11. September 2025, 11:34 Uhr | Lesezeit: 8 Minuten
Nur wenige Katzen kann man so in den Urlaub mitnehmen, wie man es mit Hunden könnte. Für solche Fälle ist es super, katzenaffine Familienmitglieder oder Freunde zu haben. Was aber, wenn das nicht der Fall ist, oder man die Katzenpflege lieber in fachkundige Hände legen möchte? Als Halter stellt man sich dann fast zwangsläufig die Frage: Worauf sollte ich achten, damit ich einen guten Katzensitter erkenne und beauftrage? Und woran merke ich, dass der unbekannte Dienstleister sich überhaupt mit den Tieren auskennt? PETBOOK-Redakteurin und langjährige Katzensitterin Louisa Stoeffler erklärt, worauf es ankommt.
Übersicht
Katzensitter ist kein geschützter Beruf
Ich sitte seit vielen Jahren Katzen. Angefangen habe ich während meines Studiums, als ich selbst schon über zehn Jahre Katzen gehalten habe. Ich bilde mir ein, dass ich ein gutes Verständnis für die Tiere entwickelt habe und bin bislang mit fast allen Katzen sehr gut klargekommen. Manche sitte ich jahrelang und es entsteht sogar eine entsprechende Bindung, auf die sich Halter gern verlassen.
Allerdings ist die Bezeichnung „Katzensitter“ in Deutschland nicht geschützt, es gibt leider keine formale Ausbildung. Daher ist es verständlich, dass man sich fragt: Woran erkenne ich, ob ich einen guten Katzensitter habe, der sich mit den Tieren wirklich auskennt? Denn man lässt schließlich einen Fremden in die eigenen vier Wände und drückt ihm auch noch die Schlüssel in die Hand.
Worauf ich als Katzensitterin achte, habe ich für PETBOOK bereits berichtet. Wie aber können Sie nun am besten in wenigen Minuten feststellen, ob der Dienstleister wirklich weiß, was er tut? Nach diesem Artikel bleiben (hoffentlich) keine Fragen mehr offen.
Woran Sie einen guten Katzensitter erkennen
Ein Katzensitter übernimmt eine große Verantwortung: Er oder sie kümmert sich nicht nur um das Tier, sondern hat auch Zugang zu Ihrem Zuhause. Umso wichtiger ist es, jemanden auszuwählen, dem Sie vertrauen können. Dies können Sie an folgenden Punkten ablesen:
Erfahrung im Umgang mit Katzen
Ein seriöser Katzensitter hat mehr als nur ein Herz für Katzen – er kennt sich mit ihrem Verhalten, ihren Bedürfnissen und ihrer Kommunikation aus. Wer schon länger Katzen betreut oder selbst gehalten hat, kann in der Regel besser einschätzen, wie unterschiedlich die Tiere reagieren können – von zutraulich bis scheu. Achten Sie darauf, ob der Sitter von eigenen Erfahrungen erzählt und wie sicher er über Themen wie Fütterung, Spiel und Beschäftigung spricht.
Referenzen
Da der Beruf des Katzensitters nicht standardisiert ist, sollten Sie besonders darauf achten, welche Referenzen vorgewiesen werden. Es gibt etwa verschiedene Plattformen, auf denen Katzensitter ihre Dienste anbieten und Besitzer sie bewerten können. Wollen Sie einen Sitter über die eigene Website anschreiben, achten Sie ebenfalls auf authentische Bewertungen und eventuelle Zusatzausbildungen wie Verhaltenstherapien oder Katzenpsychologie.
Zuverlässigkeit und Seriosität
Pünktlichkeit und eine klare Kommunikation sind Grundvoraussetzungen. Ein guter Katzensitter bespricht mit Ihnen im Vorfeld genau, was er während Ihrer Abwesenheit übernimmt – von der Fütterung über das Reinigen des Katzenklos bis hin zu kleinen Zusatzaufgaben wie Lüften oder Blumengießen. Seriöse Dienstleister legen transparent ihre Preise offen und lassen sich vertragliche Absprachen schriftlich bestätigen, wenn Sie dies wünschen.
Kennenlernen mit der Katze
Vor der ersten Betreuung sollte unbedingt ein Treffen stattfinden. Dabei können Sie beobachten, wie der Katzensitter auf Ihr Tier zugeht. Nimmt er sich Zeit und wartet geduldig, bis die Katze von sich aus Kontakt sucht? Fragt er nach den Gewohnheiten, Lieblingsplätzen oder Futterzeiten? Ein respektvoller, ruhiger Umgang ist ein gutes Zeichen dafür, dass sich Ihre Katze später wohlfühlen wird.
Checkliste: Anzeichen für einen guten Katzensitter
Ein Katzensitter, der wirklich Katzen versteht, verhält sich beim Kennenlernen auf bestimmte Weise:
- Geduld zeigen: Er wartet, bis die Katze von selbst den Kontakt sucht. So fühlt sich die Katze nicht bedrängt und bleibt in Kontrolle.
- Geruch kennenlernen: Ein guter Sitter geht in die Hocke, streckt der Katze zunächst die Hand hin, damit sie in Ruhe schnuppern kann. Katzen orientieren sich stark über den Geruch und entscheiden so, ob jemand „in Ordnung“ ist.
- Ruhige Ausstrahlung: Ein sanfter Tonfall und langsame Bewegungen signalisieren Sicherheit und Respekt. Plötzliche Gesten oder laute Geräusche schrecken Katzen dagegen schnell ab.
- Katzensprache sprechen: Ein erfahrener Katzensitter weiß genau, wann die Kontaktaufnahme dem Tier zu viel wird, denn sie können die Körpersprache der Tiere lesen. Statt starren Blicken zeigt ein guter Sitter Vertrauen durch langsames Blinzeln – so, wie Katzen es untereinander tun.
