20. November 2025, 7:06 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten
Katzen gelten als selbstständig – doch auch ihnen ist langweilig, wenn ihre Menschen aus dem Haus sind. Eine Spielzeugmaus oder ein Ball reichen oft nicht, damit Katzen sich sinnvoll allein beschäftigen. PETBOOK-Redakteurin Saskia Schneider ist Expertin für Katzenverhalten und erklärt, warum Langeweile bei Katzen zu Problemen führen kann und was dagegen hilft.
Warum Katzen Beschäftigung brauchen
Unsere Hauskatzen müssen sich heute nicht mehr selbst um ihre Mahlzeiten kümmern. Das ist einerseits schön, denn so bleibt mehr Zeit zum Schmusen – aber es birgt auch die Gefahr von Langeweile und Frust. Denn der Jagdtrieb ist so tief in unseren Katzen verwurzelt, dass sie ihn auch ausüben, wenn sie satt sind.
In der Natur würden Katzen mehrmals täglich auf die Jagd gehen. Ein typischer Tagesablauf sieht etwa so aus: aufwachen, jagen, Beute machen, fressen, putzen, schlafen. Das bedeutet also: Wenn wir nicht zu Hause sind, schlafen unsere Tiere nicht etwa die gesamte Zeit durch. Sie wachen immer mal wieder auf und suchen dann nach Beschäftigung.
Wenn Langeweile zum Problem wird
Können Katzen ihre natürlichen Bedürfnisse nicht ausreichend ausleben oder finden sie nicht genügend Ventile, suchen sie sich diese woanders. Dann landen auch mal Gegenstände auf dem Boden und gehen zu Bruch, Sofas werden zerkratzt oder Plätze erkundet, an denen die Tiere eigentlich nichts verloren haben oder die sie sogar in Gefahr bringen.
Sicher schmeißen auch Katzen, die geistig und körperlich ausgelastet sind, mal den ein oder anderen Blumentopf um. Doch Langeweile führt zu Frust und im schlimmsten Fall zu aggressiven Verhalten. Denn die Energie, die sich aufstaut, während die Tiere allein sind, kann sich schlagartig entladen, wenn es dann endlich ans Spielen geht. Dann werden die Tiere mitunter sehr grob und sind einfach „drüber“ – übrigens auch beim Umgang mit Artgenossen.
Spielzeug – aber bitte sicher
Die einfachste Methode, Katzen allein zu Hause zu beschäftigen, ist Spielzeug. Aber bitte katzengerecht. Schnüre, Zopfgummis oder alles, was die Katze verschlucken kann, sollten nicht frei zugänglich sein. Auch Spielangeln gehören sicher verschlossen, denn die Gefahr besteht, dass die Tiere sich in Abwesenheit darin verheddern, in Panik geraten und sich so ernsthaft verletzen oder gar erdrosseln.
Gut eignen sich größere Bälle oder Spielmäuse, die die Katze jagen kann. Damit es interessant bleibt, kann man die Spielzeuge täglich austauschen oder auch verstecken. Das hängt aber immer auch von der Persönlichkeit der Tiere ab, denn manche Katzen haben regelrechte Lieblingsspielzeuge, die sogar beruhigend auf die Tiere wirken können, wenn ihr Mensch gerade abwesend ist.
Welche Spielzeuge sich dafür eignen, verraten wir Ihnen im BILD-Kaufratgeber: Katzenspielzeuge im Test: Was Ihrer Katze wirklich Spaß macht
Futterpuzzle und Intelligenzspiele
Meines Erachtens ist die beste Möglichkeit, Katzen allein zu beschäftigen, Futterspiele. Hierfür muss man nicht in teure Futterpuzzle investieren. Aus Klopapierrollen und ein bisschen Bastelgeschick lassen sich schnell selbst Verstecke für Leckerli basteln. Mittlerweile gibt es auch eine Bandbreite an Intelligenzspielzeugen für Katzen. Diese kann man wahlweise mit Spielzeug oder Leckerli bestücken. Wichtig ist, dass die Katze die Puzzles oder Spiele zuvor versteht. Denn wenn es zu schwer ist, kann das frustrierend für die Tiere sein.
Leckerli verstecken
Statt einer Puzzlematte kann man Leckerli auch in einem bestimmten Zimmer oder im gesamten Haus verstecken. Hier eignet sich vor allem Trockenfutter, aber auch getrocknete Hühnchenstreifen sind ein beliebter Snack. Das Suchen nach den Leckereien kommt dem natürlichen Verhalten der Katze entgegen. Denn sie erkunden normalerweise ihr Revier mit mehreren Streifzügen am Tag. Wenn man dabei dann noch etwas Leckeres findet, kann dieses Erfolgserlebnis das Selbstbewusstsein und die Zufriedenheit der Katze steigern und Frust vorbeugen.
