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Japanische Studie

Forscher lösen Rätsel, warum Katzen immer auf den Pfoten landen

Katze im Fall
Kein Wunder, sondern Wissenschaft: So schafft es die Katze, auf ihren Pfoten zu landen. Foto: Getty Images
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Porträt Saskia Schneider auf dem PETBOOK Relaunch
Redaktionsleiterin

12. März 2026, 11:31 Uhr | Lesezeit: 4 Minuten

Es wirkt wie Zauberei – ist aber pure Biomechanik: Eine Katze fällt, dreht sich blitzschnell in der Luft und landet sicher auf ihren Pfoten. Für uns sieht das nach einem kleinen Wunder aus. Für Katzen ist es ein überlebenswichtiger Reflex. Und genau dieser hat Forschende jahrzehntelang beschäftigt. Jetzt liefert ein Team aus Japan eine detaillierte Erklärung – und die führt mitten ins Rückgrat unserer liebsten Haustiere.

Das „physikalisch Unmögliche“ beim Fallen

Eigentlich gilt in der Physik: Ohne äußere Kräfte kann ein Körper seine Lage im Raum nicht einfach verändern. Und doch schaffen Katzen genau das. Sie drehen sich während des Falls – ganz ohne sich irgendwo abzustoßen.

Dieser sogenannte „Air-Righting-Reflex“ sorgt dafür, dass Katzen sich in Sekundenbruchteilen aus fast jeder Position in eine Landestellung bringen und so sicher auf den Pfoten aufkommen. Wissenschaftler der Yamaguchi University in Japan wollten nun genau verstehen, wie ihnen das gelingt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachjournal „The Anatomical Record“.

Brust- und Lendenwirbelsäule spielen unterschiedliche Rollen

Was viele überraschen dürfte: Die Wirbelsäule der Katze ist kein gleichmäßig flexibles „Gummiband“. Stattdessen erfüllen einzelne Abschnitte ganz unterschiedliche Aufgaben.

Um das herauszufinden, untersuchte das Team zunächst die Wirbelsäulen von fünf verstorbenen Katzen. Die Forscher trennten Brust- und Lendenwirbelsäule voneinander und setzten beide Abschnitte gezielt Torsionskräften aus – also Verdrehungen. So konnten sie messen, wie beweglich oder stabil die jeweiligen Bereiche sind.

Zusätzlich filmten sie zwei lebende, gesunde Katzen mit Hochgeschwindigkeitskameras, während diese kontrolliert auf ein weiches Kissen fielen. Markierungen an Schultern und Hüften machten die Bewegungsabfolge exakt nachvollziehbar.

Erst dreht sich der Vorderkörper – dann der Rest

Das Ergebnis ist biomechanisch hochspannend. Die Brustwirbelsäule – also der Bereich im oberen und mittleren Rücken – erwies sich als extrem beweglich. Sie besitzt eine sogenannte „Neutralzone“, in der sie sich nahezu widerstandslos um fast 50 Grad verdrehen kann.1

Die Lendenwirbelsäule im unteren Rücken dagegen ist deutlich steifer. Und genau diese Kombination scheint der Schlüssel zu sein.

Während des Falls passiert Folgendes:

  1. Zunächst dreht die Katze Kopf und Vorderkörper Richtung Boden – möglich wird das durch die enorme Flexibilität der Brustwirbelsäule – und das geringere Gewicht der vorderen Körperhälfte.
  2. Erst danach folgt die Drehung des hinteren Körperabschnitts – die stabilere Lendenwirbelsäule wirkt dabei wie ein Anker und verhindert, dass sich die Katze unkontrolliert weiterdreht.

Die Autoren schreiben dazu, dass die Rotation „sequenziell“ abläuft: erst der vordere, dann der hintere Rumpfabschnitt – und dass die flexible Brust- sowie die torsionsstabile Lendenwirbelsäule optimal an dieses Verhalten angepasst sind. Mit anderen Worten: Die Katze „verknotet“ sich nicht irgendwie in der Luft – sie nutzt gezielt zwei unterschiedlich arbeitende Wirbelsäulenabschnitte.

Katze im Fall – einzelne Sequenzen der Drehung
Dank ihrer extrem beweglichen Brustwirbelsäule dreht die Katze beim Fallen zunächst den Vorderkörper, bevor der hintere Teil folgt – die steifere Lendenwirbelsäule stabilisiert dabei wie ein Anker die kontrollierte Landung. Foto: Getty Images

Kein Zauber – sondern perfekte Evolution

Aus verhaltensbiologischer Sicht ist das wenig überraschend – und doch faszinierend. Katzen sind von Natur aus Kletterer. Ob Baum, Mauer oder Bücherregal: Höhe gehört zu ihrem Alltag. Ein effizienter Drehreflex war also ein enormer Überlebensvorteil.

Interessant ist dabei auch, dass die Bewegung nicht chaotisch, sondern hochkoordiniert abläuft. Der Körper arbeitet nicht als starre Einheit, sondern als fein abgestimmtes System mit klar verteilter Funktion.

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Bedeutung über die Katze hinaus

Die Erkenntnisse sind nicht nur für Katzenhalter spannend. Laut den Forschern könnten die Daten helfen,

  • mathematische Modelle tierischer Bewegung zu verbessern,
  • Therapien bei Wirbelsäulenverletzungen in der Veterinärmedizin weiterzuentwickeln,
  • und sogar beweglichere Roboter zu konstruieren.2

Fazit: Geheimnis der Drehung liegt in der Wirbelsäule

Katzen landen nicht „magisch“ auf ihren Pfoten. Sie nutzen eine biomechanisch ausgeklügelte Strategie: eine extrem flexible Brustwirbelsäule kombiniert mit einer stabilisierenden Lendenwirbelsäule – und eine exakt getimte Drehbewegung.

Was für uns wie ein kleines Wunder aussieht, ist in Wahrheit das Ergebnis perfekter anatomischer Anpassung. Oder anders gesagt: Wenn Ihre Katze das nächste Mal elegant vom Regal springt, dürfen Sie ruhig beeindruckt sein. Ihre Wirbelsäule leistet dabei gerade Höchstleistung.

Quellen

  1. Higurashi, Y., Kaino, Y., Habara, M., Okamoto, S., Yoshizaki, K., Sakurai, M., & Morimoto, M. (2026) „Torsional flexibility of the thoracic spine is superior to that of the lumbar spine in cats: Implications for the falling cat problem“. The Anatomical Record, 1–10. https://doi.org/10.1002/ar.70165 ↩︎
  2. phys.org, „Japanese scientists discover how falling cats almost always make perfect landings“ (aufgerufen am 12.03.2026) ↩︎

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