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Kann man Katzen das Kratzen abgewöhnen?

Orange Katze kratzt am Türrahmen
Viele Halter fragen sich, ob es eine Möglichkeit gibt, Katzen das Kratzen an Sofa oder Türrahmen abzugewöhnen Foto: Getty Images
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Louisa Stoeffler
Redakteurin

18. März 2026, 13:49 Uhr | Lesezeit: 7 Minuten

Das Geräusch ist Katzenhaltern nur allzu vertraut: dieses rhythmische, leicht aggressive Kratzen am Sofa, am Teppich oder – besonders beliebt – am Türrahmen. Die naheliegende Frage ist dann oft: Kann man Katzen das nervige Kratzen nicht einfach abgewöhnen? PETBOOK-Redakteurin und Katzenexpertin Louisa Stoeffler erklärt, warum man sich von diesem Gedanken schnell verabschieden sollte.

Mein Kater kratzt am Teppich – und das ist okay!

Ich kenne das Thema aus dem Alltag nur zu gut. Mein Kater Remo hat sehr klare Vorstellungen davon, wo es sich gut kratzen lässt – und die decken sich leider überhaupt nicht mit dem, was ich ihm anbiete. Kratzbaum? Wird seit Tag eins ignoriert. Kratzpappe? Kurz getestet, für unwürdig befunden und schließlich sogar zerbissen. Stattdessen hat er sich einen Läufer im Flur ausgesucht – und genau dort wird ausgiebig gekratzt. Und ja: Ich habe beschlossen, dass das völlig in Ordnung ist.

Der Teppich erfüllt für ihn offensichtlich alle Kriterien: Er bietet genau den richtigen Widerstand, liegt stabil und befindet sich an einem zentralen Ort in der Wohnung. Im Flur passiert ständig etwas, Remo ist mittendrin – und kann gleichzeitig alles im Blick behalten. Das ist kein Zufall. Katzen kratzen nicht nur, um ihre Krallen zu pflegen oder ihr Revier zu markieren – sie tun es auch dort, wo es gesehen wird. Kratzen ist immer auch ein kleines Statement. Und Remo setzt sich dabei ganz bewusst in Szene.

Statt also gegen dieses Verhalten anzukämpfen, habe ich es akzeptiert und den Läufer quasi „freigegeben“. Das nimmt Druck raus – und sorgt gleichzeitig dafür, dass andere Möbel deutlich weniger interessant sind. Die kurze Antwort auf die gängige Frage von Haltern: „Kann ich meiner Katze das Kratzen abgewöhnen?“, lautet also ganz klar: nein. Und man sollte es auch gar nicht versuchen. Warum das so ist, versteht man, wenn man sich anschaut, weshalb Katzen überhaupt kratzen.

Warum Katzen kratzen (müssen)

Kratzen ist ein tief verankertes, instinktives Verhalten von Katzen – und vor allem ein Mittel der Kommunikation. Über Duftdrüsen in den Pfoten geben sie beim Kratzen Pheromone ab und markieren so ihr Revier. Diese unsichtbaren Duftspuren signalisieren Sicherheit und Zugehörigkeit („Hier bin ich zu Hause“). Genau deshalb lässt sich Kratzen nicht einfach „abtrainieren“: Es erfüllt eine zentrale Funktion im Wohlbefinden der Katze.

Hinzu kommt die sichtbare Markierung durch Kratzspuren, die den Effekt verstärkt. Katzen wählen dafür bevorzugt Orte, die für sie sozial relevant sind – etwa zentrale Laufwege oder Möbelstücke, die stark nach ihren Bezugspersonen riechen.

Gleichzeitig dient Kratzen der Krallenpflege. Durch das Abziehen alter Hornschichten bleiben die Krallen scharf und gesund. Auch körperlich hat das Verhalten eine Funktion: Katzen strecken dabei ihren Körper, aktivieren Muskulatur und bauen Spannung ab – häufig nach dem Aufstehen oder in aufregenden Situationen.

Nicht zuletzt ist Kratzen selbstbelohnend. Fühlt sich eine Oberfläche gut an und „funktioniert“, wird sie wieder und wieder genutzt. So entstehen feste Vorlieben – und genau deshalb kehren viele Katzen immer wieder zu denselben Stellen zurück.

Warum man Katzen das Kratzen nicht abgewöhnen kann – und nicht sollte

„Der Katze das Kratzen abgewöhnen“, ist also weder realistisch noch sinnvoll – vor allem, weil es sich um ein grundlegendes Bedürfnis handelt und nicht um ein unerwünschtes Verhalten im klassischen Sinne. Versucht man dennoch, es zu unterbinden, führt das häufig eher zu Frust als zu einem echten Lerneffekt.