Futterautomat
In der Natur nehmen Katzen bis zu zwölf kleine Mahlzeiten zu sich. Wer berufstätig ist, füttert sein Tier jedoch im Normalfall zweimal am Tag. Warum das fatal ist, habe ich in diesem Artikel erklärt. Besser ist es, dem Tier mehrere Mahlzeiten am Tag anzubieten – das geht am besten mit Futterautomaten und beugt ebenfalls Langeweile vor.
Noch besser ist es, wenn das Futter nicht einfach nur freigegeben wird oder aus dem Automaten in die Schüssel fällt, sondern lustig über den Boden fliegt. Denn auch das ist bereits möglich. So gibt es spezielle Haustierkameras mit Leckerli-Auswurf, die man aus der Ferne per App bedienen kann. So stellt man sicher, dass die Katze auch gerade in der Stimmung für ein Spiel ist.
Wichtig: Bevor man das Tier mit dem Futterautomaten allein lässt, sollte man seine Katze schrittweise daran gewöhnen, sonst kann es sein, dass sie den Futterautomaten ignoriert oder sogar Angst bekommt, wenn auf einmal Futter über den Boden rollt.
Interaktive Spiele
Die Technik macht auch vor Katzenspielzeug nicht halt, und mittlerweile gibt es sogar ein paar sinnvolle Gadgets. Zum Beispiel Bälle, die von selbst durch die Gegend rollen, sich durch Berühren mit der Pfote aktivieren lassen und sich sogar aktiv von der Katze wegbewegen. Auch zappelnde Fische oder flatternde Vögel mit Katzenminze-Duft regen viele Tiere zum Spiel an, eignen sich aber nur, wenn die Katze keine Angst davor hat und nicht zu zerstörerisch ist. Dann sollte das Spiel mit elektronischen Dingen nur unter Aufsicht erfolgen.
Bei interaktiven Katzenspielzeugen sollte man zudem darauf achten, dass sie abwechslungsreich sind. Ein Schmetterling an einer Stange, der sich mal nach rechts oder links im Kreis dreht, mag für Kitten noch spaßig sein. Erwachsene Katzen verlieren hier schnell das Interesse.
Katzenkino
Auch Vögel beobachten kann eine sinnvolle Beschäftigung für Katzen sein. Am besten natürlich die echten vor dem Fenster. Aber auch andere Dinge, die in der Nachbarschaft passieren, werden gern von den Tieren beäugt – etwa die Müllabfuhr oder spielende Kinder auf dem Hof. Wer seiner Katze besonders viel Spannung bieten möchte, kann eine Futterstelle für Vögel direkt vor dem Fenster einrichten.
Aber Achtung: Dann sollte man das Fenster in der eigenen Abwesenheit auch stets geschlossen halten, damit die Tiere nicht durch das gekippte Fenster an die schmackhaften Vögel gelangen wollen.
Für manche Tiere eignet sich auch Katzenfernsehen. Hier ist es wichtig, zunächst vor Ort zu sein, um zu beobachten, ob das Fernsehprogramm nicht zu Frustration führt, denn die Vögel oder Mäuse können ja nie erbeutet werden. Auch wenn das Tier gegen den Bildschirm springt, sollte man lieber von dieser Beschäftigung absehen. Manchen Tieren kann es aber helfen, wenn ein Fernseher läuft – allein wegen der Geräuschkulisse.
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Worauf man bei Katzenspielzeug achten sollte
Finger weg von Laserpointer und Co.
Viele Katzen sind ganz wild auf das Spiel mit dem Laserpointer. Mittlerweile gibt es auch interaktive Spielzeuge, die einen Laserstrahl erzeugen und durch das Zimmer bewegen. Hier wird oft aktiv damit geworben, dass es Langeweile vorbeugt, was allerdings extrem fahrlässig ist. Nicht nur, dass der Laserstrahl im Auge der Katze Schaden anrichten kann. Dieses „Spiel“ kann zu Frust und Suchtverhalten führen. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Artikel: Expertin warnt vor diesen Spielen für Katzen.
Katzen langweilen sich auch zu zweit
Viele glauben, ihrer Katze werde nicht langweilig werden, nur weil sie einen Artgenossen oder mehrere zur Seite hat. Aber das ist oft nicht der Fall. Zwar spielen Katzen auch miteinander, aber eine Garantie gibt es nicht. Und auch wenn die Tiere gemeinsam Jagdspiele machen, bedeutet das nicht, dass sie keine Beschäftigung benötigen. Diese ist mindestens genauso wichtig wie das gemeinsame Spiel mit dem Menschen.
Zur Autorin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.