17. Februar 2026, 16:51 Uhr | Lesezeit: 5 Minuten
Andere Katzen jagen Mäuse. Shila fährt Zug. Die schwarz-weiße Katze aus Berne ist keine Unbekannte. Mehrfach ist die junge Katze als blinder Passagier in Regionalbahnen aufgetaucht, wurde wieder eingesammelt, identifiziert und nach Hause gebracht. Doch nach ihrem jüngsten Ausflug bis nach Bremen ist klar: Hinter den kuriosen Schwarzfahrten steckt mehr als nur Abenteuerlust. Shila sucht inzwischen ein neues Zuhause – möglichst weit entfernt von Bahnstrecken.
Eine Nacht in der Ausnüchterungszelle
Gegen 19.12 Uhr am 6. Februar wurde die sogenannte Quattro-Streife informiert: Eine Katze laufe durch die Regionalbahn aus Nordenham. Noch bevor der Zug vollständig eingefahren war, standen Einsatzkräfte von Bundes- und Landespolizei, Ordnungsamt Bremen und DB Sicherheit am Gleis.
Die „vierbeinige Schwarzfahrerin“, wie es in der Mitteilung der Bundespolizeiinspektion Bremen heißt, ließ sich problemlos einfangen. Weil sie ausgesprochen zutraulich war, wurde sie kurzerhand auf dem Arm eines Beamten zum Bundespolizeirevier getragen. Dort bekam sie zunächst Wasser – und verbrachte anschließend einige Stunden in einer Ausnüchterungszelle.
Nicht wegen Trunkenheit oder randalierendem Verhalten während der Fahrt, sondern schlicht, weil es der sicherste Raum war, bis die Übergabe an die Bremer Katzenhilfe organisiert werden konnte. Ein eher ungewöhnlicher Zwischenstopp im Lebenslauf einer jungen Katze.
Tatvorwurf: „Erschleichen von Leistungen“
Juristisch betrachtet wäre Schwarzfahren der Straftatbestand des „Erschleichens von Leistungen“. Bei Shila allerdings drückte die Bundespolizei beide Augen – und vermutlich auch ein paar Schnurrhaare – zu.
Obwohl es sich offenbar nicht um ihre erste Bahnfahrt ohne Ticket handelte, verzichteten die Beamten selbstverständlich auf eine Anzeige. Schließlich dürfte es schwierig sein, einer Katze Vorsatz nachzuweisen – geschweige denn, sie zur Zahlung eines erhöhten Beförderungsentgelts zu bewegen. 1
Keine Erst-Tat, sondern Reisefieber
In Berne ist Shila längst bekannt. Tierschützer berichten, dass sie bereits mehrfach in Regionalzügen unterwegs war – unter anderem Richtung Nordenham, Kirchhammelwarden und auch schon nach Bremen.
Wo sie jeweils zusteigt, bleibt ein Rätsel. Katzen nutzen offene Türen und günstige Momente – ein kurzer Sprung, ein warmer Waggon, vielleicht ein freier Fensterplatz. Dass Tiere in Autos oder Transportern landen, ist nicht ungewöhnlich. Regelmäßige Zugfahrten hingegen sind selbst für erfahrene Tierschützer eher die Ausnahme.
Shila scheint entweder einen ausgeprägten Entdeckerdrang zu haben – oder eine bemerkenswerte Schwäche für den öffentlichen Nahverkehr.
Gechippt – deshalb schnell identifiziert
Dass sie nach ihrem jüngsten Ausflug rasch zugeordnet werden konnte, lag an einem entscheidenden Detail: Shila ist gechippt und registriert. Ohne diese Kennzeichnung wäre ihre Reise womöglich deutlich komplizierter ausgegangen.
Inzwischen wurde Shila abgegeben, wie das Tierheim Oldenburg via Instagram mitteilt. Ihre bisherige Halterin sei nicht mobil und mit der jungen, energiegeladenen Katze überfordert. Shila sei etwa 1,5 Jahre alt – neugierig, zutraulich und offenbar sehr eigenständig.
Für sie wird nun ein neues Zuhause gesucht – möglichst weit entfernt von Bahnstrecken. Ideal wäre ein Haushalt mit Garten, damit sie ihren Bewegungsdrang in sicherer Umgebung ausleben kann. Denn eines ist klar: Solange irgendwo eine Zugtür aufgeht, könnte für Shila das nächste Abenteuer beginnen.
Schwarzfahrer-Katze Shila zieht jetzt nach Schweden
Entlaufenen Hund gefunden? Warum man dann die Polizei rufen sollte
Neues Zuhause sollte abgeschieden liegen
Was es braucht, um die kleine Rumtreiberin zu adoptieren, hat PETBOOK Benjamin Heyer vom Tierheim Oldenburg gefragt:
PETBOOK: Was zeichnet Shila besonders aus? Ist sie eher abenteuerlustig oder auch verschmust, unabhängig?
„Ihre Abenteuerlust hat sie ja durch ihre Bahnfahrten, Friseurbesuche oder Supermarkteinkäufe bewiesen. Menschen gegenüber zeigt sie sich sehr freundlich und aufgeschlossen.“
Braucht sie unbedingt klassischen Freigang mit Garten – oder könnten auch Menschen infrage kommen, die viel unterwegs sind, etwa beruflich mit der Bahn?
„Wir denken, der klassische Freigang in einer ruhigen Umgebung wäre das Richtige für sie. Die Reise mit Katzen in Bus und Bahn scheint doch mit erheblichen Risiken für die Katze verbunden zu sein.“
Wäre ein gesicherter Balkon oder sogar ein behutsames Geschirrtraining denkbar?„Ein Balkon kann leider Freigang nicht ersetzen, vor allem bei einer ‚Draufgängerin‘ wie Shila. Ein Katzengeschirr wäre sicherlich auszuprobieren, allerdings akzeptieren dies nur die wenigsten Katzen.“
»Es wäre schön, wenn immer jemand da wäre
Gibt es sonst besondere Wünsche oder No-Gos für ihr zukünftiges Zuhause?
„Wir wünschen uns für Shila ein Zuhause, in dem es nie langweilig wird. Gerne andere Tiere, Kinder und so weiter. Mit einem katzenfreundlichen Hund müsste sie auch gut zurechtkommen. Ideal wäre, wenn sie viel Kontakt zu ihren Menschen hätte (also immer jemand da wäre) – ein Mehrgenerationenhaushalt z. B.
Und ganz wichtig: Ihr neues Zuhause sollte abgeschieden liegen (kein Bahnhof etc. in der Nähe), und auch im Blick auf die Verkehrssituation katzengerecht sein. Blendet man ihre Reiselust aus, ist sie eine ganz normale, menschenfreundliche Katze, mit der man sehr viel Freude haben kann.“
Wer ernsthaftes Interesse daran hat, ihr ein neues Zuhause zu schenken, kann sich an das Tierheim Oldenburg wenden: https://tierheim-ol.de/