30. September 2025, 16:42 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Was sagt ein Haustier über das Spendenverhalten aus? Diese Frage mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen – doch eine umfangreiche Analyse von knapp 788 Millionen Spendenvorgängen über einen Zeitraum von zehn Jahren liefert überraschende Antworten. Die Ergebnisse geben spannende Einblicke in die Beziehung zwischen Tierhaltung und philanthropischem Engagement – und zeigen, dass insbesondere Katzenbesitzer bei Spenden in mehr als einer Hinsicht hervorstechen.
Katzenbesitzer spenden am häufigsten
Wer gibt mehr für wohltätige Zwecke – Katzen- oder Hundebesitzer? Eine neue Großstudie aus den USA hat knapp 788 Millionen Spenden analysiert und liefert spannende Antworten. Besonders überraschend: Es ist nicht die Höhe der Spenden, die den größten Unterschied macht, sondern die Regelmäßigkeit und Vielfalt.
Die Studie wurde von Herbert Chang, Assistenzprofessor für quantitative Sozialwissenschaften am Dartmouth College, geleitet und in der Fachzeitschrift „Anthrozoös“ veröffentlicht. Sie basiert auf Daten von über 60 Millionen Amerikanern und einem Spendenvolumen von knapp 70 Milliarden Dollar. Chang nutzte für seine Analyse maschinelles Lernen, um andere Einflussfaktoren wie Einkommen, Bildungsgrad und Geschlecht aus den Daten herauszurechnen. In der Rangfolge der Spendenbereitschaftsindikatoren landete Haustierbesitz auf Platz vier, direkt hinter Einkommen, Bildung und Geschlecht.
Die Auswertung ergab dabei klar: Katzenbesitzer sind die fleißigsten Spender. Sie gaben im Durchschnitt 14-mal im untersuchten Zeitraum – deutlich häufiger als Menschen ohne Haustiere, die nur 11-mal spendeten. Damit gelten Katzenfreunde laut der Studie als die konsequentesten Wohltäter. Darüber hinaus unterstützen sie auch mehr unterschiedliche Organisationen. Nur 52 Prozent der Katzenbesitzer beschränkten ihre Spenden auf eine einzige Wohltätigkeit, während es bei den Nicht-Tierhaltern 63 Prozent waren.
Hundebesitzer geben größere Einzelspenden
Auch wenn Katzenbesitzer häufiger und breiter spenden, sind es die Nicht-Tierhalter, die im Schnitt tatsächlich die größten Summen auf einmal geben – im Durchschnitt über 1000 Dollar (etwa 850,84 Euro) pro Person. In Summe spenden Katzenbesitzer jedoch am meisten. Hundebesitzer wiederum spendeten seltener und unterstützten auch weniger verschiedene Zwecke als Katzenfreunde und Nicht-Tierhalter.
„Katzenmenschen sind auch offener, das heißt, sie sind kreativ und bereit, sich auf neue Ideen einzulassen“, erklärt Chang – eine Eigenschaft, die laut Studien häufig bei Katzenliebhabern auftritt.
Frühere psychologische Untersuchungen hatten bereits gezeigt, dass Hundemenschen tendenziell geselliger und regelkonformer sind, während Katzenfreunde als introvertierter, neurotischer und unkonventioneller gelten. Mehr dazu erfahren Sie in diesem Artikel: Hunde- oder Katzenmensch? Was die Wissenschaft über Ihre Persönlichkeiten verrät.
Politische Unterschiede zwischen Tierfreunden
Interessant ist auch der politische Aspekt der Studie: Katzenbesitzer tendieren eher zu den Demokraten, während Hundebesitzer häufiger den Republikanern zuneigen – ein Muster, das frühere Umfragen bereits angedeutet hatten.
Dies sind aber nur tatsächlich nur Tendenzen. Ob das Wahlverhalten der Wohltäter tatsächlich bestimmten Parteien zugutekommt, konnte nicht ergründet werden. Chang stellte auch fest, dass sich die politischen Denkweisen von Haustierbesitzern eigentlich eher als „Unabhängige“ kategorisieren lassen, während Nicht-Tierhalter sich eher als Unparteiische klassifizieren lassen.
Er beschreibt den Unterschied wie folgt: „Unabhängige sind oft politisch engagiert und neigen in der Regel zu einer bestimmten Richtung“, während „Unparteiische sich durch Nichtpräferenz und oft durch Apathie gegenüber der Politik auszeichnen“. Diese Beobachtung deutet darauf hin, dass auch politische Orientierung in Kombination mit persönlichen Lebensstilen ein aussagekräftiger Faktor für Spendenverhalten sein kann. 1
Was gemeinnützige Organisationen daraus lernen können
Um die Vielfalt der Spendenverteilungen zu messen, wandte Chang unter anderem Shannon-Entropie sowie den Earth Mover’s Distance an – Methoden, die die Streuung der Spenden auf verschiedene Organisationen erfassen. Das Ergebnis: Die Spendenvielfalt lag bei Katzenbesitzern um 12,7 Prozent höher als bei Hundebesitzern.
Diese Erkenntnisse könnten für Fundraising-Strategien relevant sein. Organisationen könnten ihre Kampagnen so anpassen, dass sie bei Katzenbesitzern auf regelmäßige, kleinere Spenden setzen, während sie bei anderen Gruppen auf größere Einmalspenden abzielen.
Wie bei jeder Studie gibt es auch hier methodische Grenzen. Die Datenbank erfasste ausschließlich Menschen, die bereits spenden – wer nie etwas gibt, wurde nicht berücksichtigt. Das verzerrt das Gesamtbild in Richtung besonders großzügiger Personen. Zudem wurden die demografischen Daten nur einmalig beim Eintritt in die Spenderdatenbank erhoben und später nicht aktualisiert.
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Ein weiterer Punkt: In der Datenbasis waren Haustierbesitzer überrepräsentiert. Während laut US-Volkszählung rund 23 Prozent der Haushalte eine Katze und 40 Prozent einen Hund haben, lagen diese Werte in der Spenderdatenbank deutlich höher. Dies könnte am langen Erhebungszeitraum liegen oder daran, dass Haustierhalter häufiger spenden.
Obwohl die Studie keine Kausalzusammenhänge nachweisen kann, liefert sie Hinweise darauf, dass die Beziehung zu Haustieren Einfluss auf das Spendenverhalten haben kann. Besonders Katzenbesitzer stechen durch Häufigkeit und Vielfalt ihrer Spenden hervor – und könnten damit Vorbild für andere Gruppen sein.
Soziale Bindungen als Schlüssel zu Spendenverhalten
Zukünftige Forschung könnte untersuchen, ob sich das Spendenverhalten nach der Anschaffung eines Haustiers verändert, oder ob bestimmte Organisationstypen – etwa im Bereich Tierschutz, Gesundheit oder Politik – besonders von bestimmten Tierhaltergruppen profitieren.
Die Ergebnisse fügen sich in eine breitere Forschung ein, die den Zusammenhang zwischen sozialen Bindungen und Philanthropie beleuchtet. Tierhaltung – und insbesondere die Art des Haustiers – kann demnach als komplexer Indikator für Persönlichkeit und Spendenneigung gelten. Die Studie stärkt damit die These, dass soziale Informationen und Beziehungsstrukturen entscheidend für das Verständnis von Spendenmustern sind. Fest steht: Unsere Verbindung zu Tieren sagt offenbar mehr über unser gesellschaftliches Engagement aus, als viele denken. 2