25. September 2025, 17:09 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Rohfutter und wenig behandeltes Futter sind beliebt wie nie – viele Katzenhalter sehen darin die natürliche Alternative. Doch eine aktuelle Studie der Cornell University zeigt: Gerade in diesem Katzenfutter können Krankheitserreger stecken – mit potenziell tödlichen Folgen für Mensch und Tier. Besonders eine Art von Produkten gerät dabei in den Blick.
Beliebte Katzensnacks stark belastet
Eine Forschergruppe um Guillaume Reboul der Cornell University hat im Rahmen einer Studie 112 kommerzielle Katzenfutterprodukte aus den USA untersucht. Darunter waren Dosen, Trockenfutter und verschiedene Arten von rohen Produkten, wie gefriergetrocknetes oder tiefgefrorenes Fleisch. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Communications Biology“ veröffentlicht und beleuchtet erstmals detailliert die mikrobiologischen Risiken roher Katzennahrung, mit besonderem Fokus auf gefriergetrocknete Produkte.
Denn rohes oder weniger hochverarbeitetes Katzenfutter boomt als Alternative zu Dosen- oder Trockenfutter. Die aktuelle Studie legt die Schattenseiten offen. In rohen Produkten, besonders in den scheinbar praktischen gefriergetrockneten Snacks aus dem Super- und Drogeriemarktregal, wimmelt es von gefährlichen Keimen. Salmonellen, E.-coli-Bakterien, Parasiten und sogar multiresistente Erreger wurden nachgewiesen. Was als Natur pur verkauft wird, kann so zur ernsten Gefahr für Katzen werden. Darüber hinaus können diese Krankheitserreger von Haustieren auf Menschen übertragen werden und sind besonders für Kleinkinder, ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem bedenklich.
„Die meisten dieser Produkte tragen keine Warnhinweise, die darauf hinweisen, dass die Fleischzutaten nicht vollständig durchgegart sind, sodass sie lebende Bakterien und möglicherweise Viren und Parasiten enthalten könnten, die eine Familie sehr krank machen würden“, sagte Dr. Laura Goodman, Assistenzprofessorin am Department of Public and Ecosystem Health und am Baker Institute for Animal Health am College of Veterinary Medicine, laut einer Mitteilung von „Phys.org“. „Insbesondere bei gefriergetrockneten Produkten, die im Regal verkauft werden, sind sich die Verbraucher wahrscheinlich gar nicht bewusst, dass sie dieses Risiko eingehen.“
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Rohfütterung – ein Trend mit Tücken
Rohfutter, besser bekannt als Barfen, liegt seit Jahren im Trend. Viele Katzenhalter schwören darauf, weil sie sich davon ein Plus an Gesundheit für ihre Tiere erhoffen. Frühere Untersuchungen haben bereits gezeigt, dass darin gefährliche Keime wie Salmonellen oder antibiotikaresistente E. coli lauern können. Auch Parasiten wie Toxoplasma gondii wurden bereits mit Rohfütterung in Verbindung gebracht. Die Studie der Forschergruppe geht nun noch einen Schritt weiter: Sie nimmt speziell gefriergetrocknete Rohprodukte ins Visier. 1
Von den 112 getesteten Produkten waren 49 gefriergetrocknet und 25 tiefgekühlt, galten also als roh. Denn ja, gefriergetrocknet heißt zwar haltbar gemacht, aber eben nicht durcherhitzt. Entsprechend können in den bei Katzen so beliebten Snacks viele Erreger lauern.
27 der Proben stammten aus konventioneller Herstellung, etwa Dosen- oder Trockenfutter. Die Produkte kamen von 31 verschiedenen Herstellern und wurden im US-Handel oder online gekauft. Im Labor nutzte das Team klassische Kulturmethoden und moderne Gentechnik. Zum Einsatz kamen 16S- und 18S-rRNA-Analysen sowie die vollständige Genomsequenzierung einzelner Bakterien.
Keine Krankheitserreger in der Dose
Die Ergebnisse sind deutlich: Lebende Bakterien fanden die Forschenden ausschließlich in rohen Futtermitteln – in Dosen- oder Trockenfutter dagegen nie. Besonders belastet waren tiefgekühlte Rohprodukte. In 16 Prozent dieser Proben tauchte Salmonella enterica auf. Außerdem fanden sich mehrfach antibiotikaresistente Keime. Vor allem in gefriergetrockneten Produkten ließ sich Clostridium perfringens mit hoher Trefferquote nachweisen – in 95 Prozent der Fälle. Beim Kontakt droht also eine akute Lebensmittelvergiftung.
Insgesamt enthielten 89 untersuchte Bakterienkulturen ganze 69 verschiedene Resistenzgene, die Schutz gegen bis zu 15 Antibiotikaklassen verleihen. Gefriergetrocknete Produkte wiesen besonders oft das bla2-Gen auf, das mit Resistenzen gegen Carbapeneme – wichtige Reserveantibiotika – verbunden ist.
Auch Parasiten-DNA, etwa von Sarcocystis, Cryptosporidium oder Eimeria, tauchte ausschließlich in Rohfutter auf. Influenza-A-Viren wurden dagegen in keiner Probe entdeckt. Erschreckend war zudem: Keines der gefriergetrockneten Produkte war gekocht, obwohl sie ungekühlt im Regal verkauft wurden.
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Gefahr für Mensch und Tier
Die Studie zeigt deutlich: Rohfutter in den USA, vorwiegend in gefriergetrockneter Form, ist ein Gesundheitsrisiko. Es enthält lebende Krankheitserreger, viele resistente Keime und sogar Parasiten, die von Tieren auf Menschen übertragbar sind. Besonders gefährlich ist, dass resistente Gene zwischen Bakterienarten ausgetauscht werden können – auch im Darm von Katzen und Menschen. Dass gefundene Salmonellen-Stämme fast identisch mit solchen aus Humaninfektionen waren, ist ein klares Warnsignal. Damit wird sichtbar: Was im Napf landet, betrifft nicht nur die Katze, sondern den gesamten Haushalt.
Krankheitserreger im Katzenfutter auch in Deutschland?
Entsprechend kann nur davon abgeraten werden, Futter aus den USA zu importieren oder im Urlaub dort zu kaufen. Denn in Deutschland sieht die Lage etwas anders aus. Zwar gab es auch hier vereinzelt Funde von Salmonellen im Tierfutter, doch das ist die Ausnahme. Grund dafür sind die strengen gesetzlichen Vorgaben und Kontrollen.
Die wichtigsten Regeln beruhen auf EU-Verordnungen, die im Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) verankert sind. Sie stellen sicher, dass Tierfutter hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards erfüllt. Dazu gehören Vorgaben zum Schutz der Tiergesundheit, zur Vermeidung von Schadstoffen und Krankheitserregern, klare Kennzeichnungspflichten für Allein- und Ergänzungsfuttermittel sowie die Pflicht zur Rückverfolgbarkeit. Für Bio-Produkte gelten zusätzlich die Bestimmungen der EU-Öko-Verordnung 2018/848, die auch das EU-Bio-Siegel vorschreibt. 2