17. Februar 2026, 6:35 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Katzen sind mitunter recht unordentliche Esser und besonders „messy“ wird es, wenn auch noch Spielzeuge wie Stoffmaus oder Federangel im Napf landen. Was viele von ihren eigenen Haustieren kennen, sorgte im Internet regelrecht für Aufsehen, als ein Video zeigte, wie eine Katze ihre Stoffschlange so im Napf platzierte, als solle sie mit ihr vom Futter fressen. Will sie ihr Stofftier wirklich füttern? PETBOOK-Redakteurin und Biologin Saskia Schneider ist der Frage nachgegangen und hat eine ganz eigene Theorie.
Will die Katze ihr Spielzeug füttern?
„Diese Schlange sieht ein bisschen dünn aus … ich kann verstehen, warum sie sich um ihren Freund Sorgen macht“ – so lautet einer der vielen Kommentare unter dem wohl bekanntesten Video, in dem eine Katze ihr Spielzeug in den Napf legt. Darauf sieht man eine junge Siamkatze (oder Kater), die ihre grüne Stoffschlange mit zum Futternapf trägt und ihren Kopf direkt im Napf platziert.
Besonders bemerkenswert ist, dass die Katze den Kopf der Schlange immer mal wieder nachjustiert, damit er auch wirklich im Napf steckt und das Futter berührt. So entsteht hier tatsächlich der Eindruck, die Katze hat die Intention, ihr Spielzeug zu füttern. Aber können Katzen diese mentale Leistung überhaupt erbringen? Oder vermenschlichen wir hier ein Verhalten, das ganz andere Ursachen hat?
Kein ungewöhnliches Verhalten für Katzen
Um diese Frage für das besagte Video zu beantworten, müsste man den Kontext betrachten: Zeigt die Katze das Verhalten öfter? Trägt sie die Schlange auch zum Schlafplatz oder mit auf die Toilette? Was passiert vor und was passiert nach dem Verhalten? Leider gibt es hierzu kaum Informationen. Erstmals online ging es wohl am 13. Oktober 2025 – auf Facebook findet sich dazu ein Post der Humane Society of Somerset County, MD – vermutlich die Ursprungsquelle. Seitdem wurde das Video in verschiedenen Foren der Social-News- und Diskussions-Plattform „reddit“ geteilt und wild debattiert und kommentiert. Zudem kursiert es immer mal wieder in den sozialen Medien.
So einzigartig dieses Verhalten wirkt, ist es jedoch nicht. Im Netz lassen sich viele Videos und Berichte finden, in denen Halter erzählen, wie ihre Katze Spielzeug in den Napf legt. So sorgte das Thema bereits im Jahr 2018 in der Medienwelt für Furore, als Maureen Johnson, eine US-amerikanische Bestsellerautorin für Jugendromane auf X (damals Twitter) über das merkwürdige Verhalten der Katze ihrer Eltern berichtete:
Wieder einmal hat der Kater meiner Eltern jedes Kätzchenspielzeug aus jeder Ecke des Hauses geholt und ihre Gesichter in den Napf gesteckt, um sie zu füttern. Es schien, als würde er sie füttern. Aber er frisst auch regelmäßig ihre Gesichter.
Jagd- und Beutetrieb
Schon damals ordneten Verhaltensexperten den Fall ein. Mieshelle Nagelschneider, eine bekannte US-amerikanische Katzenexpertin und Gründerin der Cat Behavior Clinic in Portland, glaubt, dass das Verhalten von Kater Sherlock einfach das Ergebnis eines sehr starken Beutetriebs ist. Ein wichtiges Indiz dafür sei, dass alle Gesichter der Spielzeuge zerkaut waren, wie sie in einem Artikel der US-amerikanischen Tageszeitung „The Seattle Times“ erklärt.
„Die Katze jagt die Spielzeugbeute im Haus und bringt sie instinktiv zurück zum Nest oder zum Futterbereich“, so ihre Begründung. In freier Wildbahn würde dies verhindern, dass die Konkurrenz die Beute zuerst findet. Viele Katzen täten das mit Socken oder Spielzeugmäusen, was auch immer sie mögen – und manche tauchten das Spielzeug sogar ins Wasser, als wollten sie es ertränken oder immobilisieren. „Es geht nur ums Überleben“, so die Expertin.
Der Napf als sicherer Hafen
In dem Fall wäre das Spielzeug also kein „Freund“, der gefüttert und versorgt werden muss, sondern Beute, die es zu sichern gilt. Tatsächlich vertritt auch die bekannte Katzenverhaltensexpertin Dr. Mikel Delgado diese Auffassung. Sie äußerte sich letztes Jahr im US-amerikanisches Nachrichtenmagazin „Newsweek“ zum Video mit der Stoffschlange und sagte: „Wenn Katzen jagen, bringen sie ihre Beute oft woanders hin, um sie zu fressen, vermutlich weil sie sich dort sicherer fühlen.“ Die Katze spiele in dem Moment diesen Teil der Jagdsequenz nach – das Spielzeug ist hier also klar die Beute, die in Sicherheit gebracht wird.
Mein Kater „füttert“ seine Angeln
„Mein Kater Remo trägt seine Lieblingsspielzeuge (zwei Regenbogenangeln und eine Plüschangel, die wir aufgrund der grauen Farbe „die Ratte“ nennen) schon lange nicht mehr zum Spielen durch die Wohnung – sondern nur dann, wenn er sie mir bringen möchte. Seit Kurzem legt er sie, wenn ich nicht da bin und sie „abnehmen“ kann, in seinen Napf. Es wirkt fast so, als würde er sie bringen wollen – und sie mangels Empfänger am sichersten Ort deponieren, den er kennt.