Vorbereitung auf Notfälle
Ein Katzensitter sollte wissen, wie er reagiert, wenn ein Tier krank wirkt oder sich ungewöhnlich verhält. Es ist sinnvoll, im Vorfeld festzulegen, welcher Tierarzt im Notfall aufgesucht werden soll, und alle wichtigen Unterlagen wie Impfpass, Telefonnummern und Medikamentenpläne bereitzulegen. Gute Sitter scheuen sich nicht, nachzufragen, wenn sie unsicher sind, und informieren Sie dann auch während Ihrer Abwesenheit zuverlässig, falls etwas Auffälliges passiert.
Das eigene Bauchgefühl zählt
Neben allen objektiven Kriterien ist auch Ihr eigenes Gefühl wichtig. Wirkt der Sitter vertrauenswürdig, hört aufmerksam zu und geht respektvoll auf Sie und Ihr Tier ein? Dann stehen die Chancen gut, dass Sie mit ruhigem Gewissen in den Urlaub fahren können.
Woran Sie merken, dass Ihre Katze den Sitter mag
Natürlich muss nicht nur der Mensch passen – auch die Katze zeigt schnell, ob sie sich mit dem Sitter wohlfühlt. Ich habe bislang nur einen Auftrag abgelehnt, weil sich bereits beim Vorbesuch zeigte, dass die Katze mich anfauchte und die Ohren anlegte, sobald ich versuchte, mich vorzustellen. Das ist für einen guten Katzensitter kein Beinbruch, man erkennt ihn aber auch daran, dass er transparent anspricht, wenn die Chemie nicht stimmt.
Achten Sie daher bei Ihrem Tier vor dem Urlaub und auch später auf zugesendeten Fotos und Videos auf diese Signale:
- Ihre Katze schnurrt, reibt sich an den Beinen oder stupst den Kopf gegen die Hand des Sitters.
- Sie kommt von sich aus auf den Sitter zu, anstatt sich zu verstecken.
- Die Fotos und Video-Updates zeigen eine entspannte Katze, zum Beispiel mit erhobenem Schwanz, offenen Augen und aufgestellten Ohren → signalisiert Freude und Vertrauen
- Während Ihrer Abwesenheit frisst die Katze normal – Appetitverlust wäre ein Hinweis auf Stress.
- Sie finden Ihre Wohnung in ordnungsgemäßem Zustand vor: Katzen, die unzufrieden sind, neigen zu Möbelkratzen oder Unsauberkeit – Verhaltensweisen, die aus Unsicherheit entstehen.
Wer kümmert sich um meine Katze, wenn ich im Urlaub bin?
Das zeichnet einen guten Katzensitter aus
Ein Katzensitter ist keine Putzkraft
Natürlich steht bei einem Katzensitter immer die Versorgung der Katze im Mittelpunkt. Das heißt: frisches Futter und Wasser bereitstellen, das Katzenklo reinigen und vor allem Zeit mit dem Tier verbringen – sei es durch Spielen, Streicheleinheiten oder einfaches „Dasein“. Genau diese Aufmerksamkeit macht den Unterschied zwischen reiner Fütterhilfe und echter Betreuung.
Darüber hinaus ist es aber auch üblich, dass Katzensitter kleinere Zusatzaufgaben übernehmen. Viele gießen auf Wunsch die Zimmer- oder Balkonpflanzen, holen die Post herein, bringen die Mülltonnen zur Abholung an die Straße oder lüften die Wohnung. Auch das Ein- und Ausschalten von Lichtern, das Regeln von Heizung oder Klimaanlage und damit ein gewisser Schutz vor Einbrüchen gehören manchmal zum Service. In der Urlaubszeit kann das eine wertvolle Entlastung sein.
Wichtig ist allerdings, die Erwartungen vorab klar zu besprechen. Ein Katzensitter ist keine Reinigungskraft und auch nicht für umfangreiche Haushaltsarbeiten zuständig. Wer also erwartet, dass während der Abwesenheit die ganze Wohnung geputzt oder aufgeräumt wird, wird enttäuscht sein. Kleine Handgriffe, die direkt mit der Tierbetreuung verbunden sind, wie den Müll rausbringen, Pipiflecken oder Erbrochenes entfernen, damit sich keine Gerüche bilden oder Krankheiten entstehen, gehören dazu. Ein guter Katzensitter gibt Ihnen auch Updates über den Gesundheitszustand des Tieres und berät mit Ihnen, ob ein Tierarztbesuch sinnvoll sein könnte.
Am Ende gilt: Je transparenter Sie vorab klären, was Sie sich wünschen und was der Katzensitter leisten kann, desto reibungsloser läuft die Betreuung – für Sie, für Ihr Heim und vor allem für Ihre Katze.
Checkliste für Katzenhalter – das sollten Sie abklären
- Hat der Katzensitter Erfahrung mit Katzen und sieht man es im Umgang mit den Tieren?
- Wirkt er zuverlässig, pünktlich und seriös?
- Gab es ein Kennenlerntreffen mit genügend Zeit?
- Geht er respektvoll mit der Katze um (abwarten, Hand schnuppern lassen, ruhig sprechen)?
- Hat der Sitter nach wichtigen Infos gefragt (Fütterung, Gewohnheiten, Tierarzt)?
- Gibt es klare Absprachen zu Aufgaben, Preisen und Notfallplänen?
- Zeigt die Katze positive Signale wie Schnurren, Kopfstupsen oder normales Fressverhalten?
- Haben Sie selbst ein gutes Bauchgefühl?
