17. August 2026, 13:04 Uhr | Lesezeit: 6 Minuten
Diabetes ist unter Katzen verbreiteter als viele denken. Gerade deshalb ist es für Katzenhalter wichtig, die Symptome der Krankheit zu kennen. PETBOOK erklärt die Anzeichen für Diabetes und wie diese behandelt werden kann.
Übersicht
Welche Formen von Diabetes es bei Katzen gibt
Feliner Diabetes mellitus zählt zu den häufigsten Hormonstörungen bei Katzen. In Zahlen bedeutet das: Etwa eine von hundert ist betroffen. Entweder produzieren diese zuckerkranken Tiere nicht ausreichend das Hormon Insulin, das Glukose in die Zellen bringt (Diabetes mellitus Typ 1), oder die Katzen produzieren ausreichend Insulin, aber der Körper ist nicht mehr in der Lage, den Zucker abzubauen (Diabetes mellitus Typ 2).
In beiden Fällen steigt der Blutzuckerspiegel stark an. Der Körper holt sich die fehlende Energie dann aus dem Fett- und Muskelgewebe. Bleibt Diabetes lange unerkannt, kann dies zu einer schweren Stoffwechselentgleisung führen – bis zu Koma und Tod der Katze.
Der klassische Katzenpatient leidet am Typ-2-Diabetes. Der Körper reagiert nicht mehr ausreichend auf Insulin, die Zellen zeigen eine Resistenz dagegen. Zusätzlich ist die Produktion des Hormons in der Bauchspeicheldrüse beeinträchtigt. Doch natürlich benötigt der Körper funktionierendes Insulin, um Zucker zu verarbeiten. Ohne das Hormon bleibt der Zucker im Blut, es entsteht ein entsprechender Mangel in den Organen.
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Welche Katzen neigen zu Diabetes?
Betroffen sind oft übergewichtige Katzen, die sich noch dazu zu wenig bewegen. Aber auch kastrierte Kater und ältere Katzen ab etwa zehn Jahren entwickeln überdurchschnittlich häufig Diabetes.
Manche Rassen, zum Beispiel Maine Coon und Russisch Blau, scheinen eine besondere Diabetes-Neigung zu haben. Ansonsten gibt es gewisse Vorerkrankungen, die die Entwicklung der Zuckerkrankheit begünstigen können, darunter Bauchspeicheldrüsenentzündung und Schilddrüsenüberfunktion.
Auf diese Symptome sollten Halter achten
Wie bereits erwähnt, trinken zuckerkranke Katzen deutlich mehr als gesunde Artgenossen und suchen öfter die Katzentoilette auf. Zu den weiteren Diabetes-Symptomen bei Katzen kann Folgendes gehören:
- Abmagerung trotz vermehrter Futteraufnahme
- Antriebslosigkeit
- stumpfes Fell
- Lähmungserscheinungen an den Hinterbeinen
Sollten Katzenbesitzer derartige Symptome bei ihrem Liebling bemerken, sollten sie möglichst rasch den Tierarzt aufsuchen. Denn je schneller die Diabetesbehandlung starten kann, desto besser sind die Heilungschancen. Zwar ist Diabetes mellitus eine chronische Krankheit, doch bei rechtzeitigem Behandlungsbeginn können sich die Symptome unter Umständen vollständig zurückbilden.
Wie erfolgt die Diagnose?
Besteht der Verdacht auf Diabetes, wird der Tierarzt zunächst eine Blut- und Urinuntersuchung durchführen. Wird dabei eine erhöhte Zuckerkonzentration in Blut und Urin nachgewiesen, kann die Diagnose Diabetes mellitus gestellt werden. Wie beim Menschen muss den erkrankten Katzen Insulin zugeführt werden. Doch da zunächst keiner weiß, wie viel Insulin der Körper noch selbst produziert, ist es aufwendig, die richtige Dosierung zu finden. „Man muss den Verlauf des Blutzuckerspiegels nach der Gabe von Insulin über den Tag hinweg untersuchen“, sagt Tierarzt Michael Frahm von der Kleintierklinik in Wasbek (Schleswig-Holstein).
Für die Untersuchung können die Katzen beim Tierarzt bleiben. Dort wird alle zwei Stunden der Blutzuckerspiegel gemessen. Wer es sich zutraut, kann diese Untersuchungen selbst zu Hause durchführen – vorausgesetzt, es ist ein braves Tier. Denn der Katze wird hierfür ins Ohr gepikst, dann wird der entsprechende Wert mit einem Handmessgerät abgelesen.