Für mich fühlt es sich stets so an, als würde er etwas Wertvolles teilen. Seine liebsten Spielzeuge sind für ihn hoch emotional besetzt – und genau die landen im Napf, einem Ort, der Sicherheit und Versorgung bedeutet. Dass er nicht damit spielt, sondern sie nur ablegt, spricht gegen reines Spielverhalten.
Es gibt die Vermutung, dass Remo mir mit diesem Verhalten ‚etwas Gutes tun‘ will. Denn Katzen zeigen durchaus sogenanntes Objekt-Trageverhalten im sozialen Kontext – besonders gegenüber engen Bezugspersonen. Vielleicht ist die Angel für ihn in diesem Moment weniger Beute als vielmehr ein Bindungsobjekt. Ob er deshalb mittlerweile meint, dass sie auch gefüttert werden müssen, sei dahingestellt.“
Spielverhalten und positive Verstärkung
Neben dieser Erklärung gibt es aber noch andere Gründe, warum Katzen ihr Spielzeug in den Napf legen – das gilt übrigens sowohl für Futter- als auch für Wassernapf. Zum einen könnte es sich hier um reines Spielverhalten handeln. Manche Tiere – vor allem Kitten – finden es lustig, ihr Spielzeug irgendwo herauszufischen. Daher kann man oft beobachten, wie Spielzeugmäuse oder Papierkügelchen im Wassernapf landen, um wieder hinausgeangelt zu werden.1,2
Ein weiterer großer Faktor liegt im Lernverhalten. Katzen lieben positive Aufmerksamkeit, und als Halter reagieren wir meist sehr amüsiert darauf, wenn unsere Katze plötzlich das Mäuschen mitfüttern möchte. Vielleicht loben wir sie oder streicheln sie in dem Moment. Aber auch schon ein Lachen kann ausreichen, um der Katze zu signalisieren: Dieses Verhalten löst positive Reaktionen und Aufmerksamkeit aus – also werde ich das jetzt öfter machen. Wir haben mit unserem Verhalten also das unserer Katze – bewusst oder unbewusst – verstärkt.3
Katze schaut Musical „Cats“ im Fernsehen – was sieht sie wirklich?
Studie zeigt, dass Katzen häufiger apportieren als gedacht
Kann es doch „Freundschaft“ sein?
Bis vor ein paar Jahren hätte ich als Verhaltensbiologin den Erklärungsansätzen der zitierten Experten so zugestimmt und wäre überzeugt gewesen: Katzen „füttern“ ihr Spielzeug nicht – doch dann kam „Flounder“. Die Katze ist zusammen mit ihrer Halterin Nina Leipold eine kleine Internetberühmtheit, denn sie kann sich mithilfe eines Soundboards mitteilen. Die Kommunikation ist nach meiner Einschätzung dabei so komplex, dass man hier nicht davon ausgehen kann, dass das Tier zufällig Knöpfe drückt und der Mensch hier etwas hineininterpretiert.
Mit ihrem Soundboard kann Flounder nicht nur Wünsche wie Spaziergänge, Futter und Ausflüge kommunizieren, sondern drückt auch eine innige Bindung zu ihrem Lieblingsspielzeug „Mouse Toy“ aus. Dabei handelt es sich um eine abgekaute Stoffmaus, der bereits die Hälfte fehlt, die aber einen wichtigen Part im Leben der Kazte spielt. Auch Mouse Toy wird regelmäßig gefüttert, indem Flounder sie in den Napf ihrer Mitkatze Fiki legt.
Aber damit nicht genug – Mouse Toy muss auch bei Ausflügen dabei sein (in einem kleinen Rucksack am Brustgeschirr von Flounder), beim Fernsehen neben der Katze sitzen und geht sogar auf Toilette. Flounder kommuniziert all dies über das Soundboard („Mouse Toy“ + „Potty“). Zwar ist sich Halterin Nina Leipold selbst nicht ganz sicher, ob Mouse Toy nur der „beste Freund“ oder nicht sogar ein „Alter Ego“ von Flounder ist; es zeigt aber ganz klar: Ein Beutespiel ist das nicht.
Spielzeuge als Sozialpartner?
Sicher lässt sich Flounders Verhalten nicht mit dem einer gewöhnlichen Hauskatze vergleichen. Denn ihre Halterin ist Tiertrainerin und verwendet einen Großteil ihrer Zeit auf das Training und Zusammenleben mit Flounder. Trotzdem zeigt es: Katzen sind durchaus in der Lage, ihre Spielzeuge als eine Art Sozialpartner und nicht als Beute zu sehen.
Wenn das Spielzeug ihrer Katze also das nächste Mal im Napf landet, schauen Sie einmal genauer hin: Was macht die Katze noch damit? Wird es nur wild durch die Gegend gekickt und immer wieder „erlegt“, oder trägt sie es auch aufs Sofa oder nimmt es mit zum Schlafen? Vielleicht steckt dann doch mehr und sogar eine „Freundschaft“ dahinter.
Zur Autorin
Dr. Saskia Schneider ist promovierte Biologin. In ihrem Studium an der Freien Universität Berlin widmete sie sich vor allem der Zoologie und dem Verhalten von Tieren. Neben der Ausbildung zur Redakteurin absolvierte sie eine Ausbildung zur Verhaltensberaterin mit Schwerpunkt Katze.