Katzen verstehen Verbote oder Strafen nicht so, wie wir es uns wünschen würden. Statt zu verknüpfen, dass das Kratzen an einer bestimmten Stelle unerwünscht ist, verbinden sie negative Reaktionen eher mit der Situation oder sogar mit der Person – was im schlimmsten Fall das Vertrauen beeinträchtigen kann.

Hinzu kommt: Das Bedürfnis zu kratzen verschwindet nicht. Wird eine Stelle „verboten“, sucht sich die Katze schlicht eine andere, oder kratzt an derselben Stelle weiter, wenn niemand schaut. Das Verhalten wird also nicht abgestellt, sondern lediglich verlagert. Gleichzeitig kann die Einschränkung eines so zentralen Verhaltens zu Stress führen, der sich auf unterschiedliche Weise äußert – etwa durch Unruhe, vermehrtes Kratzen an anderen Orten oder sogar Unsauberkeit. Am Ende ist Kratzen kein Problem, das gelöst werden muss, sondern ein natürlicher Teil des Katzenverhaltens, mit dem man sinnvoll umgehen sollte.

Warum das Sofa so attraktiv ist

Viele Katzen bevorzugen darüber hinaus ausgerechnet Möbelstücke wie Sofas. Das ist keine Bosheit, mit der sich gerade eins der teuersten Möbelstücke ausgesucht wird, sondern hat mehrere Gründe:

  • Die Oberfläche bietet oft genau den richtigen Widerstand
  • Das Sofa steht meist zentral in einem Raum, in dem viel Zeit verbracht wird
  • Es ist stark mit dem Geruch der Bezugspersonen verknüpft

Hinzu kommt wieder der entscheidende Faktor der Selbstbelohnung, bzw. der Verstärkung: Hat die Katze dort einmal gekratzt, sind bereits Pheromone hinterlassen worden. Diese Duftmarken wirken wie eine Einladung, immer wieder genau dort weiterzumachen. Die Routine verstärkt sich also selbst – mit jeder weiteren Kratzspur.

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Wie man das Kratzen in die richtigen Bahnen lenkt

Damit das nicht an der teuren Couch passiert, sollte man das Verhalten gezielt umlenken. Ziel ist nicht „weniger kratzen“, sondern „richtig kratzen“.

1. Die richtigen Kratzmöglichkeiten anbieten

Nicht jeder Kratzbaum ist automatisch attraktiv für Katzen. Entscheidend ist vor allem, dass er stabil ist und nicht wackelt, ausreichend hoch, sodass die Katze sich komplett strecken kann, und aus einem Material besteht, das ihr zusagt – etwa Sisal, Holz oder Wellpappe.

Dabei hilft ein Blick in die Natur: Draußen wetzen Katzen ihre Krallen bevorzugt an Bäumen. Ein guter Kratzbaum sollte diese natürliche Gegebenheit möglichst nachbilden – also eine feste, „baumähnliche“ Oberfläche bieten und so konstruiert sein, dass die Katze daran vertikal kratzen und sich dabei komplett ausstrecken kann. Viele Katzen schätzen zusätzlich auch horizontale Kratzflächen wie Pappen oder Bretter, je nach individueller Vorliebe.

2. Strategische Platzierung

Kratzmöglichkeiten sollten genau dort stehen, wo die Katze ohnehin kratzen möchte:

  • in der Nähe von Schlafplätzen
  • an stark frequentierten Orten
  • direkt neben dem Sofa als „Alternative“

3. Attraktiv machen

Man kann Kratzmöbel interessanter machen, zum Beispiel durch:

  • Katzenminze oder Baldrian
  • gemeinsames Spielen in der Nähe
  • Lob oder kleine Belohnungen, wenn die Katze sie nutzt – muss zeitnah erfolgen, nicht Minuten später!

4. Andere Stellen unattraktiv machen

Gleichzeitig kann man unerwünschte Stellen weniger attraktiv machen:

Wichtig: nie strafen, nie schreien.

5. Duftmarken „neutralisieren“

Da Katzen immer wieder zu bereits markierten Stellen zurückkehren, kann es helfen, diese mithilfe von Enzymreinigern gründlich zu putzen. So werden die Pheromone reduziert – und damit auch der „Anreiz“, genau dort weiterzukratzen.

Fazit

Katzen das Kratzen abzugewöhnen, ist weder möglich noch sinnvoll. Es gehört zu ihrem natürlichen Verhalten und erfüllt wichtige Funktionen für Gesundheit, Kommunikation und Wohlbefinden. Was gut funktioniert: ihnen passende Alternativen anbieten, das Kratzen gezielt umlenken – und im Zweifel auch den ein oder anderen Läufer zu opfern.

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