht sei das zu diesem Zeitpunkt keine sinnvolle Lösung gewesen, sagt Elsner. Jackie befand sich noch in der Einstellungsphase, in der regelmäßige Blutzuckerkontrollen, gegebenenfalls Ketonkontrollen und eine sorgfältige Überwachung wichtig sind, um die Insulindosis anzupassen. Man entschied sich deshalb für ein Insulin, das zweimal täglich gespritzt wird. Das entspricht auch dem, was Ratgeber für Katzen beschreiben: Insulin wird üblicherweise zweimal am Tag gegeben, und regelmäßige Blutzuckermessungen sind nötig, damit die Dosis angepasst werden kann. 1,2
Eine Erstbetreuung unter schwierigen Voraussetzungen
Dann wollten die Halter verreisen – mitten in der Einstellungsphase. Elsner kannte weder Jackie noch seine Halter und hatte den Auftrag über eine Empfehlung erhalten. Trotzdem übernahm sie die Betreuung und damit praktisch auch die Begleitung der Diabetes-Einstellung.
Mehrere Dinge machten das schwierig, schildert sie:
- Wenig Gewöhnung: Jackie war weder an Blutzuckermessungen noch an regelmäßiges Spritzen gewöhnt. Ein vorheriges Medical Training gab es nicht. Zum Messen musste mit einer Kanüle ins Ohr gestochen werden, teilweise kam nicht genug Blut, und der Kater wurde schnell unruhig.
- Zu wenig Material: Lanzetten und Blutzuckerstäbchen gingen zur Neige, sodass im weiteren Verlauf keine zuverlässigen Messungen mehr möglich waren. Auch die passenden Spritzen waren nicht ohne Mühe zu organisieren.
- Schlechter Appetit: Jackie fraß häufig nur, wenn jemand dabei war. Teilweise musste Elsner ihn mit einer Futterspritze füttern, damit er überhaupt etwas aufnahm und die Insulingabe vertretbar war.
- Zu wenig Betreuungszeit: Elsner war allein vor Ort und nur alle zwölf Stunden eingeplant. Das hielt sie für einen noch nicht eingestellten Diabetiker für deutlich zu wenig. Sie bat darum, die Nachbarn einzubeziehen, doch die trauten sich die Blutzuckermessung nicht zu, und es gab Zweifel, ob sie zuverlässig nach dem Kater sehen würden.
- Halter nicht erreichbar: Die Halter wussten laut Betreuerin um die Schwierigkeiten, wollten die Reise aber nicht verschieben. Sie waren rund 800 Kilometer entfernt und ließen wissen, dass sie im Notfall nicht zurückkommen könnten.
Mehrfach brachte Elsner Jackie in die Tierarztpraxis, unter anderem für eine Kontrolle des Langzeitblutzuckers. Doch die Werte blieben leider nicht optimal.
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Der Wendepunkt
Am Freitag, den 22. Juli 2022, wurde Jackie morgens in der Praxis untersucht, gefüttert und mit Insulin versorgt. Danach wurde der Kater von einer Angehörigen der Halter abgeholt. Zu Hause wurde Jackie offenbar panisch und verschwand über das ganze Wochenende. Eine lange Zeit, in der der Kater weder Futter noch Insulin bekam.
Erst am Sonntagmorgen bemerkte Elsner, dass Jackie seit Freitag nicht mehr vernünftig versorgt wurde. Als er dann wieder auftauchte, machte er einen sehr schlechten Eindruck. Obwohl Elsner Jackies Halter aufforderte, sofort einen tierärztlichen Notdienst aufzusuchen, wollte die Familie lieber abreisen.
Wenig später fand Elsner Jackie regungslos auf dem kalten Fliesenboden. Sie gab ihm Glukose über das Maul, alarmierte den Notdienst und brachte ihn in eine Tierklinik. Dort wurden Blut und Ultraschall untersucht. Jackie musste stationär aufgenommen werden, bekam Infusionen und Medikamente und wurde zwangsernährt.
In Absprache mit den Haltern wurde Jackie schließlich eingeschläfert. Als Begründung hieß es, sie wollten den Kater nicht allein auf einer Station zurücklassen und ihm ersparen, ohne seine Bezugspersonen in der Klinik zu sterben. Elsner begleitete den Kater bei der Einschläferung und hielt ihn bis zum Schluss im Arm.
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Was bleibt
Für Victoria Elsner war das „unglaublich schwer“ – obwohl sie Jackie nur kurz kannte. In diesen Tagen habe sich eine intensive Verbindung entwickelt. „Was mich bis heute besonders beschäftigt, ist die Frage, ob Jackie überhaupt eine echte Chance bekommen hat“, reflektiert sie später.
Ob sich Jackie von der schweren Stoffwechselentgleisung erholt hätte, lasse sich im Nachhinein nicht sagen, die Chancen seien laut behandelnder Tierärztin begrenzt gewesen. Die Betreuerin hatte aber den Eindruck, dass die Halter mit der Diagnose und der nötigen Therapie überfordert waren. Dass die Verantwortung für einen frisch diagnostizierten Diabetiker praktisch vollständig auf eine fremde Person übertragen wurde, während die Halter weiter Urlaub machten, war zu akzeptieren gewesen.
Eine Erstbetreuung wie diese würde Elsner deswegen heute nicht mehr übernehmen. Insbesondere nicht bei einem frisch diagnostizierten Diabetiker in der Einstellungsphase, wenn die Halter nicht eingebunden sind.
Gleichzeitig bleibe ein Dilemma: Wenn professionelle Betreuer solche Fälle ablehnen, kümmern sich im schlimmsten Fall überforderte Nachbarn oder Familienmitglieder. Professionelle Betreuung bedeute deshalb nicht nur füttern, spielen und kraulen, sondern „Grenzen setzen, Verantwortung einfordern und im Zweifel auch nein sagen“.
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Was Halter einer Katze mit Diabetes wissen müssen
Katzen können mit der Erkrankung laut Allianz bei entsprechender Behandlung noch viele Jahre mit guter Lebensqualität leben. Bei vielen Katzen ist sogar eine Remission möglich, also ein Blutzucker, der ohne Insulin über Ernährung eingestellt werden kann. Voraussetzung ist eine engmaschige Betreuung, vor allem am Anfang:3
- Besitzer sind Teil der Therapie. Halter müssen Injektionen korrekt durchführen und Veränderungen, Unterzuckerung oder Ketoazidose erkennen. Idealerweise erstellen sie zu Hause ein Blutzucker-Tagesprofil.
- Unterzuckerung ist die wichtigste Komplikation. Sie kann plötzlich auftreten, mit Schwäche, Teilnahmslosigkeit, Krampfanfällen bis hin zum Koma.
- Fütterung mit der Praxis absprechen. Empfehlenwert sind gleichbleibende Fütterungszeiten und Insulin nach einer Mahlzeit. Aber es kann auch sein, dass die Spritze bei Katzen mit mehreren kleinen Mahlzeiten nicht an die Fütterung gekoppelt sein muss. Welcher Weg passt, entscheidet die Praxis
Wer verreisen möchte, sollte das vorher mit der Tierarztpraxis klären, vor allem bei einer frisch diagnostizierten Katze.