Alternativ kann wie bei an Diabetes erkrankten Menschen vorübergehend ein Sensor auf der Katzenhaut angebracht werden, der kontinuierlich den Zuckergehalt misst. „Vielen Katzen macht das gar nichts aus“, sagt Stijn Niessen. Der Tierarzt kann dann auf seinem Computer nachschauen, wie sich der Blutzuckerspiegel im Laufe des Tages entwickelt hat und die Medikation entsprechend einstellen.
Wie wird Diabetes bei Katzen behandelt?
Auch bei der Behandlung braucht man einen langen Atem. Die Ernährung sollte auf ein kohlenhydratarmes und proteinreiches Futter umgestellt werden. Bei übergewichtigen Katzen sollte man zudem versuchen, eine Gewichtsreduktion zu erzielen. Im Handel und bei den Tierärzten wird entsprechende Katzennahrung angeboten. Auf das Wort „Diät“ auf der Futterpackung sollte man sich allerdings nicht blind verlassen. Ein genauer Blick auf die Inhaltsstoffe und ein Gespräch mit dem Tierarzt können helfen. Ob die Katze von dem Diätfutter begeistert sein wird, ist zudem fraglich, die Tiere haben auch beim Futter meist ihre eigenen Vorstellungen.
Die Therapie erfolgt in der Regel auf zwei Ebenen: Zum einen wird das fehlende Insulin mithilfe von Spritzen oder Pens verabreicht. Hierfür müssen die Besitzer lernen, den Blutzucker am Ohr der Katze zu messen und das Insulin unter die Haut zu injizieren. Das erfordert ein wenig Übung, ist aber nach einer ausführlichen Einweisung durch den Tierarzt meist gut machbar. In enger Zusammenarbeit mit dem Veterinär wird die benötigte Insulindosis ermittelt, die die Katze fortan in der Regel zweimal täglich erhält.
Ist der Zuckerhaushalt eingestellt, kommen Diabetiker-Katzen mit ihrer Erkrankung gut zurecht und können oft noch viele glückliche Jahre verleben. Allerdings sollten ihre Besitzer auf etwaige Begleiterscheinungen wie Nervenschäden und Nierenleiden achten, die in Zusammenhang mit Diabetes auftreten können.
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Sirup statt Spritze? Neues Medikament auf dem Markt
Zweimal am Tag möglichst jeweils zur gleichen Uhrzeit Insulin zu spritzen, um den Blutzuckerspiegel möglichst konstant zu halten, ist ein ziemlicher Mehraufwand. „Das ist für viele Katzenbesitzer eine große Herausforderung“, sagt Frahm. „Sie trauen sich das Spritzen nicht zu.“ Zudem ist man zeitlich sehr angebunden. Wenn man im Urlaub ist, muss man jemanden finden, der dem Tier regelmäßig die Spritze gibt.
Seit Beginn 2024 wird eine angeblich deutlich einfachere Therapiemöglichkeit auf dem Markt angeboten, und zwar eine orale Gabe. Dabei handelt es sich um sogenannte SGLT-2-Inhibitoren, die auch für die Behandlung von zuckerkranken Menschen genutzt werden. Die Flüssigkeit wird den Tieren einmal am Tag ins Futter gemischt. Alternativ kann es den Tieren direkt ins Maul gespritzt werden.
Im Gegensatz zu der Behandlung mit Insulinspritzen bestehe bei dem neuen Medikament nicht das Risiko einer Überzuckerung. Es sind weniger Kontrolluntersuchungen nötig: Überschüssige Glukose wird einfach über den Harn ausgeschieden. Allerdings ist dieses neue Medikament nicht für alle Tiere die erste Wahl. Denn Katzen benötigen in ihrer Ernährung keinen Zucker, können ihn weder schmecken noch verstoffwechseln. Ist die Krankheit bereits zu fortgeschritten, sollte es nicht eingesetzt werden, denkt auch Frahm.
Mehr Bewegung für Wohnungskatzen
Die Ursachen für Diabetes bei Katzen sind bisher nicht erforscht. „Man geht wie beim Menschen von einer genetischen Disposition in Verbindung mit einem entsprechenden Lebenswandel aus“, sagt Tierarzt Frahm. Tierhalter sollten dafür sorgen, dass ihre Katze nicht zu dick wird. Dies ist vor allem bei reinen Wohnungskatzen ein Thema, die sich meist deutlich weniger bewegen als Freigänger. Mit Spielen oder dem Verstecken von Leckerlis kann für mehr Schwung im Leben der Katze gesorgt werden.
Mit Material der dpa